Windisch
Einwohnerrat entscheidet gegen Austritt aus Kindes- und Erwachsenenschutzdienst

Der Einwohnerrat Windisch hat am Mittwochabend gegen den Austritt entschieden aus dem Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD).

Michael Hunziker
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An der Schulthess-Allee 1 in Brugg befinden sich die Büros des Verbands «Soziale Dienstleistungen Region Brugg».

An der Schulthess-Allee 1 in Brugg befinden sich die Büros des Verbands «Soziale Dienstleistungen Region Brugg».

Michael Hunziker

Vor gut zwei Jahren hat der Windischer Einwohnerrat dem Beitritt zum Gemeindeverband «Soziale Dienstleistungen Region Brugg» zugestimmt. Am Mittwochabend ist nun über den Austritt aus dem Fachbereich Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) diskutiert worden. Lange und intensiv. Verlangt wurde eine geheime Abstimmung. Mit 14 zu 21 Stimmen ist schliesslich nach über anderthalb Stunden der Entscheid gefallen gegen den Austritt.

Gemeindepräsidentin Heidi Ammon erinnerte daran, dass die Zusammenarbeit mit dem Fachbereich KESD von Beginn weg schwierig gewesen und es bei der Mandatsführung zu Unruhe und Problemen gekommen sei. Die Leistungserbringung befriedige den Gemeinderat in keiner Art und Weise, stellte Heidi Ammon klipp und klar fest. Die Situation bezeichnete sie als weder tragbar noch verantwortbar. Das Verhalten und das Vorgehen der Beistände habe Fragen aufgeworfen.

Die anwesende Leiterin Sozialdienst, Priska Schreiber, schilderte ein paar konkrete Beispiele. Sie sprach von fehlender Wertschätzung und Missständen.

Besprechungen brachten nichts

Alle Gespräche, fügte Gemeindepräsidentin Ammon an, hätten allerdings nicht die erwünschte Wirkung gehabt. Es habe kein gemeinsamer Nenner, keine für beide Seiten tragbare Lösung gefunden werden können. «Wir stellen keine Verbesserung fest.» Sie zeigte sich überzeugt, dass Windisch mit einer neuen, eigenen In-House-Lösung den Anforderungen gerecht werden könnte. Noch länger im Verband zu verbleiben, wäre nach ihrem Dafürhalten eine Riesenbelastung.

Marc Keller (CVP) stimmte diesen Ausführungen zu, ein Austritt sei die einzige Möglichkeit für eine Verbesserung. Denn der Verband habe die Erwartungen nicht erfüllt. Es seien weder professionelle Strukturen noch professionelle Arbeitsbedingungen geschaffen noch für eine gute Kommunikation gesorgt worden.

Dieser Ansicht war ebenfalls Ruedi Kümin (EVP). Es sei, hielt er fest, ein bitteres Kapitel für die junge Institution, ein trauriges Kapitel für die Direktbetroffenen. Es gehe nun um Schadensbegrenzung. Bei der Verbandslösung könne er nicht mit gutem Gewissen bleiben. «Ich verstehe etwas Anderes unter professioneller Betreuung.» Kümin räumte ein, dass es schwierig ist, verlässliche Informationen zu erhalten.

Genau aus diesem Grund tat sich die SVP schwer mit dem Thema. Am Schluss müsse das Bauchgefühl entscheiden, sagte Marco Valetti. Ob dieses richtig sei, werde sich aber erst in Zukunft weisen.

Schlechtes Zeichen für die Region

Auch Philipp Umbricht (FDP) bezeichnete es als schwierig zu beurteilen, ob die Beistände ihre Arbeit richtig machen. Fest stand für ihn, dass die aktuelle Situation nicht befriedigend ist und es nicht im gleichen Stil weitergehen kann. Allerdings habe die Vorlage mit der In-House-Lösung Mängel. Für ihn gehe die Rechnung nicht auf, wie mit weniger Leuten eine bessere Qualität geboten werden soll. Umbricht sprach sich dafür aus, mindestens ein Jahr zuzuwarten, um dem Verband eine Chance zu geben und um eine eigene Lösung sauber vorbereiten zu können.

Für eine Chance für den Verband plädierte ebenfalls Mirjam Aebischer von der SP. Sie stellte nicht in Abrede, dass bei der Arbeit mit Menschen Fehler passieren. Offensichtlich sei vieles schiefgelaufen und es habe klar Fehleinschätzungen gegeben. Dabei handle es sich aber um ein Führungs- und Kommunikationsproblem. Ein Austritt in der emotional aufgeladenen Situation sei ein schlechtes Zeichen für die Region, lautete ihre Meinung. Man müsse sich zusammenraufen und die Vorlage zurückweisen.