Villnachern
Er kam als Hilfskampfrichter und geht als zufriedener Präsident

Christian Menzi tritt nach neun Jahren als Präsident des Aargauischen Turnverbands und damit von 42000 Turnenden auf Ende Jahr zurück. Zum Turnverband kam er über seine Frau, einer begeisterten Leichtathletin.

Irene Hung-König
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«Ich bin ein Bewegungsmensch», sagt Christian Menzi von sich selber. Mario Heller

«Ich bin ein Bewegungsmensch», sagt Christian Menzi von sich selber. Mario Heller

Mario Heller

Der im Kanton Uri aufgewachsene Christian Menzi nennt den Kanton Aargau eine Hochburg des Turnens. 42 000 Mitglieder und 450 Turnsportvereine zählt der Aargauische Turnverband (ATV). In den neun Jahren seiner Amtszeit gelang es Menzi, eine Geschäftsstelle aufzubauen und im Spitzensport Kunstturnerinnen und Kunstturner zu vereinen.

Der 54-jährige Familienvater dreier Buben ist in Erstfeld aufgewachsen und dort in die Jugi gegangen. Wobei, ein Turner sei er nicht. Jedenfalls keiner, der an Geräten turnte.

«Ich bin ein Bewegungsmensch, aber nicht nur auf eine Sportart eingestellt», sagt der Instruktor der Genietruppen in Brugg. Schwimmen, Tauchen, Skifahren, Schiessen, Wandern, Velofahren – all das übt er aus.

Zum Turnverband kam er über seine Frau Mädi, eine begeisterte Leichtathletin. Als aktives Mitglied des Aargauischen Leichtathletikverbands amtete sie als Wettkampfrichterin.

Sie fragte ihren Mann, ob er sie an die Anlässe begleiten wolle. Er wollte und half als Hilfskampfrichter aus. «Ich bin durch meine Frau Mädi hineingezogen worden. Ohne sie wär ich wohl nicht Präsident des ATV geworden», sagt Christian Menzi.

Geschäftsstelle aufgebaut

Christian Menzi geht als zufriedener Präsident, wie er sagt. Als er das Amt vor neun Jahren von Silvia Kneuss übernahm, befand sich der Aargauische Turnverband im Aufbau; Kantonal Turnverband, Männer- und Frauenturnverband hatten sich zusammengeschlossen.

«Für einen Verband solcher Grösse brauchten wir eine Geschäftsstellenleiterin zu 100 Prozent plus eine Mitarbeiterin zu 20 Prozent. Zuvor funktionierte das Verbandswesen ehrenamtlich.

Der Aufbau dieser Geschäftsstelle war eine der herausragenden Aufgaben Menzis. Im Bereich Spitzensport gelang ihm der Zusammenschluss zwischen Kunstturnverband Männer und Aargauer Turnverband. «Das ist ein Highlight, da habe ich sehr Freude daran, dass sich die zwei Präsidenten gefunden haben.»

Christian Menzi betreute in den neun Jahren auch während zweieinhalb Jahren den Bereich Spitzensport, weil kein Zentralvorstandsmitglied zur Verfügung stand und sah so ins Kunstturnen hinein.

«Da habe ich sehr viel profitiert. Ich sah den Spitzensport als einen Bereich, in dem man sehr schnell reagieren muss. Im Gegensatz zum Breitensport, da funktioniert das Ganze eher langsam. Man hat von Sitzung zu Sitzung Zeit, etwas zu ändern», erklärt Christian Menzi. Positiv in Erinnerung bleiben wird Christian Menzi auch das Verhältnis zu den Kreisturnverbänden, das «miteinander arbeiten».

Turnen hat Tradition, schon die Kleinsten erfreuen sich im Eltern-Kind-Turnen an Spielen in der Turnhalle, später sind es die Mädchen- und Jugendriegen, die den Kindern Geräteturnen, Spiele, Leichtathletik – einfach Freude an der Bewegung vermitteln.

Ohne Leiterinnen und Leiter, Menschen, die sich konstant weiterbilden und das Gelernte vermitteln, geht nichts. Christian Menzi schätzt denn auch den Zusammenhalt in der Turnerfamilie. Beispiel Turnfest: Nebst dem Turnen sei auch das Fest danach, genauso wichtig wie die Leistung.

Trotzdem kämpften auch sie damit, den Wandel der Zeit nicht zu verschlafen. «Wir haben Mühe, die Leute zu halten. Es gibt so viele Möglichkeiten, viele gehen ins Fitness. Wir haben Mühe, Mitglieder im Vorstand, Jugi-Leiter, Vorturner zu finden, die hinstehen und sagen: ‹Ich verpflichte mich›.»

Den Wandel analysieren

Laut Christian Menzi laufe es im Jugendbereich mit aktiven Leuten gut. Es gebe aber eine Zwischenphase, welche die Turnerinnen und Turner ab «35+» betreffe. «Die sagen sich, wieso soll ich im Turnverband sein?

Ich kann ja trotzdem turnen.» Eine gewisse Solidarität wäre seiner Meinung nach angebracht. Nach dem Motto: «Ich konnte früher auch turnen, jetzt bleibe ich dabei und helfe mit. Unsere Aufgabe ist es, diesen Wandel zu analysieren, mitzumachen und schauen, wo man die Leute abholen kann», erklärt Christian Menzi.

Bis Ende Jahr stehen für den abtretenden Präsidenten Delegiertenversammlungen der Kreisturnverbände sowie Geburtstagsbesuche der Ehrenmitglieder an. «Ab 60 besuchen wir vom ATV die Ehrenmitglieder alle fünf Jahre.

Auch das ist eine Aufgabe, eine schöne Aufgabe, wenn man zu einem 90-Jährigen geht, sitzt man einen Moment hin und hört zu.» Christian Menzi bezeichnet sein Hobby beim ATV als Fulltime-Job. Aus Neugier zählte er während eines halben Jahres ATV-Sitzungen und Besuche zusammen:

57 waren es insgesamt. Anfang Jahr übergibt er die Unterlagen und Schlüssel an seinen Nachfolger Jörg Sennrich. Der bisherige Marketing- und Kommunikationschef kennt den ATV bestens. «Ich wünsche ihm gutes Gelingen und lasse mich überraschen», sagt Christian Menzi.

Für die Zeit danach hat Christian Menzi neue Pläne. Mit seiner Frau einen Tanzkurs besuchen, zum Beispiel. «Egal was es ist, Hauptsache wir machen wieder etwas gemeinsam.» Auch freue er sich, bei den Aktivitäten der Kinder dabei zu sein. Das kann ein Besuch im Trampolintraining sein, «ohne gleich an die nächste Sitzung gehen zu müssen «, sagt Christian Menzi.

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