Gripen-Widerstand
Elfingen: Ein kleines Dorf ist die Hochburg der Gripen-Gegner

Eine Kleinstgemeinde wehrte sich im Aargau am stärksten gegen die Beschaffung neuer Kampfjets. 61,98 Prozent betrug der dortige Nein-Anteil. Dann folgt Baden mit 60,37 Prozent. Elfingen ist aber trotzdem keine durchaus linke Gemeinde.

David Egger
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Elfingen wehrte sich am stärksten gegen die Beschaffung neuer Kampfjets. 61,98 Prozent betrug der dortige Nein-Anteil.

Elfingen wehrte sich am stärksten gegen die Beschaffung neuer Kampfjets. 61,98 Prozent betrug der dortige Nein-Anteil.

az/zvg

Ginge es nach dem Aargau, würde sich die Schweiz 22 neue Gripen-Kampfjets kaufen. Mit 51,9 Prozent hat er die entsprechende Vorlage angenommen. Nur die Bezirke Aarau, Baden und Rheinfelden sowie die im Aargau gemeldeten Auslandschweizer waren gegen die Beschaffung der Kampfflugzeuge.

Als Hochburg der Gripen-Gegner hat sich Elfingen im Bezirk Brugg ausgezeichnet: 61,98 Prozent betrug der dortige Nein-Anteil. In der Stadt Baden waren es 60,37 Prozent, in der Stadt Rheinfelden 59,69 Prozent.

Am armeefreundlichsten zeigten sich wie gehabt nicht die Städte, sondern die Dörfer: Böbikon im Bezirk Zurzach sagte mit 73,68 Prozent Ja zum Gripen-Fonds-Gesetz. An zweiter und dritter Stelle folgen Bettwil im Bezirk Muri (70,95 Prozent) und Dürrenäsch im Bezirk Kulm (68,72 Prozent).

Wie kommt es, dass die Gemeinde Elfingen so abstimmt? Es ist nicht das erste Mal, dass das Dorf aus der grossen Masse von Aargauer Dörfern heraussticht: Bei der Masseneinwanderungsinitiative im Februar stimmten bloss 45,22 Prozent der Elfinger für die Initiative, wogegen der Aargau mit über 55 Prozent zustimmte.

Die Elfinger scheinen also weltoffen und nicht gerade armeebegeistert zu sein. Aber nicht immer scheren sie aus der Menge. So nahm das Dorf die Mundartinitiative mit 53,78 Prozent an und lehnte den Mindestlohn mit über 80 Prozent Nein-Stimmen ab. Auch die Pädophilen-Initiative wurde mit über 55 Prozent Ja-Stimmen angenommen. In der Wehrpflichtabstimmung im vergangenen September stellte sich die Gemeinde auf die Seite der Armee.

Die Universität Zürich hat herausgefunden, dass die Resultate in Elfingen oft die gleichen sind wie die des Schweizer Endabstimmungsresultats. Deshalb verwendete die Universität bei der Abstimmung im Februar ein Ergebnis Elfingens auch für Hochrechnungen, auf welche sich die Medien stützen.

Bei der Abstimmung vom vergangenen Wochenende war das nicht mehr der Fall - schliesslich stimmte Elfingen im Februar überhaupt nicht gleich wie der Rest der Schweiz. Elfingen ist bei Abstimmungen also immer für eine Überraschung gut. Wie kommt das? «Wir haben eine sehr breite Bevölkerungsmischung», sagt Gemeindeschreiber Markus Schlatter. Vom Akademiker bis zum Landwirt sei alles dabei. Zudem gebe es viele Personen, die nach Basel pendeln.

Schlatter bestätigt zudem, dass die Abstimmungsresultate Elfingens manchmal «eine städtische Tendenz» aufweisen. Darum kann Elfingen auch linke Hochburgen wie die Stadt Baden hin und wieder überflügeln.