«Je mehr Druck von verschiedenen Bevölkerungsschichten kommt, desto eher wird sich etwas an den Entscheidungen der Regierung ändern», sagt Reto A. Krättli, ehemaliger Schulpflegepräsident von Auenstein. Nachdem die Sparpläne des Regierungsrats im Bildungsbereich – unter dem Titel «Leistungsanalyse» – für grossen Unmut bei der Lehrerschaft sorgten, sind nun auch die Eltern aktiv geworden.

Krättli hat auf Anregung einer besorgten Mutter einen offenen Brief an Regierungsrat Alex Hürzeler verfasst. Aus der Sicht von Eltern schulpflichtiger Kindern wird der Regierungsrat ersucht, von den «einschneidenden Kürzungen in der Volksschule abzusehen». Die Unterzeichnenden erheben insbesondere Einspruch gegen die Erhöhung der Klassengrössen an Primarschulen, weil dadurch die Schliessung kleinerer Schulen drohe.

Kopf, Herz und Hand

Auch mit der Verminderung des Angebots an Wahlfächern sind sie nicht einverstanden. «Den Kindern soll eine grundlegende und ausgewogene Bildung im sozialen, emotionalen, intellektuellen und körperlichen Persönlichkeitsbereich ermöglicht werden», heisst es im Brief. Die Entfaltung der Lernfreude, der Fähigkeiten, der Interessen und Neigungen sei dabei ein zentraler Punkt. Die geplanten Streichungen widersprächen dem grundsätzlichen Bildungsziel.

Die Eltern wehren sich auch gegen die Abschaffung der Einschulungsklassen und die Reduktion des Weiterbildungsangebots für Lehrpersonen, um ein paar weitere Punkte zu nennen. Reto A. Krättli ist überzeugt: «All diese Massnahmen gehen in die falsche Richtung. Denn eine Investition in die Bildung unserer Kinder ist eine Investition in die Zukunft und wird später auch volkswirtschaftlichen Ertrag abwerfen.»

Unterschriftensammlung läuft bis 24. November

Mit diesen kurzfristigen Sparübungen sei sich der Regierungsrat den mittel- und langfristigen Konsequenzen zu wenig bewusst, so Krättli. Er verweist auf die beiden Musterländer in Sachen Bildung: Finnland und Schweden. «Der Kanton hat noch viel Sparpotenzial – zum Beispiel beim Verkehr oder in der Verwaltung.»

Der offene Brief an Bildungsdirektor Alex Hürzeler wird über Schüler, Eltern und Lehrpersonen in Auenstein, im Schenkenbergertal und im Raum Aarau gestreut. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 24. November. Für viele Eltern sei es ein grosses Bedürfnis, konkret etwas gegen diese Sparmassnahmen zu unternehmen, sagt Krättli. Ob die Petition dann mit einer speziellen Aktion dem Regierungsrat in Aarau übergeben wird, steht noch nicht fest.