Man nennt ihn «Crazy Kiwi», weil niemand so verrückt ist zu tun, was er tut. Dean Leech: Familienvater, Tierpfleger und Rugby-Trainer. Als aktueller Coach des Rugby-Clubs Hausen Baboons haben er und sein Team grosse Pläne für die Zukunft. Die Amateurmannschaft aus der Region Brugg partizipiert diesen Sommer an einem der grössten Rugby-Turniere Europas: der European Sevens League.

Vor fünf Jahren gründeten zehn enge Freunde die Hausen Baboons. Heute umfasst der Rugby-Club rund 40 Mitglieder und zwei Mannschaften. «Die Geschichte dieses Clubs ist ein Märchen», meint Leech voller Bewunderung und fügt hinzu: «Es ist noch lange nicht zu Ende.»

Das Leben eines Ex-Profis

Leech selbst kann den jungen Sportlern einiges bieten. Schon im Alter von drei Jahren trat er zum ersten Mal in Kontakt mit Rugby. Seither blieb er dem aggressiven Teamsport stets treu. Durch hartes Training und Disziplin schaffte er den Aufstieg in die professionelle Sportwelt, wo er als Vertreter für Neuseeland und die Schweiz an internationalen Turnieren spielte.

Mit dem Coaching begann der mittlerweile 53-jährige Neuseeländer bereits im Alter von 14 Jahren. Grund dafür sei sein Vater gewesen, der ihn lehrte: «Was du lernst, sollst du weitergeben.»

Eingeschworen: die Hausen Baboons und ihr Kampfgeschrei

Eingeschworen: die Hausen Baboons und ihr Kampfgeschrei

Wenn Dean Leech gerade mal nicht Anleitungen für das optimale Tackling vermittelt, verbringt er Zeit mit seiner Patchworkfamilie. Zusammen mit Ehefrau Janine und sechs Kindern lebt er auf einem Bauernhof in Hofstatt. Auf derselben Farm befindet sich auch die Tier-Rettung Swiss Animal Rescue, die Leech gemeinsam mit seiner Schweizer Lebenspartnerin führt.

Dort nimmt das Ehepaar Katzen, Hunde, Ziegen und sogar Pferde auf, die teilweise misshandelt wurden. Anschliessend pflegen sie die Tiere wieder gesund, um sie schlussendlich neuen Besitzern zu übergeben. Mit ernster Miene hält Leech fest: «Ob man es glaubt oder nicht, Tiermissbrauch ist ein Problem in der Schweiz.» Unterstützt wird seine Arbeit unter anderem durch Spenden von Mitgliedern der Hausen Baboons.

Auf dem Siegeszug

Seitdem Leech das regionale Rugby-Team im Juni 2018 zu trainieren begonnen hat, veränderte sich so einiges. Während die Hausen Baboons in ihren Anfängen meist die unteren Tabellenränge belegten, gehören sie inzwischen zu den Favoriten der Schweizer Rugby-Szene. In den letzten drei Wettkämpfen haben sie kein einziges Mal verloren und neun Spiele hintereinander gewonnen.

Dean Leech möchte den momentanen Erfolg jedoch nicht sich selbst zuschreiben. Verantwortlich dafür seien schlussendlich die Spieler, die dank ihres Enthusiasmus, ihrer Leidenschaft und besonders ihrer Verrücktheit die Siege errungen haben. «Teilweise ist es, als ob man eine Herde wilder Pferde unter Kontrolle halten müsste», meint Leech mit einem Lächeln im Gesicht. Doch das mache ihm nichts aus. Trotz grosser Ambitionen stehe der Spass im Zentrum.

Der Spass am Teamsport sei zugleich auch die grösste Stärke der Mannschaft. Über all die Jahre hinweg wurde aus einem Verein eine Familie, weshalb Leech zuversichtlich verkündet, dass sich mit einer Sportkultur wie dieser alles erreichen lasse.

Internationales Kräftemessen

Die nächste grosse Herausforderung für die Hausen Baboons wird die European Sevens League diesen Sommer sein. Zum ersten Mal in der Geschichte ihres Vereins nehmen sie an einem internationalen Turnier teil. Leech bleibt realistisch und rechnet damit, anfangs einige Niederlagen einzustecken. Obwohl beim Wettkampf ausschliesslich Amateurmannschaften gegeneinander antreten, sei das Niveau nicht mit dem zu vergleichen, was die Hausen Baboons bisher kannten. Doch als Underdog möchte sich Leech Schritt für Schritt der Spitze nähern und das Märchen am Leben erhalten.

Bevor sich die lokalen Sportler aus Hausen mit internationalen Teams in Paris, Brüssel und Bern messen, haben sie noch drei Monate Zeit, um sich vorzubereiten. Deswegen trainieren sie bis zu 12 Stunden die Woche. In ihrem Klubhaus besitzen sie seit neuem sogar ein eigenes Fitnessstudio. Nach Leechs Meinung besitze die Mannschaft definitiv viel Potenzial. Dafür zu sorgen, dass dieses vollkommen ausgeschöpft wird, sei dann seine Aufgabe.

Denken wie Sieger

Für besonders wichtig erachtet Dean Leech die mentale Verfassung der Spieler. Deswegen trainiert er die Jungs nicht nur physisch, sondern auch psychisch, sodass sie wie Sieger denken und agieren. Ob und inwiefern seine Strategie in Zukunft aufgeht, wird sich diesen Sommer zeigen, wenn sich die Hausen Baboons zwischen Juni und Juli mit anderen europäischen Rugby-Clubs duellieren.

Wer die ambitionierten Hobbysportler aus der Region persönlich kennenlernen möchte, bekommt die Chance dazu am 16. März. Dann findet man die Hausen Baboons in ihrem Klubhaus an der Lindhofstrasse 16 in Hausen. Dort veranstaltet der Verein zwischen 9.30 und 11.30 Uhr verschiedenste Spiele, um Besuchern einen Einblick in die Welt des Rugbys zu ermöglichen. Zum Abschluss werden die Vereinsmitglieder im Rahmen einer kleinen Partie gegeneinander antreten.

Tag der offenen Tür Samstag, 16. März, ab 9.30 Uhr im Klubhaus in Hausen.