Mutter-Mord

«En truurige Cheib»

Ex Millionär lässt Mutter hungern

Ex Millionär lässt Mutter hungern

Ein Aargauer soll in Porlezza am Luganersee seine Mutter misshandelt und verhungert haben lassen. Zudem knöpfte er ihr die Rente ab. Der Mann war zuvor schon schlecht aufgefallen. Die AZ hat sich umgehört.

Heinz Urech war in Brugg aufgewachsen. «Sein Vater hatte das sehr gute und bekannte Gipsergeschäft Urech», erinnert sich der pensionierte Architekt Hannes Keller aus Unterbözberg. Langjähriger Vorarbeiter des Geschäftes Urech war Kurt Bühler gewesen. Nach dem Tod von Hans Urech gründete Bühler sein eigenes Gipsergeschäft, die Gipserei Urech wurde liquidiert.

1984 gründete Heinz Urech die Immorep AG. Am 19. Januar 1995 wurde die Gesellschaft auf Anordnung des Konkursrichters gelöscht. «Das war eine undurchsichtige Firma, wir haben nie herausgefunden, was dort gemacht wird», erinnert sich der ehemalige Untersiggenthaler Betreibungsbeamte Josef Locher. Die Nachricht vom Fall in Porlezza kommentiert Locher mit den Worten: «En truurige Cheib.»

Schuld sind immer die anderen

Urech war immer der Meinung, andere würden ihn übervorteilen. Er beschuldigte viele Personen, Urkunden verändert zu haben. Doch selbst die Fachleute der Kantonspolizei Zürich konnten nirgends Manipulationsspuren entdecken. Urech forderte darauf das Bundesgericht, wegen des «betrügerischen Verhaltens verschiedener Amtsstellen und Unternehmen» aktiv zu werden. Mit dem Vorwurf «Es ist alles verfilzt» beklagte er, dass darauf nichts geschehen sei.

Während Urech in Untersiggenthal wohnte, bedrohte Urech Josef Locher, wenn dieser ihm Zahlungsbefehle brachte: «Wenn Sie noch einmal kommen, werde ich Sie erschiessen.» Locher wandte sich an die Kantonspolizei, die damals im Gemeindehaus einen Posten hatte. «Die weiteren Zahlungsbefehle hat ihm die Polizei überbracht.»

Einmal bedrohte Urech die Frau des Brugger Stadtammanns Rolf Alder mit einer Pistole (Tele M1 vom 30.12.2009). Urech wurde nicht nur betrieben, er hat auch Banken und Unternehmen betrieben. Die höchste Summe, die er forderte, waren 37 Millionen Franken. In allen Fällen endeten die Verfahren mit Rechtsvorschlag.

Zwangsräumung durch Polizei

Für den früheren Untersiggenthaler Gemeindeammann Hans Killer ist Urech eine Person, die Schwierigkeiten hat, zwischen Wahrheit und Erfindung zu unterscheiden. Das zeigte sich auch, als der Gemeinderat einen Hausumbau einstellen musste: «Er hatte keine Baubewilligung.» 2001 wurde Urechs Haus an der Lierenstrasse in Untersiggenthal versteigert.

Doch dieser weigerte sich auszuziehen, es kam zur Zwangsräumung durch die Polizei. Kurz darauf zügelte er mit seiner Mutter nach Porlezza, Italien. In Brugg besitzt er noch eine Adresse. «Ich habe ihm Post nachgesandt», sagt Thomas Steinhauer. Manchmal sei Urech in die Schweiz gekommen: «Er sagte, er treffe seine Anwälte.» Doch sonst habe er keinen Kontakt mit ihm gehabt.

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