Region Brugg

Ende des Pilotprojekts: Der «Kollibri» fliegt nicht mehr

Das «Kollibri»-Pilotprojekt ist zu Ende (von links): Leo Geissmann, Vizeammann Brugg; Hans Ruedi Rihs, Leiter Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau; Corine Thommen, SBB; Martina Müggler, Postauto; Dino Levante, Amag; Mirco Mäder, Projektleiter. Bild: mhu

Das «Kollibri»-Pilotprojekt ist zu Ende (von links): Leo Geissmann, Vizeammann Brugg; Hans Ruedi Rihs, Leiter Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau; Corine Thommen, SBB; Martina Müggler, Postauto; Dino Levante, Amag; Mirco Mäder, Projektleiter. Bild: mhu

Die Partner Postauto, SBB und Amag ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz zum Tür-zu-Tür-Shuttle in der Region Brugg.

Die letzte Fahrt hat kurz vor Mitternacht am Donnerstag von Brugg nach Habsburg geführt. Jetzt ist der «Kollibri» Geschichte. Genau nach einem Jahr ist das Pilotprojekt – wie geplant – beendet worden.

Die Beteiligten sprachen an einer Medieninformation am Freitag von einer spannenden und lehrreichen Zeit, lobten den Austausch und die wichtigen Erkenntnisse, die mit dem Tür-zu-Tür-Shuttle gewonnen werden konnten. Beim Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch – also genau dort, wo auch der Startschuss gefeiert worden war im vergangenen Oktober – schauten die Vertreter der Partner Postauto, SBB und Amag mit einem guten Gefühl zurück und zogen Fazit. Es habe sich gezeigt, darin waren sie sich einig, dass sich mit gebündelten Kräften eine solche Ergänzung zu bestehenden Verkehrssystemen auf der letzten Meile einwandfrei betreiben lasse.

Das Interesse an der App war grösser als erwartet

Mit dem Tür-zu-Tür-Shuttle «Kollibri», lautete das Ziel bei der Lancierung vor einem Jahr, soll die Lücke geschlossen werden zwischen öffentlichem Verkehr und Taxi. Es bestand weder ein fixer Fahrplan noch ein festes Streckennetz. Bedient wurden 22 Ortschaften, bestellt werden konnte der Kleinbus via App auf dem Smartphone.

Das Interesse und die Nachfrage nach dieser App sei sehr gross gewesen, hielt Projektleiter Mirco Mäder fest. Über 5850 Downloads konnten verzeichnet werden, rund sieben Mal mehr als erwartet. «Ein hervorragender Wert.» Insgesamt 1230 Personen nutzten den «Kollibri». Bei der Anzahl Fahrten allerdings konnten mit etwas mehr als 8500 – knapp 25 pro Tag – die Erwartungen nicht erfüllt werden, räumte Mäder ein. Etwa die Hälfte der Fahrten erfolgte nach 19 Uhr. Häufigster Start- und Zielort war der Bahnhof Brugg. Eine durchschnittliche Fahrt wies übrigens eine Länge von 4,2 Kilometern auf und dauerte knapp 10 Minuten.

Nur etwa jede neunte Fahrt wurde geteilt. Bei diesem sogenannten Pooling – also der gemeinsamen Nutzung des Kleinbusses von Fahrgästen, die zur selben Zeit auf einer ähnlichen Route unterwegs sind – hatten sich die Beteiligten mehr erhofft. Sehr erfreulich waren dagegen die zu 98 Prozent positiven Rückmeldungen der Gäste zu Bestellung, Bezahlung und Abwicklung. Mäder wies denn auch auf die «herausragende Akzeptanz» hin in der Bevölkerung. Der «Kollibri» habe ein Kundenbedürfnis erfüllt, die Partner-Konstellation habe sich bewährt, fasste der Projektleiter zusammen. Die Region Brugg sei, lautete eine weitere zentrale Erkenntnis, zwar ein optimales Testgebiet, trotzdem aber zu wenig geeignet für eine Weiterführung.

Bruggs Vizeammann Leo Geissmann bedauerte, dass der sympathische Vogel die Region verlässt. Denn das neue Mobilitätsangebot sei mit Freude begrüsst worden.

Für Postauto ist das Thema nicht vom Tisch

Um einen solchen Service längerfristig aufrechterhalten zu können, braucht es laut den Verantwortlichen das Engagement von Gemeinden und Kantonen, die das Angebot bestellen und mitfinanzieren. In der Region Brugg seien einige Gemeinden – darunter die Stadt Brugg – an einer Weiterführung von «Kollibri» interessiert gewesen. Der dadurch erreichte Einsatzperimeter wäre aber zu klein gewesen für einen sinnvollen Betrieb.

Der Frage, ob ein solches Angebot zum öffentlichen oder zum privaten Verkehr gehört, ging Hans Ruedi Rihs nach, Leiter Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau. Eine Beantwortung sei heute nicht möglich, stellte er fest und verwies auf die noch fehlenden rechtlichen Grundlagen. Die entsprechenden Diskussionen müssten nun geführt werden.

Die Weiterentwicklung der Mobilitätspalette werde weiterverfolgt, versprach Martina Müggler, Leiterin Strategie und Innovation bei Postauto. Das Interesse sei geweckt – in der ganzen Schweiz. In Eglisau ZH wurde bereits ein «Kollibri»-Demobetrieb durchgeführt. Weiter erwähnte Martina Müggler geplante Projekte in den Kantonen Wallis, Waadt und Nidwalden.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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