Er bretterte mit 152 Sachen über die Strasse

Weil er im Ausserortsbereich mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war und dabei einen Selbstunfall baute, ist ein junger Schweizer vom Bezirksgericht Brugg zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Louis Probst
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Im vergangenen Frühjahr kam der Wagen von der Strasse ab, überschlug sich und kam im Ackerland zum Stehen.

Im vergangenen Frühjahr kam der Wagen von der Strasse ab, überschlug sich und kam im Ackerland zum Stehen.

Bild: zvg/Kapo

«Sie grinsen», wandte sich Bezirksgerichtspräsident Sandro Rossi freundlich an den Beschuldigten. «Was erwarten Sie von der Verhandlung?» Darauf der knapp 20 Jahre alte Schweizer: «Ich habe noch nie eine Verhandlung gehabt.»

Vorgeworfen wurden dem jungen Mann aus dem Solo­thurnischen qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln sowie geringfügiger Diebstahl. Der Beschuldigte war im vergangenen Frühjahr, eines späten Abends, am Steuer seines Personenwagens einer bekannten bayrischen Marke auf der Kantonsstrasse von Brugg-Lauffohr Richtung Villigen unterwegs. Offenbar recht zügig, wie sich später jedenfalls herausstellen sollte.

In Kurve Beherrschung über Fahrzeug verloren

Im Ausserortsbereich verlor er in einer Kurve die Beherrschung über das Fahrzeug. Nach einigen Dutzend Metern Schleuderfahrt kam der Wagen von der Strasse ab und überschlug sich im angrenzenden Ackerland. Später errechnete die Polizei, dass der junge Mann mit einer Geschwindigkeit von «mindestens 152 km/h» über die nächtliche Kantonsstrasse gebrettert war. Die Anklage wegen geringfügigen Diebstahls handelte sich der Beschuldigte ein, weil er bei einem Discounter in Brugg eine Büchse Bier mitlaufen liess. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten mit bedingtem Aufschub bei einer Probezeit von zwei Jahren, eine Busse von 2000 Franken sowie die Übernahme der Kosten. Insgesamt bewegen sich diese Kosten bei rund 20000 Franken. Allein die Untersuchungskosten werden mit gut 13000 Franken angegeben. Zudem werden die Kosten der amtlichen Verteidigung zwar einstweilen durch die Gerichtskasse getragen, das allerdings unter Vorbehalt der späteren Rückforderung.

Wohl angesichts der eindeutigen Ausgangslage stimmte der Beschuldigte der Anklageschrift respektive einem Einigungsvorschlag zu und verzichtete damit auf ein ordentliches Verfahren und auf Rechtsmittel. Somit kam das abgekürzte Verfahren gemäss Strafprozessordnung zur Anwendung.

«Das ist möglich», räumte der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Brugg auf die Feststellung des Vorsitzenden ein, dass die Polizei eine Geschwindigkeit von 152 km/h errechnet habe. Zum Vorhalt, dass bei einer solchen Geschwindigkeit ein Unfall auch ganz anders ausgehen könne, beteuerte der Beschuldigte: «Es war nicht meine Absicht. Es ist passiert, weil ich unaufmerksam war. Ich hatte Stress.» Zum Strafmass gemäss Einigungsvorschlag erklärte er: «Der Vorschlag stimmt für mich.» Und in seinem letzten Wort versicherte er: «Es tut mir leid, dass ich andere Leute gefährdet habe. Ich werde mich in Zukunft an die Verkehrsregeln halten.»

Am Ende gab’s mahnende Worte mit auf den Weg

Das Gericht genehmigte den Einigungsvorschlag einstimmig. Es sprach den Beschul­digten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn gemäss Einigungsvorschlag. Der Sachverhalt sei erstellt und die Strafe angemessen, stellte Gerichtspräsident Rossi in der mündlichen Begründung des Urteils fest.

Zum Beschuldigten sagte er: «Ich kann Ihr Grinsen nicht deuten. Ist es Ausdruck jugendlichen Leichtsinns oder nehmen Sie die Sache auf die leichte Schulter?» Er gab dem jungen Mann zu bedenken, dass die Sache auch nach den zwei Jahren Probezeit nicht ganz ausgestanden sein werde. «Dass Sie bei einer allfälligen Verurteilung in den kommenden fünf Jahren nicht nochmals mit einem bedingten Straferlass rechnen können, ist so sicher wie das Amen in der Kirche», so der Gerichtspräsident. «Sie tragen eine grosse Hypothek mit sich – nicht nur in finanzieller Hinsicht.»

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