Einwohnerratswahlen
Wie sich die Kandidatensuche für die Brugger Parteien gestaltet – mehr Frauen und Junge sollen auf die Listen

Die Parteiverantwortlichen müssen die Listen für die Gesamterneuerungswahlen bis am 27. September einreichen. Am 28. November wählt die Brugger Bevölkerung ihre 50 Vertreterinnen und Vertreter ins Gremium. Zum ersten Mal können Leute aus dem Ortsteil Schinznach-Bad ins Stadtparlament gewählt werden. Wie die Ortsparteien Kandidierende suchen und nach wem sie besonders Ausschau halten.

Carla Honold
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Die Einwohnerratssitzung findet während der Coronapandemie im Campussaal Brugg-Windisch statt.

Die Einwohnerratssitzung findet während der Coronapandemie im Campussaal Brugg-Windisch statt.

Britta Gut / 19. Juni 2020

Die FDP Brugg verschickte zur Kandidatenmobilisierung für den Einwohnerrat einen Flyer. «Willst du etwas bewegen?» konnten die Bruggerinnen und Brugger darauf lesen. Sollten ihre Vorstellungen mit jenen der FDP, aufgelistet auf der verteilten Broschüre, übereinstimmen, dann sei man bei ihnen richtig. Titus Meier, Präsident der FDP-Stadtpartei, erklärt das Ziel der Aktion:

«Mit dem Flyer wollten wir das Signal aussenden, dass eine Kandidatur nicht nur etwas für Alteingesessene ist.»
Titus Meier ist Präsident der FDP-Stadtpartei.

Titus Meier ist Präsident der FDP-Stadtpartei.

zvg

Der Aufruf richte sich auch an Menschen, die noch nicht lange in der Gemeinde wohnen oder sich bislang noch nicht engagiert haben. Meier findet: «Statt die Faust im Sack zu machen und über die Politik zu schimpfen, sollte man sich selbst für das Gemeinwohl einsetzen.» Der Einwohnerrat biete eine niederschwellige Möglichkeit, sich für einen attraktiven Wohnort zu engagieren.

Die FDP-Stadtpartei wandte sich mit dem Flyer an alle Brugger Stadtteile.

Die FDP-Stadtpartei wandte sich mit dem Flyer an alle Brugger Stadtteile.

zvg

Auf die Flyer-Aktion habe die FDP positive Rückmeldungen erhalten, so Meier. Was weiterhin wichtig bleibe, sei das direkte Ansprechen möglicher Einwohnerräte. Die Netzwerke der einzelnen Politiker sind unter den Parteien die wichtigste Ressource zur Kandidatengewinnung.

«Die persönliche Anfrage führt am ehesten zum Ziel»

Heini Kalt ist Co-Präsident der SP Bezirk Brugg.

Heini Kalt ist Co-Präsident der SP Bezirk Brugg.

Lorenz Frey

«Unsere Bisherigen haben dabei geholfen, in ihrem persönlichen Umfeld mögliche Kandidierende zu rekrutieren», sagt Heini Kalt, Co-Präsident der SP Bezirk Brugg. «Die SP ist in Form, das haben wir gut gemerkt bei der Suche nach Kandidierenden.» Ihre Liste ist gemäss Kalt mit 21 Namen komplett, sollten sich noch Gelegenheiten ergeben, sei die SP aber offen.

Doris Erhardt ist Co-Präsidentin der Brugger EVP.

Doris Erhardt ist Co-Präsidentin der Brugger EVP.

zvg

Auch in der Erfahrung von Doris Erhardt, Co-Präsidentin der EVP Bezirk Brugg, zeigt sich die Suche in der Bekanntschaft als effizienteste Methode. Der Aufruf im eigenen Mitteilungsblatt «Güggel» hätte dagegen keine Wirkung gehabt. Erhardt merkt an:

«Es zeigt sich wie auch schon in früheren Jahren, dass sich kaum Personen von sich aus melden. Die persönliche Anfrage führt am ehesten zum Ziel.»

Erste solche Anfragen hätte die Partei schon im Januar getätigt. Die EVP hätte die aktive Suche mit sechs Personen auf der Parteiliste abgeschlossen.

Nach der Fusion gilt es, Vertretung aus Schinznach-Bad zu gewinnen

Miro Barp ist Co-Präsident der SVP Ortspartei.

Miro Barp ist Co-Präsident der SVP Ortspartei.

Gioia Loredana

Insbesondere im Stadtteil Schinznach-Bad, der durch die Fusion Anfang letzten Jahres Teil der Gemeinde Brugg wurde und deshalb noch nicht im Einwohnerrat vertreten ist, bemühen sich die Parteien um Kandidierende. Die SVP plant laut Co-Präsident Miro Barp eine Aktion für Neophytenbekämpfung in Schinznach-Bad.

«Wir wollen damit zeigen, dass sich die SVP Ortspartei Brugg einerseits für die Umwelt und andererseits auch für die Bevölkerung von Schinznach-Bad interessiert», sagt Barp zur Aktion. Die SVP hätte bisher 16 Personen definitiv für die Einwohnerratswahlen gewinnen können.

