Das Rekrutierungszentrum zieht von Windisch nach Aarau. Der Aargauer Regierungsrat, so gab er letzte Woche bekannt, hat einen Kredit von 1,98 Mio. Franken für die Sanierung und Umnutzung der Kaserne Aarau beschlossen.

Mit Blick auf die neue Verwendung der Kaserne als Rekrutierungszentrum – voraussichtlich ab Mitte 2018 – sind davon knapp 0,4 Millionen Franken für Nutzungsanpassungen vorgesehen, die der Bund übernimmt.

Für den Windischer Gemeinderat kommt der Entscheid zwar nicht ganz unerwartet. Trotzdem: «Wir bedauern den Umzug nach Aarau sehr», sagt Gemeindeammann Heidi Ammon. Denn mit der Installation des Rekrutierungszentrums in Windisch habe der Regierungsrat nicht nur bei der Umstrukturierung einer Industriebrache einen wichtigen Meilenstein gesetzt, sondern auch in der Standortentwicklung der Gemeinde.

«Arbeitsplätze wurden geschaffen, die öffentliche Anbindung wurde frequentiert und der Quartierladen konnte von den Rekrutierungsteilnehmern und Angestellten profitieren.» Dass sich das Rekrutierungszentrum so gut ins Quartier integriert habe und ein freundschaftliches Neben- und Miteinander möglich wurde, scheine für den Regierungsrat nicht mehr von Bedeutung zu sein, stellt Heidi Ammon fest.

Das stimmt nachdenklich

Für den Gemeinderat sei der Entscheid des Regierungsrats auch bezüglich des Einsatzes der finanziellen Mittel nicht nachvollziehbar, fährt sie fort. «In Windisch ist eine massgeschneiderte Infrastruktur erstellt worden, und in Aarau sollen nun 2 Mio. Franken in die Sanierung einer Anlage für die Dauer von vielleicht 10 Jahren investiert werden. Versteht der Regierungsrat unter dieser Massnahme den von den Gemeinden geforderten haushälterischen Umgang mit den finanziellen Mitteln? Und das in der Situation der knappen Ressourcen?», fragt sie.

«In unserer Gemeinde sind wir seit Jahren im Prozess eines straffen, schlanken Budgets und der Kanton kann sich nach wie vor das Abschieben verschiedenster Kosten auf die Gemeinden leisten und im Bereich der eigenen Entscheidungsmöglichkeiten solche Investitionen tätigen. Das stimmt nachdenklich.»

Immerhin: Das Rekrutierungszentrum werde sich auch in Aarau gut ins Quartier einfügen, ist Heidi Ammon überzeugt. Sie habe allerdings ebenfalls Verständnis dafür, dass die Stadt das zentrale Areal eigentlich anders nutzen möchte.

Für die bestehende Liegenschaft in Windisch werde die Grundeigentümerin, die Hiag Immobilien, sicher nach Möglichkeiten einer neuen Nutzung suchen, sagt Heidi Ammon. Da das Rekrutierungszentrum aber speziell auf die Wünsche der jetzigen Mieter erstellt wurde, seien solche Pläne nicht so einfach umsetzbar. Unter Umständen könne der Abbruch des heutigen Gebäudes und ein Neubau ein Thema sein.

Der Bekanntheitsgrad sinkt

Beim Regionalplanungsverband Brugg Regio ist der Umzug des Rekrutierungszentrums registriert worden, sagen Vizepräsident Jakob Baumann sowie Verena Rohrer, Leiterin Geschäftsstelle. «Wir bedauern diesen Entscheid und nehmen die Planungsabsichten zur Kenntnis.»

Durch den Wegzug des Rekrutierungszentrums werde der Bekanntheitsgrad der Region geschwächt, da doch einige Menschen mit ihr auf diese Art in Kontakt gekommen seien, führen sie aus. Der Verlust biete aber auch eine Chance für etwas Neues – und der Regionalplanungsverband vertraue der Hiag Immobilien, die als Besitzerin eine gute Basis für eine wertvolle Neunutzung legen kann.