Windisch

Einwohnerratspräsident: «Die Rolle als Moderator entspricht mir»

Dave Roth steht im Vindonissa Museum beim Modell des einzigen römischen Legionslager der Schweiz – ungefähr da, wo er heute mit seiner Familie lebt.

Dave Roth steht im Vindonissa Museum beim Modell des einzigen römischen Legionslager der Schweiz – ungefähr da, wo er heute mit seiner Familie lebt.

Dave Roth, höchster Windischer, verabschiedet sich Ende Jahr aus der Lokalpolitik und schmiedet bereits Pläne für 2022.

Dave Roth steht im Hauptausstellungsraum des Vindonissa-Museums. Vor ihm präsentiert sich das eindrückliche Modell des einzigen römischen Legionslagers der Schweiz. Der 49-Jährige steht ungefähr da, wo er – bezogen auf das Modell – heute mit seiner Familie lebt: in Unterwindisch, nur wenige Meter von der Reuss entfernt.

Dass sich der scheidende Windischer Einwohnerratspräsident für das Gespräch mit der AZ einen Treffpunkt in Brugg ausgesucht hat, ist kein Zufall: Der Architekt hat seit einem Jahr zusammen mit Sabine Deschler-Erb das Co-Präsidium der Gesellschaft Pro Vindonissa (GPV) inne.

«Wer etwas auf sich hatte, gehörte der 1897 gegründeten Institution an, die damals noch ‹Antiquarische Gesellschaft von Brugg und Umgebung› hiess», erzählt Roth und schmunzelt. Mittlerweile zählt die GPV, die sich für das römische Erbe der Region einsetzt, 500 Mitglieder und das Vindonissa-Museum ist Teil von Museum Aargau.

Ende Jahr gibt Dave Roth sein Amt als Einwohnerratspräsident an den 25-jährigen Pascal Schlegel von der SVP weiter. Gleichzeitig tritt er aus dem Gemeindeparlament aus, wo er während insgesamt zehn Jahren als Parteiloser der SP-Fraktion angehörte.

Der Vater eines 18-jährigen Sohns und einer 14-jährigen Tochter zieht eine positive Bilanz nach zwei Jahren als höchster Windischer: «Das war eine sehr interessante Aufgabe. Die Sitzungsleitung mit so vielen unterschiedlichen Meinungen war herausfordernd.» Er habe Respekt gehabt vor dieser Aufgabe und sich stets seriös auf die Sitzungen vorbereitet, um für jede Situation gewappnet zu sein.

Das SP-Fraktionsmitglied hatte viel mit der SVP zu tun

«Die Rolle als Moderator entspricht mir besser als das Ringen um eine Mehrheit im Gemeindeparlament», stellt Roth fest. Inhaltlich habe er sich zwar manchmal etwas von den Vorlagen entfernt, weil sein Fokus auf fairen Voten und einem geordneten Sitzungsablauf lag.

Während seiner Präsidialzeit nahm die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) einen wichtigen Teil der total sechs Sitzungen ein. Ein hochkomplexes Thema, das zirka alle 15 Jahre behandelt werden muss, und bei dem die Bedeutung der Anträge während der stundenlangen Debatten nicht immer klar war.

Roth konnte stets auf die Hilfe von Gemeindeschreiber Stefan Wagner zählen. Bei der BNO-Vorbereitung wurde er von den Metron-Raumplanern unterstützt. In Roths Amtszeit fiel auch der reibungslose Wechsel in der Verwaltungsleitung von André Gigandet zu Marco Wächter.

Zum Amt des höchsten Windischers gehören neben der Sitzungsleitung repräsentative Aufgaben. «Ich habe viele Einladungen erhalten, die ich gerne angenommen habe», sagt Roth. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm das 100-Jahr-Jubiläum der SVP Windisch und die unkomplizierten Begegnungen mit SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler, etwa bei der Einweihung des Wohnheims der Stiftung Faro im ehemaligen Rekrutierungszentrum in Unterwindisch.

Dass es am SVP-Jubiläum neben den jungen Organisatoren nur wenige Gäste hatte, bedauert sogar der SP-Politiker. «Es ist sehr lobenswert, wenn sich auch junge Leute für unsere Demokratie einsetzen, anstatt nur die Faust im Sack zu machen.» Dem Co-Präsidenten der GPV kam es gelegen, dass Regierungsrat Hürzeler dem Kultur-Departement vorsteht: Die Römer bieten viel Gesprächsstoff.

