Wenn sich der Nebel über das Mittelland und den Jura legt und sich die Mehrheit der Bevölkerung über die graue Nebelsuppe beklagt, dann freut sich Oliver Wehrli. Der Landschaftsfotograf sagt: «Nebel ist eines der faszinierendsten Phänomene. Er kann unschöne Dinge einfach so verschwinden lassen.»

Entsprechend tauchen in seinem Schaffen Bilder mit verschiedenen Nebel-Variationen auf: Nebelwellen, Nebelmeer oder nebelverhangene Wälder. «Das sind einmalige Erlebnisse», schwärmt der Fotograf, der mit seinen beiden Töchtern und seiner Frau in Veltheim wohnt. «Nebel ist dynamisch, den richtigen Moment für ein Foto zu erwischen, ist nicht immer einfach.» Auffallend: In seinen Bildern ist das Element Wasser dominierend. Sei es nun in Tröpfchenform als Nebel oder dann klassisch als Bergsee, Wasserfall oder als rauschendes Meer an einer Küste.

Die Leidenschaft für die Fotografie entdeckte Oliver Wehrli bereits als Kind. Damals, als er die Analogkamera seines Vaters in die Hände bekam und zum ersten Mal Fotos schoss. Es war die Technik, die den Knaben interessierte. «Ich fand es lustig, dass so Bilder entstehen können», sagt Oliver Wehrli. Er wurde älter, die Freude an der Fotografie blieb. Rasch wechselte er in die digitale Fotografie. «Zu Beginn war es mehr eine Spielerei. Ich habe nicht bewusste Einstellungen in der Kamera gewählt», erinnert sich Oliver Wehrli.

Einen Fotografie-Kurs hat er bis heute nicht gemacht. Er ist ein Autodidakt, hat sich mit ständigem Ausprobieren zu einem professionellen Landschaftsfotografen entwickelt. Vollständig davon leben kann er nicht, aber mit seinem 60-Prozent-Pensum im digitalen Marketing kann er Beruf und Leidenschaft gut verbinden.

Am Anfang war der Sport

Oliver Wehrli hat sich in der Vergangenheit auch mit Sportaufnahmen, Porträtfotografie und sogar Hochzeitsreportagen versucht. «Mein Herz schlägt aber für die Landschaft», sagt er. Das kommt nicht von ungefähr.

Am Anfang war der Sport. Der 38-Jährige ist einer, der sich gerne draussen bewegt, outdoorbegeistert ist, wie er selber sagt. Wanderungen in den Bergen oder entlang von Küsten faszinieren ihn. «Ich habe den Anspruch etwas zu erleben, wenn ich draussen bin», sagt er. Mit der Zeit konnte er den Sport und die Fotografie immer stärker verbinden. Und während früher der Sport der Antrieb war, nach draussen zu gehen und nebenbei noch zu fotografieren, so ist es heute die Fotografie, ein bestimmtes Motiv, das Oliver Wehrli nach draussen lockt.

Landschaftsfotograf zu sein bedeutet, oftmals alleine unterwegs zu sein. Seiner Familie, vor allem seiner Frau Monika ist er sehr dankbar dafür, dass sie ihn jeweils ziehen lässt. Er weiss, dass er von ihr viel Flexibilität verlangt. Denn für ein Motiv nimmt Oliver Wehrli viel Aufwand auf sich und es muss möglich sein, dass er sich spontan losreissen kann, wenn der Wetterbericht stimmt.

Ein Beispiel dafür ist eine Aufnahme des Bachalpsees im Berner Oberland. Ein Leinwandabzug davon prangt hinter dem Esstisch der Familie an der Wand. «Schon nur die Anreise dauert fast einen Tag. Dann habe ich dort im Zelt übernachtet, um am Morgen früh aufstehen zu können», führt Oliver Wehrli aus.

Die Natürlichkeit des Moments

Die Stimmungen der Dämmerung sind es, die der Fotograf sucht; die Sonnenauf- und -untergänge. «Das sind die schönsten Momente», findet Oliver Wehrli. Auch wenn er in diesen Situationen konzentriert ist aufs Fotografieren, nimmt er sich immer wieder bewusst Zeit, den Moment zu geniessen. Heute muss er nicht mehr unzählige Aufnahmen machen, bis er zufrieden ist.

Die feinen, unverfälschten Farben, die natürliche Stimmung will er mit seinen Aufnahmen transportieren. Und das gelingt ihm. Wer seine Bilder betrachtet, hat das Gefühl, selber an einem Morgen an diesem Bergsee zu sitzen oder fühlt sich an die schottische Küste versetzt, sieht den Regenbogen, der sich aufspannt, hört das Tosen des Meeres, spürt das sanfte Zerren des Windes an der Jacke bei einer Küstenwanderung. Oliver Wehrli will authentisch sein: «Ich möchte mit meinen Bildern das transportieren, was ich erlebt habe, die Natürlichkeit des Moments.»

Hauptsächlich ist der Familienvater für die Fotografie in der Schweiz unterwegs, häufig im Jura. «Hier ist die Landschaft nie gleich», sagt er. Schon dreimal war er zudem in Neuseeland. Das letzte Mal im November. Diese Aufnahmen werden an seiner ersten persönlichen Ausstellung in Lenzburg zu sehen sein. Und während Oliver Wehrli Bilder aus Neuseeland präsentiert, sind von den Landschaftsfotografen Hanspeter Gass und Patrik Oberlin Aufnahmen aus Brasilien respektive der Schweiz zu sehen.

Bewusstes Auseinandersetzen

Oliver Wehrli möchte mit der Ausstellung zeigen, dass solche Landschaftsaufnahmen mehr verdienen, als ein kurzer Klick auf den Social-Media-Plattformen. «Ich wünsche mir, dass sich die Menschen Zeit nehmen, sich das Kunstwerk anzuschauen, sich bewusst damit auseinandersetzen.»

Der Landschaftsfotograf ist zwar selber in den sozialen Medien präsent, reduziert sein Engagement aber auf ein Minimum. Denn er findet: «Landschaftsfotografen haben auch eine Verantwortung gegenüber der Natur.» Damit meint er, dass bis anhin praktisch unbekannte Orte regelrecht von Touristen überrannt werden, nachdem sie eine gewisse Bekanntheit beispielsweise auf Instagram erlangt haben. «Wo früher wertvolles Landwirtschaftsland war und Schafe weideten, stapfen nun Touristen durch.» So könne es auch passieren, dass Orte ihren Reiz verlieren, meint Oliver Wehrli.

Er selber will sich treu bleiben und nur das fotografieren, was ihm gefällt. Ob die Spots bekannt sind oder nicht. Besonders reizt ihn die Landschaft in Schottland, aber auch exotischere Orte möchte Oliver Wehrli noch fotografieren. Und weiterhin wird er sich freuen, wenn wieder Nebel aufzieht. Obwohl auch er – trotz ziemlich präzisen Wetterberichten – manchmal genau wie der Rest der Bevölkerung in der Nebelsuppe hockt und vergebens darauf wartet, dass der Nebel sich lichtet.