Alles begann mit einer Flasche Wein. Vor Jahren klingelte es eines Abends an der Türe des Villiger Gemeindeammanns Markus Leimbacher. Draussen stand Arnold Lehner, Gemeindeammann des benachbarten Stilli, und deutete auf die Flasche: «Markus, ich möchte etwas mit dir besprechen.» Mit diesen Worten begann, was sich von den späten Neunzigern bis heute zu einer besonderen Laufbahn entwickeln sollte: Markus Leimbachers Weg zum Projektleiter von Gemeindezusammenschlüssen (siehe Box). Er ist darauf praktisch abonniert. Dieses Wort würde der Brugger Rechtsanwalt und langjährige SP-Politiker allerdings nie in den Mund nehmen. Doch geht es um verlobungs- und heiratswillige Gemeinden kann ihm keiner ein X für ein U vormachen.

Die Initialzündung, Gemeinden und Städte auf ihrem mitunter hürdenreichen Weg zum Zusammenschluss zu begleiten, erfolgte an jenem Abend, als der Gemeindeammann von Stilli bei seinem Villiger Kollegen anklopfte und das Thema Fusion zum langfristigen Nutzen und Wohle beider Gemeinden aufwarf. «Das grössere Villigen und das kleinere Stilli waren damals nicht unbedingt befreundet miteinander», sagt Markus Leimbacher, gebürtiger Bademer (deshalb ein «m» und nicht ein «n»), «also bedeutete es viel, dass Arnold Lehner signalisierte, er könnte sich eine Ehe mit Villigen vorstellen. Dass diese dann zustande gekommen ist …», Leimbacher schüttelt sachte den Kopf, vollendet den Satz nicht.

Politisch sensibilisiert

Der 56-Jährige ist ein guter Zuhörer. Sein Blick durch die runden Gläser der schwarzen Brille richtet sich konzentriert auf das Gegenüber. Leimbacher ist keiner, der unterbricht, um vorschnell seine Sicht der Dinge darzulegen oder unverzüglich mit Lösungen punktet. Er wägt Argumente sorgsam ab, stellt das Für und Wider selbst in kleinsten Details vorurteilslos und kenntnisreich dar – und lässt damit seine Gesprächspartner zu Entscheidungen kommen. Seine Ausbildung zum Mediator, zum Vermittler zwischen Parteien, kommt Leimbacher in seiner Tätigkeit als Projektleiter von Gemeindezusammenschlüssen zupass.

Dass er ursprünglich «kein politischer Mensch» gewesen sein soll, nimmt man ihm nicht ab. Doch erst das Leben in Villigen, die Anteilnahme am Dorfleben und schliesslich das Hineinwachsen in das verantwortungsvolle Amt des Gemeindeammanns sowie – später – die Erfahrungen im Grossen Rat haben ihn politisch sensibilisiert.

Bevölkerung muss mit ins Boot

Im Grossen Rat hat er die Gemeindelandschaft von der Kantonsseite kennen gelernt; als Fraktionschef der SP hat er gute, dauerhafte Beziehungen zu kantonalen Verwaltungen geknüpft – eine exzellente Ausgangslage, um für die Projektleitung fusionswilliger Gemeinden gerüstet zu sein.

Eine externe Projektleitung einzusetzen, sei auf jeden Fall sinnvoll, betont Leimbacher, denn so bleibe die neutrale Sicht gewährleistet. «Genauso wichtig ist es aber auch, dass in den einzelnen Facharbeitsgruppen, die sich etwa um die Zukunft der Schule, Finanzen oder Gemeindeverwaltung kümmern, Leute aus den beteiligten Gemeinden vertreten sind. Ist die Bevölkerung mit im Boot, wird der Geist weitergetragen.»

Für den Brugger ist ein Zusammenschluss immer ein partnerschaftliches Unternehmen: «Es darf nicht sein, dass die grössere Gemeinde überhand gewinnt» und: «Man muss sehr feinfühlig sein im Hinblick auf die Stimmung in den Dörfern.» Viele Gemeinden hat er schon begleitet – darunter auch Baden und Neuenhof. Dass die Fusion im Juni 2010 von den Badenern hauchdünn abgelehnt wurde, erfüllt Leimbacher heute noch mit Schmerz. Nur gerade 47 Stimmen haben damals den zukunftsträchtigen Schritt für Baden wie für Neuenhof verhindert. Für den Rechtsanwalt war dieses Projekt «das sachlich am besten aufgegleiste» – umso einschneidender war für ihn dessen Ablehnung. Als das Abstimmungsergebnis bekannt geworden sei, habe er darauf mit «Tränen reagiert». Leimbachers Erkenntnis: «Abstimmungen werden immer aus dem Bauch heraus entschieden.»

Was lief damals falsch? Schuldzuweisungen sind nicht Leimbachers Sache; er verweist auf verschiedene Ursachen, meint dann ganz allgemein auf Gemeindefusionen bezogen: «Es kann sich fatal auswirken, wenn die Bevölkerung im Vorfeld einer Fusion verunsichert wird – etwa durch ein Flugblatt mit sachlich falschen Informationen.»

Knochenarbeit und Herzblut

Kein Wunder, ist der Rechtsanwalt ein hellhöriger Beobachter von Gemeinden. Seit 2008 begleitet er Birr und Birrhard auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft, über die am
8. März der Souverän abstimmen wird. Als nächste Projekte stehen Abklärungen im Hinblick auf Killwangen und Spreitenbach sowie das mittlere Fricktal an. Einmal mehr wird also gefragt sein, was Markus Leimbacher seit Jahren als ebenso spannend wie bereichernd empfindet: Knochenarbeit und Herzblut.