Bezirksgericht Brugg

Er hat seine Frau gewürgt und bedroht – ist aber schuldunfähig

Der Mann hatte seine Frau bedroht und mit den Händen gegen ihren Hals gedrückt. (Symbolbild)

Der Mann hatte seine Frau bedroht und mit den Händen gegen ihren Hals gedrückt. (Symbolbild)

Vor dem Bezirksgericht Brugg steht ein Mann, der an paranoider Schizophrenie leidet – angeordnet wird eine ambulante Massnahme.

Er hat seine Frau gewürgt und mit dem Tod bedroht. Blerim (Name geändert) leidet an paranoider Schizophrenie.

Der gestandene, gepflegte grauhaarige Mann aus der Re­gion erscheint im dunkelblauen Hemd und in schwarzen Hosen vor dem Bezirksgericht Brugg. Er spricht mit leiser, rauer Stimme, gibt sich wortkarg. «Dazu möchte ich nichts sagen», lässt er mehr als einmal aus dem Albanischen übersetzen. An an­deren Stellen macht er widersprüchliche Angaben in der Befragung durch Gerichtspräsident Sandro Rossi, korrigiert sich in der Folge. Ausführlicher und klarer äussert sich die erwachsene Tochter, die neben der Übersetzerin und dem Verteidiger ebenfalls anwesend ist im Gerichtssaal.

Den Lebensunterhalt kann er nicht selber bestreiten

An einem Mittwoch im August des letzten Jahres, kurz vor Mitternacht, hat der Beschuldigte seine Ehefrau in Lebensgefahr gebracht, heisst es in der Anklageschrift. Sie habe zu Hause auf dem Sofa gelegen, er habe ihr wissentlich und willentlich während rund drei Minuten und – nach einem kurzen Unterbruch – während rund zwei Minuten mit beiden Händen von vorne gegen den Hals gedrückt. Schon an den Tagen zuvor habe er seiner Frau mehrmals gedroht, er werde sie umbringen. Gefährdung des Lebens und mehrfache Drohung lauten die Vorwürfe.

Er habe seine Frau weggestossen, entgegnet Blerim auf die Frage von Einzelrichter Rossi, ob er sie gewürgt habe. Was genau passiert war, wie seine Frau reagiert habe, ob sie etwas gesagt oder ob sie geschrien habe, woher sie ihre Verletzungen am Hals gehabt habe, darüber macht er keine Angaben. «Lieber rede ich gar nicht.» Aber bedroht, stellt er fest, habe er seine Frau nicht.

Heimtückische Krankheit kann jeden treffen

Blerim erhält eine Rente von der Invalidenversicherung. Er versuche davon zu leben, aber der Betrag reiche nicht, um alles bezahlen zu können. Finanzielle Unterstützung – etwa bei der Wohnungsmiete – leisten seine Kinder. In seiner Freizeit gehe er gerne raus mit der Familie, sagt er zu seinem Tagesablauf. Sonst habe er keine Hobbys.

Gemäss einem psychiatrischen Gutachten vom Dezember 2019 leidet der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie. Zum Zeitpunkt des Vorfalls im August des vergangenen Jahres habe er sich in einem paranoiden Zustand befunden. Für den Verteidiger besteht kein Zweifel, dass der Beschuldigte schuldunfähig ist. Er sei nicht fähig gewesen, das Unrecht seiner Tat zu erkennen, eine Verurteilung sei nicht möglich. Auf die medikamentöse Behandlung spreche der Beschuldigte gut an, die Überwachung der Medikation könne ambulant fortgeführt werden.

Das Bezirksgericht sieht die Straftatbestände zwar als erfüllt an. Diese seien aber, hält es ebenfalls fest, im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen worden. An den entstandenen Untersuchungskosten muss sich der Beschuldigte mit 900 Franken beteiligen. Diesen Betrag erachtet das Gericht als fair. An­geordnet wird eine ambulante Behandlung von fünf Jahren. Die Dauer sei angemessen und erforderlich, zeigt sich das Gericht überzeugt. Der Beschuldigte leide an einer heimtückischen Krankheit, die jeden jederzeit treffen könne und deren Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkt seien.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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