Remy Schärers Reich ist idyllisch. Sein Haus in Villnachern, das sich am Rande der Siedlung befindet, wird von einem grosszügigen Garten umfasst. Überall stehen Schärers Kunstwerke: Skulpturen aus Eisen. Sie gesellen sich zu Werken anderer Künstler und machen aus dem Garten schon fast eine Ausstellung.

Remy Schärer (67) hat das Haus oberhalb von Villnachern 1982 erbaut. Heute bewohnt er es zusammen mit Doris Hartmann (68), seiner Ehefrau. Ihm gefällt es hier, nur die Nähe zu den Bahngleisen ist manchmal störend. «Doch die Züge sind heute viel leiser als früher», sagt Schärer. Er trägt einen roten Overall und rückt seine Brille zurecht.

Seit über 15 Jahren ist Schärer als Künstler tätig. Sein Material ist Eisen. «Es riecht gut», sagt er. Schon immer hat ihn Eisen fasziniert, viel mehr als andere Materialien. Während seiner beruflichen Laufbahn hatte er aber mit den verschiedensten Werkstoffen zu tun. Schärer wuchs in Muri im Freiamt auf, wo er die Primar- und Oberstufe besuchte. Anschliessend absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner. Nach Abschluss der Ausbildung trat er mit 22 eine Stelle in einem Brugger Architekturbüro an. Seiner ersten Familie war es ein Anliegen, dass Schärer über den Mittag zu Hause essen konnte, weshalb man 1982 nach Villnachern zog. Bis heute ist er dort geblieben.

Dreimal in der Woche im Atelier

Schärer bildete sich weiter, arbeitete schliesslich als Architekt. Immer gefielen ihm die Projekte mit Metall am besten. Mit 48 orientierte er sich noch einmal neu und begann, für die Abteilung Planung und Bau der Gemeinde Windisch zu arbeiten. Das tat er bis zu seiner Frühpensionierung mit 63 im Jahr 2014. «Ich habe kein schlechtes Gewissen deswegen», sagt Schärer. Er habe immer gearbeitet, habe keine Woche unbezahlten Urlaub bezogen. Das Schweissen und Schmieden brauchte er damals als Ausgleich.

Als Pensionär lässt es Remy Schärer, der auf den Namen Remigius getauft wurde, aber überall, wo es geht, seinen Rufnamen verwendet, ruhiger angehen. Zwei bis drei Tage pro Woche arbeitet er in seinem Atelier. Dieses befindet sich nur etwa 50 Meter von seinem Wohnhaus entfernt. Es ist ein alter Schopf, den der Vorbesitzer als Holzlager nutzte. Später kaufte es ein Rebbauer und Schärer konnte einen Teil des Schopfs mieten. Darin hat er nun sein Reich eingerichtet. Überall stehen Skulpturen, überall liegt Eisen. «Manchmal stellen mir die Leute einfach Eisen vor die Tür, einmal ein ganzer Ladewagen. Mir solls recht sein.» Schärer nimmt das, was er brauchen kann, der Rest wandert ins Alteisen.

Hubstapler schafft Abhilfe

Im Vordergrund von Schärers Arbeiten steht seine Freude daran. «Ich fabriziere nicht einfach Dinge, um sie zu verkaufen», sagt der Autodidakt. Er freut sich, wenn jemand Gefallen an einem seiner Werke findet, es ist aber nicht sein Ansporn. Es langweilt ihn, mehrmals das Gleiche zu machen, er will lieber Neues schaffen. Auch will er nicht jedem Trend nacheifern, sondern das machen, was ihm gefällt. Inspirationen holt er sich bei seinen künstlerischen Vorbildern, er sucht aber nicht aktiv danach.

So lange es gesundheitlich geht, will Remy Schärer weitermachen. «Eisen ist schwer», sagt er. Er spürt die Schulter, aber «das kann auch eine Alterserscheinung sein.» Um sich zu schonen, hat er sich einen Hubstapler zugelegt, mit dem er die Eisenteile herummanövriert.

Langweilig würde es ihm ohne Kunst aber so schnell nicht werden. Er hat noch seinen Garten und seine sechs Enkelkinder. «Und manchmal muss ich in die Ferien», sagt er mit einem Seitenblick auf seine Frau Doris.