Bald ist es soweit: Im Februar beginnen in Südkorea die Olympischen Winterspiele und es heisst Daumen drücken für die Athleten. Doch nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer gibt es 2018 die Chance, einen Platz auf dem Siegertreppchen zu ergattern. An der internationalen Geografie-Olympiade im kanadischen Québec messen sich die besten Geografieschüler aus der ganzen Welt im Alter von 16 bis 19 Jahren.

Zum vierköpfigen Schweizer Team gehört auch der Windischer David Kiely. Der 18-Jährige gewann die dritte Schweizer Geografie-Olympiade. «Geografie ist eine Interessenswelt von mir», sagt er und fügt an, «Es liegt wohl in der Familie. Mein Vater ist Geologe und mein Onkel Geograf.»

Von der Geografie-Olympiade hat er über einen Flyer erfahren. Er wollte sein Wissen testen und hat seinen Lehrer darauf angesprochen. So kam es, dass er zur Vorausscheidung im Mai innerhalb einer Viertelstunde 30 Multiple-Choice-Fragen auf Englisch beantworten musste. Schweizweit absolvierten rund 650 Jugendliche den Test, von diesen schafften es 17 ins Finale.

Anschliessend hiess es büffeln. Kiely las alle Geografie-Unterlagen durch, die er über die Jahre gesammelt hatte, und besuchte an seiner Schule, der Kantonsschule Baden, das Förderprogramm. Dieses fand insgesamt viermal statt, immer über den Mittag. Im Sommer ging Kiely freiwillig mit anderen Finalisten in ein Lager in Zernez, wo sie ebenfalls auf die Geografie-Olympiade vorbereitet wurden. Organisiert wird dieser Anlass vom Verein Schweizer Geografie-Olympiade (SwissGeOlymp), der die Jugendlichen auch in Kanada betreuen wird.

Unter Zeitdruck Karte zeichnen

Dann, an einem Samstag im November, war es endlich soweit. An der Kantonsschule Solothurn mussten die Jugendlichen drei Tests in Englisch absolvieren. Erst gab es eine schriftliche Prüfung und danach eine Multiple-Choice-Prüfung, bei der es ums Analysieren und Interpretieren von Karten, Grafiken und Bildern ging. Die anschliessende Feldarbeit bestand aus einer Eventplanung und dem Zeichnen einer Karte von einer Primarschule in der Nähe.

Diesen Teil fand Kiely besonders schwierig. Denn die Karte musste massstabsgetreu und unter Zeitdruck erstellt werden. Da keine Massbänder zur Verfügung standen, wurde die Distanz mit Schritten gemessen. Zur Belohnung erhielten die Teilnehmer hinterher eine Stadtführung und um 18 Uhr wurden die Ergebnisse mitgeteilt. Bis dahin sei er erstaunlich ruhig gewesen, erst dann habe die Nervosität eingesetzt, erzählt David Kiely. Der Jugendliche staunte nicht schlecht, als er als Gewinner bekannt gegeben wurde. «Ich konnte es gar nicht glauben. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben», beschreibt er seine Gefühle. Schliesslich habe er sich nicht allzu grosse Chancen ausgerechnet, da die Gegner alle zwei Klassen über ihm gewesen seien.

Eine gute Allgemeinbildung

Worauf führt er seinen Sieg zurück? Auf logisches Denken, die Fähigkeit, vieles aus den Aufgabenstellungen zu schliessen, und eine gute Allgemeinbildung. Er fügt an: «Das Ganze auf Englisch zu machen, ist mir vielleicht ein bisschen leichter gefallen als den anderen, weil meine Mutter Irin ist.» Als Preis gab es eine Medaille sowie ein Geografie-Buch und einen Weltatlas. Gefeiert hat Kiely dann ganz spontan noch mit seinen Freunden.

Doch auf den Lorbeeren ausruhen kann er sich nicht. Denn bald schon wird sich das Schweizer Team persönlich treffen und trainieren. Kiely macht das gerne. Er freut sich sehr darauf, nach Kanada zu reisen und dort neue Leute aus vielen verschiedenen Nationen kennenzulernen. Es erfüllt ihn mit Stolz, in Québec die Schweiz repräsentieren zu dürfen. Die Chancen des Schweizer-Teams schätzt er als gut ein. Zwar kenne er die anderen noch nicht so gut, räumt er ein, er denke aber, dass sie von SwissGeOlymp gut vorbereitet würden.

Ausserhalb der Olympiade auf die Geografie setzten, möchte Kiely allerdings nicht. Beruflich würde er gerne einmal etwas in der Medizin oder in der Wirtschaft machen. In diesen Feldern sei sein Interesse nämlich noch ein bisschen grösser.