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Endlager-Suche: Grüner Grossrat will Atommüll ausserhalb der Schweiz lagern

Will Atommüll im Ausland deponieren: Robert Obrist

Will Atommüll im Ausland deponieren: Robert Obrist

Robert Obrist plädiert dafür, Atommüll in Europa zu lagern. Dies, weil er glaubt, dass es noch sicherere Standorte gibt, als die Nagra bisher in der Schweiz gefunden hat.

Der Schinznacher Robert Obrist, der die Grünen im Grossen Rat vertritt, möchte, dass bei der Suche nach einem sicheren Standort für den Bau eines Tiefenlagers für Atommüll auch die Geologie im europäischen Ausland in die Evaluation einbezogen wird.

Dabei geht es ihm vor allem um die hochradioaktiven Abfälle. Denn: «Mensch und Umwelt müssen während mehreren hunderttausend Jahren vor dem Kontakt mit den heute anfallenden hochradioaktiven Abfällen geschützt werden», schreibt er der Aargauer Zeitung.

Auch wenn gemäss Kernenergiegesetz der in der Schweiz anfallende Abfall im Inland entsorgt werden muss, stellt sich für Obrist die Frage, ob nicht zumindest aus geologischer Sicht im Ausland besser geeignete Standorte zu finden sind.

Er begründet dies damit, dass die Schweiz trotz ihrer geringen Grösse ein äusserst heterogenes Land ist – auch geologisch. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) fokussiert ihre Suche bekanntlich auf das Vorkommen des Opalinustons in der Nordschweiz. Aber auch diese Opalinustonvorkommen seien durch geologische Prozesse zum Teil gestört oder zu klein, so der 57-Jährige.

Ausserhalb der Schweiz, aber innerhalb Europas wie beispielsweise in Frankreich, gäbe es mächtige, ungestörtere Opalinustonvorkommen oder in Skandinavien gut geeignete Granite, weiss Obrist.

Aktiv in Regionalkonferenz Jura Ost

Dass für radioaktive Abfälle grundsätzlich dort Lösungen gesucht werden, wo sie anfallen, ist für den Grünen nachvollziehbar. Damit werde das Verursacherprinzip berücksichtigt und sichergestellt, dass Lagerstätten nicht in politisch instabilen Regionen errichtet werden.

Hier sei allerdings die Frage nach der langfristigen Stabilität unserer Gesellschaften gestellt. Der Schinznacher ist unter anderem Mitglied der Regionalkonferenz Jura Ost und steht dort der Fachgruppe «Sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudie» vor.

Obrist stellt folgende Frage zur Diskussion: «Wäre es gegenüber den nachfolgenden mehreren tausend Generationen nicht verantwortungsbewusster, zu prüfen, ob es einen ‹noch sichereren› Standort als in der Schweiz gibt?» Als Naturwissenschafter plädiere er dafür, bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb eines Tiefenlagers für hoch radioaktive Abfälle die Landesgrenzen, zumindest in Europa, ausser Acht zu lassen.

Nagra: Schweiz für Endlager geeignet

Die Nagra sieht das anders, wie Mediensprecherin Jutta Lang erklärt: «Alle sechs Standortgebiete in der Schweiz, die für den Bau eines geologischen Tiefenlagers im Rahmen des Sachplanverfahrens zur Diskussion standen, sind zwischen 30 und 60 Quadratkilometer gross und geeignet.»

Die Mächtigkeit und Grösse der ungestörten Gesteinschicht stellt laut Lang in der Schweiz kein Problem dar. Denn: Benötigt werden für die beiden Lagertypen (hochaktiv sowie schwach- und mittelaktiv) je etwa 3 bis 4 Quadratkilometer. «Wir haben in der Schweiz hervorragende geologische Bedingungen für den Bau von Tiefenlagern, auch im internationalen Vergleich.»

Dazu komme, dass alle europäischen Länder, die bei der Endlagerung des Atommülls schon relativ weit fortgeschritten sind, einen Import von radioaktivem Abfall kategorisch ausschliessen, so Lang weiter.

Auf der anderen Seite setze sich die Nagra dafür ein, dass kein ausländischer Atommüll in der Schweiz gelagert wird. Zu den Fragen von Obrist sagt die Nagra-Mediensprecherin: «Die aktuelle Gesetzeslage sieht grundsätzlich eine Lösung in der Schweiz vor. Und dafür setzen wir uns ein.»

Der internationale Austausch bei der Atommüll-Entsorgung ist laut Lang im Forschungsbereich gewährleistet: «Zehn Nationen aus der ganzen Welt – darunter auch die Schweiz – arbeiten seit Jahren in den beiden Felslabors im Grimsel und in Mont Terri an diesem Thema.»

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