Schinznach-Dorf

Er fuhr in 82 Tagen von San Francisco nach Alaska – per Velo

Zwischenstopp: Manuel Meier bei den Mammutbäumen in den Redwoods in Nordkalifornien. Noch viele Kilometer liegen da vor ihm – nicht etwa mit dem Camper, sondern mit dem Velo. ZVG

Zwischenstopp: Manuel Meier bei den Mammutbäumen in den Redwoods in Nordkalifornien. Noch viele Kilometer liegen da vor ihm – nicht etwa mit dem Camper, sondern mit dem Velo. ZVG

6700 Kilometer legte Manuel Meier auf dem Velo zurück, radelte von San Francisco nordwärts an die Prudhoe Bay in Alaska – jetzt ist er in der Region auf Vortrags-Tour und erzählt von seinem Abenteuer.

Durchdringende Kälte. Das Thermometer zeigt 2 Grad Celsius an. Klamme Kleider. Zum Übernachten ein Zelt und ein Schlafsack. Zum Baden ein eiskalter Fluss. Das Ende seiner Reise verlangte Manuel Meier (21) alles ab.

Begonnen hat alles einige Jahre zuvor. In seiner Lehre als Elektroniker träumt Manuel Meier von einem grossen Abenteuer. Er, der auch oft in den Bergen anzutreffen ist oder auch mal einen Marathon rennt. Er beginnt zu sparen, legt so viel Geld wie möglich auf die Seite. «Ich ging beispielsweise nie in die Kantine essen», sagt er. «So konnte ich viel Geld auf die Seite legen.» Dann kam das Ende seiner Lehrzeit und damit der Anfang seines grossen Traumes.

Ein Kaltstart ins Abenteuer

Manuel Meier arbeitet zuerst ein halbes Jahr. Dann, im Frühling 2014, reist er drei Monate als Backpacker durch Südostasien. Kambodscha, Laos, Vietnam. Viele Eindrücke, viele Erinnerungen. Im Hinterkopf aber immer sein grosser Traum: mit dem Velo vom Süden der USA hoch in den Norden radeln. Sein Zeitplan ist reichlich knapp: Er kommt von Asien zurück, eine Woche später sitzt er bereits wieder im Flugzeug hoch über dem Atlantik. Das sei psychisch schon etwas stressig gewesen. Ein Kaltstart in sein neues Abenteuer.

Kalifornien. San Francisco. Die Golden Gate Bridge. Und vor Manuel Meier liegen 6700 Kilometer Strasse. Ein Weg, den er mit seinem Tourenvelo bewältigen will. Stets dem Pazifik entlang, bis nach Vancouver in Kanada und von dort noch weiter nach Alaska an die Prudhoe Bay.

Mit dem Velos von San Francisco nach Alaska

Kaltes Bad, heisse Burger und wilde Tiere: Eindrückliche Momente von Manuel Meiers Reise.

Über sich selber bestimmen

Ein verrückter Kerl, mag man denken. Einer auf dem Selbstfindungstrip vielleicht. Nichts da, sagt Manuel Meier. Er mag es, unkonventionell zu reisen. Ganz anders als viele in seinem Alter, die lieber an den Party-Stränden rund ums Mittelmeer herumhängen. «Die Abenteuerlust hat mich dazu angetrieben. Ich wollte etwas erleben, wollte eine Zeit lang selber über mich bestimmen», erklärt er. Die physische Herausforderung lockt ihn, bringt ihn aber auch an seine mentalen Grenzen.

Bereits auf den ersten Kilometern bläst ihm der Wind entgegen, zwingt ihn dazu, früher zu rasten als geplant. Da schiesst ihm erstmals der Gedanke durch den Kopf: «Was, wenn ich das nicht in der geplanten Zeit schaffe?» Er rechnet aus, ob er genügend Tage eingeplant hat, wenn es so weiter geht. Es sind Gedanken, die er sich schon vor Beginn der Reise eigentlich verboten hat. «Ich hatte einen Deal mit mir selber: Auf keinen Fall sollte es so weit kommen, dass ich die Tour abbreche», erzählt Manuel Meier.

Doch der damals 20-Jährige zieht es durch. Er fährt auf dem Highway neben riesigen Lastwagen. Übernachtet im Zelt, vertilgt jeden Tag um die 6000 Kalorien. Manchmal kommt er bei Einheimischen unter, die den zwei Meter grossen Schweizer verwöhnen. Er begegnet insgesamt über 50 Bären, vor allem Schwarzbären, der eine oder andere Grizzly ist auch darunter. Bei den ersten Begegnungen klopft das Herz heftig.

Mit der Zeit wird der Kontakt mit den Wildtieren Normalität. Manuel Meier geniesst die Einsamkeit in der Natur, ohne sich alleine zu fühlen. Angst hat er keine, Respekt schon. Nur einmal wird es brenzlig. In Kanada rennt ein Elch zwei Meter neben seinem Velo vorbei. «Hätte der mich überrannt, wäre ich wohl jetzt nicht mehr an einem Stück», ist sich Manuel Meier sicher.

«Ich hatte einen Deal mit mir selber: Auf keinen Fall sollte es so weit kommen, dass ich die Tour abbreche.» Manuel Meier

«Ich hatte einen Deal mit mir selber: Auf keinen Fall sollte es so weit kommen, dass ich die Tour abbreche.» Manuel Meier

Besuch bei den Schönbächlers

Einen Zwischenstopp legt er bei der Familie Schönbächler – bekannt aus der SRF-Sendung «Auf und davon» – im kanadischen Rosswood ein. «Zuerst kam ich mir etwas komisch vor. Ich wollte ja nicht irgendein Fernsehtourist sein», sagt Manuel Meier. Doch das Gefühl legt sich rasch. Die Familie Schönbächler nimmt ihn gut auf. Mit Vater Hermann baut er einen Unterstand, zwischendurch spielt der Jungscharleiter mit den drei Kindern.

Am Ende verbringt er acht Tage bei den Auswanderern, bevor er die Route durch Alaska auf sich nimmt. Dieses hat es in sich. Das Wetter ist schlecht. Es regnet. Manuel Meier hat kaum noch trockene Kleider. «Es gab Momente, in denen ich mir meine Reise anders vorgestellt habe», sagt Manuel Meier ein halbes Jahr später. Dies ist ein solcher Moment. «Ich hatte extremes Wetterpech oben im Norden», sagt er. «Ich fühlte mich ungerecht behandelt.»

Dann, am 82. Tag, erreicht er die Prudhoe Bay an der Nordküste Alaskas. «Irgendwann nach einer weiteren Ewigkeit war es geschafft. Finger und Zehen hatten in der feuchten Ausrüstung böse gelitten heute und ich war derart am Frieren, dass ich absolut keine Touren-Abschluss-Emotionen verspürte», schreibt Manuel Meier an diesem Tag in seinen Blog.

Wer jetzt Lust hat, den Abenteuerberichten von Manuel Meier zu lauschen, kann dies an einem seiner Vorträge tun. Mittlerweile studiert er Elektrotechnik an der ETH in Zürich. Weitere Reiseideen hat er zwar im Kopf. «Aber ich glaube», so Manuel Meier, «dass ich die nächsten viereinhalb Jahre schwer mit meinem Studium beschäftigt sein werde.»

Öffentliche Vorträge 1. März um 16 Uhr, Turnhalle Scherz. 8. März um 16.30 Uhr, Singsaal Schule Breite Oeschgen.

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