Lupfig

Eklat im Altersheim: Entlassene Mitarbeiter nannten «Missstände»

Im Haus Eigenamt in Lupfig sind der sechsköpfige Personalausschuss,die Pflegeleiterin und die Bereichsleiterin Demenz entlassen worden. Elisabeth Feller

Im Haus Eigenamt in Lupfig sind der sechsköpfige Personalausschuss,die Pflegeleiterin und die Bereichsleiterin Demenz entlassen worden. Elisabeth Feller

Neue Entwicklungen zu den acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt in Lupfig: Der Verbandsvorstand teilt via Anwalt mit, dass teilweise sogar fristlose Kündigungen gerechtfertigt gewesen wären. Entlassene Mitarbeiter wollten den Vorstand abwählen.

Seit Tobias Kull und Irene Ulmann vom Vorstand des Altersheimvereins Eigenamt am Montag in Lupfig acht Mitarbeitende per sofort freigestellt haben, gehen die Wogen im Eigenamt hoch. Es gibt viele offene Fragen und erst wenig Antworten. Die vier Trägergemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz haben eine Kontaktgruppe mit vermittelnder Funktion zwischen dem Vorstand, der Geschäftsleitung und dem Personal gebildet.

Apropos Personal: Unter den acht Freigestellten befinden sich sämtliche sechs Mitglieder des Personalausschusses. Dieser wurde erst im Oktober 2014 von Irene Ulmann ins Leben gerufen mit dem Zweck, zwischen Altersheim-Personal und Vorstand zu vermitteln. Die Entlassenen wehren sich gegen den vom Vorstand genannten Kündigungsgrund, sie hätten eine Weigerungshaltung eingenommen und «die neue Strategie nicht umgesetzt». «Tatsache ist, dass der Vorstand nie über eine solche Strategie informierte oder das verantwortliche Personal miteinbezog», heisst es in einer schriftlichen Mitteilung.

Und weiter: «Erst in der Vorstandssitzung vom Januar beschloss er definitiv, dass eine solche bis 30. Juni 2015 angepasst und danach umgesetzt würde.» Der Pflegeleiterin Christiane Serve und der Demenz-Bereichsleiterin Doris Kohler sei mehrfach und immer wieder das volle Vertrauen ausgesprochen worden. Beide sind am Montag freigestellt worden.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Acht Entlassungen im Altersheim Eigenamt: Eine Mitarbeiterin erzählt.

Brief an Belegschaft und Gemeinden

Im Namen der vier Vorstandsmitglieder Tobias Kull aus Birr, Marion Piffaretti aus Scherz, Irene Ulmann aus Lupfig und Gojko Jevric aus Birrhard nimmt Rechtsanwalt Christoph Blöchlinger aus Baden Stellung zu diesen Vorwürfen: «Der Hauptgrund für die ausgesprochenen Kündigungen war die Tatsache, dass sich mehrere Mitarbeiter weigerten, strategische Entscheidungen des Vorstands, welche lediglich der Umsetzung des von der Generalversammlung beschlossenen Konzepts dienten, zu akzeptieren.» Dies habe darin gegipfelt, dass diese Mitarbeiter in einem Brief an alle vier Trägergemeinden «explizit» bekanntgaben, dass sie nicht bereit seien, den Beschluss des Vorstands, einen neuen Geschäftsführer zu rekrutieren, zu akzeptieren.

Der Aargauer Zeitung liegt dieses Schreiben vom 11. Februar vor. Der Personalausschuss weist darin auf Missstände und nicht eingehaltene Versprechen vonseiten Vorstand hin. Unter anderem: «Der Vorstand will kein drittes Geschäftsleitungsmitglied, wie uns allen am Infoabend mitgeteilt wurde, sondern einen alleinigen Geschäftsleiter.» Für die Suche sei ein Headhunter beauftragt worden. «Das war ein Hilfeschrei an die Trägergemeinden, weil der Vorstand auf unsere Vorbehalte nicht reagiert hat», sagt der freigestellte Markus Treuthardt. Er war Mitglied im Personalausschuss.

In einem ähnlichen Schreiben an die gesamte Belegschaft hätten die Autoren sogar gefordert, dass möglichst viele Mitarbeiter dem Altersheimverein beitreten sollen, um an der nächsten Generalversammlung den Vorstand abwählen zu können, so Rechtsanwalt Blöchlinger. Diese Handlung stelle eine weitere gravierende Verletzung der Treuepflicht dar. Aus Sicht der vier Vorstandsmitglieder war die Freistellung unumgänglich, weil die erwähnten Mitarbeiter den Betrieb im Altersheim gestört hätten. Aufgrund der sehr massiven Treuepflichtverletzungen wären laut Rechtsanwalt in einzelnen Fällen sogar fristlose Kündigungen gerechtfertigt gewesen.

Der Kanton wurde am letzten Freitag von einem Vorstandsmitglied über Umstrukturierungen in der Leitung und weiteren Teilen der Organisation im Haus Eigenamt vorinformiert, wie Balz Bruder, Kommunikationsleiter vom Departement Gesundheit und Soziales (DGS), auf Anfrage mitteilt. Seitens Vorstand sei schon früher in Sachen Betriebsbewilligung Kontakt mit dem DGS aufgenommen worden. «In diesem Rahmen wurden dem DGS die Statuten und ein Fachkonzept nachgereicht», so Bruder.

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