Mit der fantasievollen Welt von «Bibi» hat sich Joel Stutz von Brugg aus einen Namen gemacht. Bereits mehrere Cartoons für den Schweizer Hersteller für Babyprodukte konnte der in den letzten beiden Jahren realisieren. Das Handwerk dazu hat sich der 30-Jährige selbst beigebracht. Dabei sind Präzision und eine klare Botschaft seine höchsten Ziele. Dass er mal Musik studiert hatte, hilft ihm zusätzlich beim Sounddesign.

Um näher bei seinen Auftraggebern zu sein, zügelte Joel Stutz im Januar 2016 von Ascona nach Brugg. Und nun hat ihm die herausragende Qualität des «Bibi»-Cartoons den Sprung nach England ermöglicht. Im Zentrum von London konnte er Ende April dieses Jahres ein eigenes 3-D-Animation-Studio eröffnen. Der Grund für diesen Schritt war, dass Stutz seine Karriere auf komplexe 3-D-Animationen wie computergenerierte Werbefilme und Cartoon-Animationen fokussieren will. «Dafür gibt es in der Schweiz keinen richtigen Markt.» So wie bekannte Schauspieler und Filmproduzenten nicht in Zürich, sondern in London tätig seien, müsse auch er dort anwesend sein, wo grosse Produktionen stattfinden, erklärt er.

Persönliche Kontakte sind wichtig

Dennoch hat der gebürtige Tessiner in der Schweiz nicht alle Zelte abgebrochen. Mit der Firma Lamprecht AG in Regensdorf hat er einen langfristigen Dienstleistungsvertrag und wird weitere Cartoon-Animationen für die Marke Bibi produzieren. In London sei die Konkurrenz sehr gross, hält Stutz fest. An der neusten 3-minütigen Animation über das Leben im «Bibi»-Vergnügungspark musste er ganze fünf Monate arbeiten, um die Qualität zu erreichen, mit der er in der Weltstadt wahrgenommen wird.

«Bibi Fun Park»: Das Animationsvideo von Joel Stutz.

In seinem Londoner Büro arbeitet Joel Stutz derzeit mit ein paar Freelancern zusammen. «Im Moment ist mein Geschäft noch nicht gross genug, um Festangestellte zu haben», sagt der 3-D-Designer. Anders als in der Schweiz spielen in einer Grossstadt wie London die persönlichen Kontakte und Empfehlungen eine viel grössere Rolle. Stutz betont: «Auf eine E-Mail oder einen Telefonanruf von einem Unbekannten reagiert hier niemand.»

Ohne Spezialisierung läuft nichts

Als weiteren Unterschied erwähnt er, dass man in der Schweiz als Designer sehr vielseitig sein müsse. Ein Kunde verlange beispielsweise eine 3-D-Animation, der nächste ein 2-D-Logo und der dritte eine Architektur-Visualisierung. Man könne sich also nicht zu stark im Nischenmarkt spezialisieren, sonst sei die Gefahr gross, nicht genügend Anfragen zu bekommen. In London hingegen sei es aufgrund der starken Konkurrenz zwingend, sich in einem Bereich zu spezialisieren.

«Meine Konkurrenten sind grosse 3-D-Firmen, die Hunderte Angestellte haben», so der 30-Jährige. Dort gebe es Leute, die nichts anderes machen, als für Filme Feuer-Spezialeffekte, Wasser-Simulationen, Hintergründe oder Autos zu designen.

Der Traum von Joel Stutz ist es, eines Tages einen eigenen Kurzfilm am Filmfestival in Cannes vorstellen zu können. Ihm ist es ein Anliegen, grosse Themen wie Umwelt oder Bildung in einer Animation so zu emotionalisieren, dass die Botschaft beim Zuschauer richtig rüber kommt.

Aktuell arbeitet er unter anderem an einem Cartoon für Kinder, der in ein paar Monaten im Fernsehen in Grossbritannien gezeigt werden soll. Die Details zu dieser Geschichte darf er noch nicht verraten.