Brugg
Entwicklungshelferin: «Für Betagte und Behinderte wird wenig getan»

Um die Jahreswende weilt Silvia Haug zu Besuch bei ihrem Bruder in Brugg. Ansonsten lebt sie seit achteinhalb Jahren in Kolumbien und hat in dieser Zeit verschiedene soziale Aktivitäten entfaltet. Nun hat sie ein neues Hilfsprojekt ins Auge gefasst.

Edgar Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen
Silvia Haug beim Besuch der von ihr unterstützten Schule für behinderte und verhaltensgestörte Kinder in Concebir.

Silvia Haug beim Besuch der von ihr unterstützten Schule für behinderte und verhaltensgestörte Kinder in Concebir.

Zur Verfügung gestellt

Silvia Haug musste viel lernen, nicht alle Pläne liessen sich umsetzen. Sie erzählt: «Es braucht einen langen Atem, um Lebensgewohnheiten und Einstellungen der Bevölkerung zu ändern, auch wenn die Verbesserung der Lebensqualität und Wege aus der Armut aufgezeigt werden.» So sind die Lebensbedingungen betagter und behinderter Menschen oftmals erschreckend: Viele werden ausgestossen, sich selber überlassen.

Sogar Jugendorganisationen haben am Sozialgipfel in Cartagena den Staatschefs Vorschläge überreicht, wie alten und behinderten Menschen in Lateinamerika geholfen werden könnte. «Dieser Vorstoss der Jugend ist grossartig», so Silvia Haug. Sie selber leistet mit Unterstützung des kleinen «Club de Amigos Colombo-Suiza» seit einem Jahr ebenfalls einen Beitrag in diese Richtung.

Spendenkonto

Aarg. Kantonalbank 5001 Aarau (Postkonto 50-6-9) zugunsten von AKB Brugg, Konto CH34 0076 1016 1073 5567 1, Haug Silvia Barbara, Brugg, Vermerk «Kolumbien». Kontaktadresse: silviabhaug@yahoo.com

Es gibt im Land nur wenige Altersheime. Eines wird in der Hauptstadt vom Karmeliter-Orden geführt. Die Ordensschwestern betreuen um die 150 Betagte und sind dabei auf Spenden angewiesen. Haug hat die Kosten einer 86-jährigen, an Demenz leidenden Bewohnerin übernommen, 600 Franken im Monat, und sie hat in einem ersten «Schub» 20 Wolldecken an weitere Bewohner abgegeben; da das Gebäude nicht beheizt werden kann, wurde dieses Geschenk dankbar aufgenommen.

Einsatz für behinderte Kinder

Besonders am Herzen liegt ihr eine Schule für behinderte und verhaltensgestörte Kinder bei Concebir in Arjona. Zwar konnten rund 90 Kinder die ersten sechs Schulzimmer beziehen, die zweite Etappe im oberen Geschoss kommt aber nicht recht voran. Mal liegt es am Wetter, mal an fehlenden Baumaterialien oder Arbeitskräften.

Haug ist bei der Projektberatung und Mittelbeschaffung engagiert. So möchte sie auch bei der Anschaffung eines Schulbusses mithelfen. «Was bisher realisiert wurde, ist überaus erfreulich – Kinder und Eltern sind total glücklich über unsere Schule.»

Ein weiterer Einsatz gilt der von ihr initiierten Kooperative in Charalà, wo 50 alleinerziehende Mütter mit Beschaffung und Verarbeitung von biologischer Baumwolle und von Schafwolle den Lebensunterhalt verdienen. Die Konkurrenz ist gross. Mit der neu erfolgten Anstellung eines schweizstämmigen Beraters soll die Qualität und damit der Absatz gefördert werden. Haug sagt: «Ich freue mich natürlich sehr über jede Unterstützung aus der Schweiz, Hilfe tut not – rund die Hälfte der Bevölkerung leidet an Armut, 20 Prozent müssen pro Familie mit 1 Dollar pro Tag auskommen!»