Pünktlich mit dem Glockenschlag erscheint Barbara Horlacher zum Gespräch an diesem Nachmittag. «Knapp rechtzeitig geschafft», sagt sie mit einem strahlenden Lachen, legt ihren beigen Mantel über den Stuhl, bestellt sich einen Kaffee – und steht Red und Antwort: ruhig und überlegt, offen und unkompliziert. Die sympathische Politikerin der Grünen ist als neue Einwohnerratspräsidentin für zwei Jahre die höchste Bruggerin.

«Ich freue mich auf die vielen Begegnungen, die mir dieses Amt ermöglichen wird – mit all den Menschen, die in Brugg in irgendeiner Form aktiv sind, hier ihren Lebensmittelpunkt haben», stellt sie fest.

Sie werde Einblicke in Bereiche erhalten, zu denen sie sonst keinen Zugang hätte. «Natürlich fühle ich mich geehrt und auch etwas stolz, die Stadt offiziell vertreten zu dürfen.»

Gespannt ist sie auf die Sitzungen des Einwohnerrats, die sie leiten darf, sagt die bald 45-Jährige. Vor dieser Aufgabe, die mit grosser Verantwortung verbunden sei, habe sie gesunden Respekt.

«Der Präsident kann mit der Art und Weise, wie er die Sitzungen führt, gute Bedingungen für einen reibungslosen Ratsbetrieb schaffen.» Selber gehört sie dem Gremium seit 2010 an.

Sie tritt in grosse Fussstapfen

Ihr sei wichtig, dass eine Meinungsbildung stattfinden könne. Argumente müssten zugelassen, angehört, respektiert oder auch hinterfragt werden. Diese – offene – Grundhaltung sei zentral in der Politik, egal, wie am Schluss ein Entscheid ausfalle, betont sie.

Im Brugger Einwohnerrat sei jeweils zwar zu spüren, welchen Hintergrund die Mitglieder hätten. «Aber die Diskussionen sind sehr sachbezogen und selten parteiideologisch geprägt.

Diese Kultur schätze ich, sie soll aufrechterhalten und gefördert werden.» Als Präsidentin werde sie sich in den Debatten sowieso zurückzunehmen müssen. Ausser, fügt sie mit einem Schmunzeln an, sie dürfe bei einem Gleichstand den Stichentscheid fällen.

Ihrem Vorgänger Jürg Baur von der CVP windet sie ein Kränzchen. «Er hat ein gutes Mass gefunden zwischen Ernsthaftigkeit und Heiterkeit.» Auch zuvor habe sie den Ratsbetrieb als effizient und gut strukturiert erlebt.

«Für mich liegt die Latte dementsprechend hoch.» Sie werde, fährt Barbara Horlacher fort, ihren eigenen Weg finden müssen. «Was bei einem funktioniert, muss beim anderen nicht unbedingt klappen.»

Von Bedeutung sei, dass sie sowohl die einzelnen Geschäfte als auch die Abläufe genau kenne, weiss die Politikerin. Glücklicherweise habe sie kompetente Personen zur Seite, auf deren Unterstützung sie zählen könne.

Überdies herrsche, als weiterer Pluspunkt, ein angenehmes Klima im Rat. «Die Informationen fliessen, es findet ein Austausch statt. Das ist nicht nur für mich als neue Präsidentin wichtig, sondern ebenfalls für die Vertreter der verschiedenen Parteien, damit sie sich vorbereiten können.»

Sie fühlt sich auch als Umikerin

Ein Thema, das Brugg in naher Zukunft beschäftigen wird, sei der Umgang mit den Nachbargemeinden und der Region, sagt Barbara Horlacher und erwähnt die Ortsplanungsrevision zusammen mit Windisch oder die Fusionsabklärungen mit Schinznach-Bad.

«Es stellt sich die Frage, welche Aufgaben alleine oder gemeinsam mit einem Partner besser erfüllt werden können. Als Stadt haben wir signalisiert, dass wir offen sind.» Bei einem Zusammenschluss gelte es, den Bedürfnissen und den Eigenheiten der beteiligten Partner Rechnung zu tragen. Sie selber, merkt sie an, lebe in Umiken, sei nach wie vor stark verbunden mit diesem Ortsteil, fühle sich aber genauso als Bruggerin.

Weitere Dauerbrenner seien die Schulraumplanung mit den anstehenden Sanierungen der Schulbauten sowie die Verkehrssituation mit den Projekten Südwestumfahrung oder Ostaargauer Strassenentwicklung. Die offenen Fragen zur Mobilität interessieren sie auch von ihrem fachlichen Hintergrund her.

Barbara Horlacher besuchte die Bezirksschule in Brugg und die Kantonsschule in Aarau. An der ETH Zürich studierte sie Umweltnaturwissenschaften. Die ersten beruflichen Stationen führten sie vom Zementhersteller Holcim zum Flughafen Zürich als Projektleiterin Umweltschutz. Sie absolvierte ein Nachdiplomstudium für Wirtschaft und packte nach knapp fünf Jahren die Gelegenheit für eine längere Südamerikareise.

Sie muss sich exponieren

Als sie zurückkam, wechselte sie als Projektleiterin zur Umweltfachstelle der Stadt Aarau, wo sie über sieben Jahre blieb und die städtische Energie- und Klimapolitik weiterentwickelte. Anfang Juni 2014 übernahm sie ihre Funktion als Leiterin Umweltabteilung des Euroairport in Basel.

Mit einem kleinen Team mit Mitarbeitern aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Deutschland kümmert sie sich um sämtliche Umweltthemen, ist Anlaufstelle bei Fragen und pflegt den Kontakt zu Verwaltungen und Behörden. Es sei eine Funktion in einem interessanten Spannungsfeld, in der sie sich manchmal exponieren müsse.

Mit der Region sei sie während ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Tätigkeit stets eng verbunden geblieben, hält Barbara Horlacher fest. Sie sei in einem sehr schönen und wertvollen Umfeld aufgewachsen, habe die Natur – «unsere Lebensgrundlage» – gerne.

Deshalb fühlt sie sich bei den Grünen gut aufgehoben, denn bei dieser Partei kämen der Aspekt der Nachhaltigkeit sowie die soziale Komponente am ausgewogensten zum Tragen.

Barbara Horlacher ist ledig, hat keine Kinder «aber drei kleine Nichten, die mir sehr viel bedeuten und die zum Glück ganz in meiner Nähe wohnen, sodass ich regelmässig Zeit mit ihnen verbringen und sie aufwachsen sehen kann».

In ihrer Freizeit bewegt sie sich gerne an der frischen Luft: beim Spazieren, beim Joggen, beim Mountainbiken, bei Berg- und Skitouren. Auch Lesen sowie Kino-, Konzert- und Theaterbesuche zählt sie zu ihren Hobbys.

Als Einwohnerratspräsidentin werde sie sich dann und wann bewusst Freiräume schaffen, sich abgrenzen müssen, ist sie überzeugt. «Ganz genau weiss ich natürlich aber noch nicht, was alles auf mich zukommt.»