Als Moritz Roelcke aus Remigen als Sechsjähriger mit seiner Mutter ein Konzert des grossen Klezmer-Musikers Giora Feidman besuchte, flog er auf dessen Instrument – die Klarinette.

Er wusste sofort: «Dieses Instrument will ich unbedingt spielen.» Das war vor zwanzig Jahren. Seither hat sich Roelcke als Klarinettist einen Namen gemacht. Diesen Samstag gibt er nach über drei Jahren wieder einmal ein Konzert in Brugg.

Früher, als er noch zu Markus Ruflin in den Klarinettenunterricht ging, spielte Roelcke regelmässig im Zimmermannhaus.

Dieses Mal bestreitet der Klarinettist das Konzert mit dem mexikanischen Pianisten Rolando Valdés. «Ich werde viele Besucher kennen, darunter auch einige, die mich auf meinem Weg intensiv unterstützt haben, wie zum Beispiel der Klarinettist und Dirigent Marc Urech von der Musikwerkstatt», sagt der Remiger.

Vor allem ihm habe er zu verdanken, dass er den Sprung nach Zürich ans Konservatorium geschafft habe.

In Remigen tankt Roelcke Energie

Seit dem Bachelor, also seit 2010, lebt Roelcke in Zürich. Nach Remigen zu kommen ist für ihn Erholung vom Alltag – von den Reisen sowie dem konstant hohen Druck und den Erwartungen an Konzerten und Orchesterprobespielen.

«Ich gehe sogar im Wald und in den Weinbergen spazieren, was ich als Kind nie tat, und fahre dann wieder voller Energie weiter, zu einem nächsten Konzert», erzählt der Profimusiker.

Dank einem Stipendium des Aargauer Kuratoriums steht Roelcke derzeit noch eine weitere Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung: im Atelier in der Fundaziun Nairs bei Scuol.

Seinen Konzertpartner Rolando Valdés hat Roelcke 2016 in Zürich kennengelernt. «Er fragte mich zufällig, ob ich an seiner Prüfung mitspielen könne», erzählt der Remiger. Anschliessend haben sie sich an die beiden Brahms-Sonaten – die «Klarinetten-Klassiker» – gewagt.

«Rolando hat in Mexiko viele Wettbewerbe gewonnen und wurde für eine Kammermusik-Tournee eingeladen, für die er mich anfragte», fährt Moritz Roelcke fort. So reisten die beiden im letzten Juni durch Mexiko und spielten Konzerte.

Das Programm war das gleiche wie diesen Samstag in Brugg. Für die Proben ist Roelcke kürzlich extra für einige Tage nach Weimar gefahren, wo Rolando Valdés heute lebt.

Er liebäugelt mit Orchesterstelle

Roelcke mag im Hinblick auf den Brugger Auftritt nicht von Lampenfieber sprechen. Aber eine gesunde Anspannung sei bei ihm die Voraussetzung für ein gutes Konzert, betont er.

Eine erste Herausforderung ist laut Roelcke sicherlich schon mal die körperliche, also eineinhalb Stunden auf der Bühne zu stehen und wortwörtlich zu blasen.

Eine weitere Herausforderung für den Musiker ist die Werkauswahl. «Die Brahms-Sonaten sind schwierig fürs Zusammenspiel und die beiden französischen Werke von Francis Poulenc und Claude Debussy virtuos. Die Erwartungen sind hoch und dem wollen wir gerecht werden.»

Für den Rest des Jahres ist der freischaffende Klarinettist nach eigenen Angaben relativ gut ausgelastet. Dafür ist er sehr dankbar, weil das überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist.

«Ich liebäugle auch mit einer festen Orchesterstelle, das ist aber ein unglaublich schwierig zu erreichendes Ziel, weil die Konkurrenz aus der ganzen Welt kommt und das Niveau unsagbar hoch ist», so der 26-Jährige.

Dennoch ist er sehr motiviert, auch weil er derzeit als Aushilfe im Orchestre de Paris spielt. Moritz Roelcke hofft, in Zukunft wieder vermehrt in der Region aufzutreten, vor allem mit seinem Klezmer-Partner und Freund, dem Gitarristen Pascal Ammann, der in Brugg lebt und wirkt.