Auch für SVP-Gemeindepräsidentin und Hauswirtschaftslehrerin Heidi Ammon findet Roth lobende Worte: «Die Zusammenarbeit mit ihr ist sehr angenehm. Meistens überbrachte sie bei repräsentativen Anlässen die Grussbotschaft der Gemeinde, was mir recht war. Sie macht das auf persönliche, herzerwärmende Art.» Oft bringe sie noch ein kleines Geschenk aus der eigenen Backstube mit.

Es scheint fast so, als ob sich das SP-Fraktionsmitglied während seiner Präsidialzeit vor allem mit SVPlern abgegeben hat. Denn in Brugg hatte zeitgleich SVPler Stefan Baumann das Amt des Einwohnerratspräsidenten inne. «Wir hatten es immer lustig zusammen», erzählt Roth. Nur mit dem Treffen der beiden Einwohnerräte wollte es 2018 nicht klappen.

«An dem Tag, als wir uns im Schachen versammeln wollten, fand ein Schiessen statt. Das Treffen wurde abgesagt, was ich sehr bedauerte», fährt Dave Roth fort. Während des Brugger Stadtfests habe er dann selber die Initiative ergriffen und die beiden Parlamente in Cäsars Garten hinter dem Vindonissa-Museum eingeladen. Das sei jedoch nicht bei allen Bruggern gut angekommen, weil die Einwohnerräte in der «Kiste» eine eigene Festbeiz betrieben. Schliesslich waren die Windischer in Cäsars Garten fast unter sich.

Das Architekturbüro-Team hat sich fast verdoppelt

Dave Roth freut sich darauf, wenn er sich künftig intensiver um die GPV kümmern kann. Es ist ihm ein Anliegen, das Vindonissa-Museum zu öffnen – sei es über den Garten oder mit einem attraktiveren Eingangsbereich.

Zu kurz gekommen ist in den letzten beiden Jahren nicht nur die GPV, sondern auch sein Zürcher Architekturbüro, das mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern in Höngg, Wollishofen und in der Nähe der Hirslanden-Klinik beschäftigt ist. Die Auftragslage ist so gut, dass das Team während Roths Präsidialzeit von sechs auf zehn Personen wuchs. Im Januar kommt eine weitere Person dazu.

Als Roth sein Amt antrat, sagte er: «Windisch könnte sich besser verkaufen.» Ist das gelungen? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. «Ich stelle fest, dass nicht mehr häufig über das Geld gejammert wird», sagt Roth.

Das habe einerseits damit zu tun, dass sich die Gemeinde gut entwickelt hat und der Steuerertrag pro Kopf gestiegen ist. Andererseits packe man Herkulesaufgaben an und verfolge ein gemeinsames Ziel wie die Schulraumplanung.

In drei Jahren gibt es wieder einmal ein grosses Dorffest

Im Einwohnerrat rutscht Claudio Deragisch für Dave Roth in die SP-Fraktion nach. Eigentlich wäre Thomas Haller an der Reihe gewesen. Er wurde aber erst im Mai neu in die Schulpflege gewählt und verzichtet deshalb.

Langweilig wird es Roth garantiert nicht. Er engagiert sich weiterhin im Förderverein Campussaal, als Aktuar im Verein Pro Bossarthaus, als Vizepräsident im Quartierverein Unterdorf und als Mitglied der Quartierentwicklungsgruppe Unterdorf.

In der GPV ist er für das Museum und das Amphitheater zuständig. Wenn die GPV in drei Jahren das 125-Jahr-Jubiläum feiert, wollen die Mitglieder nach Rücksprache mit der Kantonsarchäologie wie früher selber eine Grabung durchführen.

Doch damit nicht genug: 2022 soll zusammen mit dem Jugendfest endlich wieder einmal ein Dorffest steigen. Als dessen OK-Präsident zeichnet sich Dave Roth ab. «Ich würde es machen», sagt er und lässt seinen Blick im Vindonissa-Museum erneut über das Legionslagermodell schweifen. «Ich wohne sehr gerne in Windisch. Die Gemeinde ist wunderschön. Hier leben tolle Menschen.»

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