Ein oranges Couvert im Briefkasten

Auch Die Mitte wandte sich direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Stadtteils. Nach dem Namenswechsel im Mai hat die Partei laut der Präsidentin der Ortspartei Die Mitte Brugg Cécile Monnard-Reichlin ein oranges Couvert mit einer Einladung, für den Einwohnerrat zu kandidieren, versandt.

Präsidentin der Ortspartei Die Mitte ist Cécile Monnard-Reichlin.

Präsidentin der Ortspartei Die Mitte ist Cécile Monnard-Reichlin.

zvg

«Wir möchten unbedingt Vertreterinnen und Vertreter von Schinznach-Bad in den Einwohnerrat Brugg schicken», so Monnard-Reichlin. Der Aufruf war erfolgreich. Zwei Kandidierende hätten sie auf diesem Weg gewonnen. Die Mitte stellt auf ihrer Liste sechs bisherige und acht neue Kandidierende auf.

Die SP, die SVP und die EVP konnten bisher jeweils eine Kandidatin aus Schinznach-Bad für die Einwohnerratswahl rekrutieren. Auf der FDP-Liste habe es ebenfalls Bewohnerinnen oder Bewohner aus dem neuen Stadtteil, berichtet Meier.

Signal für potenzielle Fusionspartner

Markus Lang ist Sektionspräsident der GLP Brugg/Windisch.

Markus Lang ist Sektionspräsident der GLP Brugg/Windisch.

zvg

Die GLP verlor zwar ihr einziges Mitglied aus Schinznach-Bad an einen anderen Bezirk, doch Markus Lang, Präsident der GLP Sektion Brugg/Windisch, wäre begeistert, sollte sich noch jemand aus dem Stadtteil für die Liste finden lassen. Bisher zählt die Aufstellung der GLP sechs Kandidierende.

GLP-Politiker Lang blickt in die Zukunft: «Ich erhoffe mir, dass die Schinznach-Bader einen unverwechselbaren Einfluss auf die Entwicklung Bruggs haben und im Rat mithelfen, dessen Gespür für die Belange der Quartiere weiterzuentwickeln.» Der Sektionspräsident führt weiter aus:

«Das würde helfen, ein klares Signal beispielsweise Richtung Villnachern oder Windisch zu senden: Mit einer Fusion wird nicht einfach eine Gemeinde geschluckt, sondern es entsteht eine neue gemeinsame Gemeinde, deren Bild von allen geprägt wird.»

Auch die Grünen seien unzufrieden, dass niemand aus Schinznach-Bad auf ihrer Liste erscheint, so Yves Gärtner vom Vorstand der Grünen Brugg. Gärtner erklärt: «Der neue Stadtteil sollte aus unserer Sicht angemessen im Einwohnerrat vertreten sein, damit die Gemeindefusion kein rein administrativer Vorgang bleibt, sondern auch politisch gelebt wird.»

Mehr Frauen und Junge sollen auf die Listen

Meier von der FDP berichtet im Hinblick auf die Anmeldefrist Ende September: «Gerne möchten wir bis zum Einreichen der Liste noch mehr Junge und Frauen.» Bisher hätten sie 20 Namen für die Liste der Ortspartei. Die SP, die nicht mehr aktiv nach neuen Kandidierenden sucht, hat laut Co-Präsident Kalt eine ausgewogene Verteilung. «Wir werden einen sehr guten Mix aus Jüngeren und jung Gebliebenen beziehungsweise auch von Kandidatinnen und Kandidaten präsentieren können.»

Yves Gärtner ist im Vorstand der Partei Die Grünen Brugg.

Yves Gärtner ist im Vorstand der Partei Die Grünen Brugg.

zvg

«Die Suche verläuft zufriedenstellend, aber nicht mehr», berichtet der Gärtner zum Stand der Dinge bei den Grünen. Die Partei hofft auf zusätzliche Unterstützung. Die Suche nach Jungen war bei den Grünen erfolgreich, denn auch die Jungen Grünen seien auf der neunköpfigen Liste vertreten. Zur Geschlechterverteilung sagt Gärtner:

«Erfreulicherweise haben wir ein fast ausgeglichenes Geschlechterverhältnis mit vier Frauen und fünf Männern, auch wenn wir einer Frauenmehrheit absolut nicht abgeneigt wären, um das Missverhältnis im Rat etwas ausgleichen zu können.»

Die Brugger Parteien haben noch bis zum Anmeldetermin am 27. September Zeit, Kandidierende für ihre Listen zu gewinnen. Am 28. November entscheidet die Stadtbevölkerung über die Sitzverteilung der 50 Einwohnerratspositionen.

Im 50-köpfigen Stadtparlament sind die folgenden sieben Parteien vertreten: FDP, SVP, SP, Die Mitte (CVP), Grüne, EVP und GLP. Bei den letzten drei Gesamterneuerungswahlen präsentierte sich die Sitzverteilung wie folgt.

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