Einwohnerrat Brugg
Per Stichentscheid: Motion zum Kunstrasenplatz überwiesen

Ganz knapp ist es im Brugger Einwohnerrat geworden am Freitagabend für die Motion von Miro Barp (SVP). Er hat sich eingesetzt für einen Kunstrasenplatz.

Michael Hunziker
Drucken
Teilen
Die Abklärungen zu einem Kunstrasenplatz können getroffen werden.

Die Abklärungen zu einem Kunstrasenplatz können getroffen werden.

Bild: Janine Müller (27. April 2020)

In der Abstimmung zur Kunstrasenplatz-Motion stand es nach einer intensiven Diskussion 21 zu 21 Stimmen im Einwohnerrat Brugg. Per Stichentscheid von Einwohnerratspräsidentin Rita Boeck (SP) wurde der Vorstoss schliesslich – entgegen dem Willen des Stadtrats – nach etwas mehr als einer Stunde überwiesen am Freitagabend.

Fussball sei verbindend, der FC Brugg zwar ein grosser und wichtiger Verein, aber nicht der einzige, hielt Stadtrat Reto Wettstein (FDP) fest. Es stelle sich die Frage nach dem Bedarf und der Verhältnismässigkeit.

Es gehe lediglich darum, hob Miro Barp (SVP) hervor, den Stadtrat zu verpflichten, dem Einwohnerrat Bericht und Antrag zu stellen zum Bau – also um die nötigen Abklärungen und Entscheidungsgrundlagen, nicht um die Bewilligung. Die Idee schon in der Entstehung abzuwürgen, wäre falsch, so seine Überzeugung. Es gehe um das Leben in der Stadt, die Standortattraktivität, die Jugendförderung, die Förderung des Vereinslebens sowie die Integrationsarbeit.

SVP-Einwohnerrat Miro Barp hat die Motion eingereicht.

SVP-Einwohnerrat Miro Barp hat die Motion eingereicht.

Bild: zvg

Sein Parteikollege Stefan Baumann pflichtete bei, sprach von einer nachhaltigen Investition mit einem Mehrwert. Das Geld käme vielen zu Gute, vor allem den Jungen.

Die FDP und die SP sind hin- und hergerissen

Gespalten war die Fraktion der FDP. Willi Wengi würdigte zwar die Verdienste des FC Brugg. Für die Ablehnung der Motion spreche aber, dass die finanziellen Auswirkungen nicht klar seien.

Die SP-Fraktion war ebenfalls hin- und hergerissen. Für Reto Bertschi müssten sowohl die finanzpolitischen als auch die ökologischen Themen betrachtet werden sowie – «ganz wichtig» – die Integration, die nicht in Franken und Rappen umgerechnet werden könne. Die positiven Effekte, war sich Bertschi sicher, seien höher zu gewichten als die Investitionen.

Sein Parteikollege Martin Brügger hielt dagegen. Die Ökobilanz könne nur negativ sein. Nach zehn Jahren ein ganzes Fussballfeld voll Plastik entsorgen zu müssen, lasse sich kaum rechtfertigen in der heutigen Zeit.

Yves Gärtner (Grüne) war ebenfalls gegen die Überweisung der Motion – «nicht ganz grundsätzlich, aber wir sind der Meinung, dass das Verhältnis von Nutzen und Kosten, respektive Nutzen und Umweltbelastung, definitiv nicht positiv ist».

Die EVP wünscht sich eine Kosten-Nutzen-Rechnung

Angelika Curti (CVP) möchte die Ergebnisse abwarten der Bedarfsermittlung für die Sportanlagen im Schachen und für die übrigen Rasenfelder. Den Kredit für die Erarbeitung hatte der Einwohnerrat Anfang des vergangenen Septembers gutgeheissen.

Nicht begeistert über einen Kunstrasen äusserte sich die EVP-Fraktion. Es gebe grosse Fragezeichen zur Ökobilanz, zu den hohen Investitionskosten sowie zur kurzen Nutzungsdauer, sagte Doris Erhardt. Aber trotz Kritik sehe sie auch die Vorteile. Sie wünsche sich eine klare Kosten-Nutzen-Rechnung, um sich ein Bild machen zu können. Dieser Aussage schloss sich Michel Indrizzi (FDP) an:

«Es wäre doch schön, in einem Antrag darüber befinden zu können.»

Gleicher Ansicht war am Schluss - zu fortgeschrittener Stunde nach 22.30 Uhr - Einwohnerratspräsidentin Rita Boeck (SP). Sie erwarte, dass der Stadtrat sehr ausführlich sein werde in seinem Bericht.