Brugg
Einwohnerrat Brugg erteilt dem öffentlichen Verkehr den Vortritt

Der Einwohnerrat hat nach langer Diskussion die zwei Verkehrs-Teilprojekte im Osten der Stadt bewilligt. Im Fokus ist dabei die Zurzacherstrasse. Mit den Massnahmen soll der Bus künftig weniger Verspätung haben.

Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen
Künftig wird der Bus in den Stosszeiten den Stau auf der Zurzacherstrasse überholen dürfen, damit er pünktlicher ist.

Künftig wird der Bus in den Stosszeiten den Stau auf der Zurzacherstrasse überholen dürfen, damit er pünktlicher ist.

Michael Hunziker

Zwei Teilprojekte aus dem Verkehrsmanagement Brugg Regio sind dem Einwohnerrat gestern Abend vorgelegen. Dieser musste über einen Kredit von 1,434 Mio. Franken als Kostenanteil abstimmen. Im Vorfeld führte Vizeammann Andrea Metzler noch einmal aus, worum es in der Vorlage geht: «Der öffentliche Verkehr soll auf der Zurzacherstrasse priorisiert werden.» Der Hintergrund: Der Verkehr hat auf dieser Strasse in den letzten Jahren zugenommen. Rund 18 000 Fahrzeuge werden täglich gezählt. Weil es bei der Casino-Kreuzung zu wenig Stauräume gibt, wird der öffentliche Verkehr stark behindert. Metzler spricht von 7 bis 15 Minuten Verspätung, die der Bus zurzeit in den Stosszeiten einfährt.

Massnahmen nur zu Verkehrsspitzenzeiten

Die Situation soll verbessert werden, indem die geplante Vorsortierung bis zur Bushaltestelle (von Lauffohr her kommend) verlängert wird. Damit werde die Leistungsfähigkeit der Casino-Kreuzung gesteigert – für den öffentlichen, aber auch für den motorisierten Individualverkehr. Der Bus kann in diesem Fall bis zur Lichtsignalanlage vorfahren und in einer eigenen Lichtsignalphase die Kreuzung passieren. Zudem ist eine Ampel bei der Kreuzung Zurzacherstrasse/Langmattstrasse vorgesehen, damit der Verkehr in Spitzenzeiten gesteuert werden kann und der Bus ohne Zeitverlust von der Langmattstrasse einbiegen kann. Eine weitere Lichtsignalanlage soll es bei der Bushaltestelle Au geben. Sie würde bewirken, dass der haltende Bus nicht von anderen Fahrzeugen überholt werden kann. Beide Ampeln wären nur zu Verkehrsspitzenzeiten in Betrieb. Mit diesen Massnahmen wäre eine Verminderung der Bus-Verspätung von 6 bis 8 Minuten möglich, führte Andrea Metzler aus.

CVP fordert Rückweisung

Diese Vorteile wollten nicht alle Parteien wahrhaben. Ungenau sei die Vorlage, schlecht ausgearbeitet und die wichtigsten Zahlen würden fehlen, monierten verschiedene Einwohnerräte von der CVP, FDP und SVP. Kritisiert wurde auch die Höhe des Kredits. Und so war es die CVP, die gleich zu Beginn der Diskussion einen Rückweisungsantrag stellte. Herbert Meier meinte: «Die Vorschläge stammen aus dem letzten Jahrhundert. Zudem erstaunt es uns, dass nie ein praktischer Versuch gemacht wurde.» Es sei völlig unklar, ob die angedachten Massnahmen überhaupt etwas bringen. Mit seinem Votum entfachte er eine Diskussion, die über eine Stunde dauerte. So entgegnete Adriaan Kerkhoven (GLP): «Es wäre sehr schade, wenn die Vorlage zurückgewiesen wird. Denn diese Massnahmen, auch wenn sie homöopathisch sind, funktionieren beispielsweise in Baden sehr gut.» Reto Bertschi (SP) meinte: «Wir müssen möglichst schnell an der jetzigen Situation etwas ändern. Diese Projekte zielen in die richtige Richtung, allerdings müssen weitere Schritte folgen.» Urs Keller (FDP) gab zu bedenken, dass ein Test der Massnahmen kaum etwas bringen dürfte, «ausser einem grossen Aufwand und Zeitverlust». Und: «Bevor die Oase nicht realisiert wird, bleibt das ‹Puff› sowieso bestehen.» Titus Meier (FDP) brachte den Vorschlag, das Projekt zurückzuweisen, um es überarbeiten zu lassen. Er forderte, dass auch die angedachte Pförtneranlage ins Projekt aufgenommen wird.

Lösung nur Schritt für Schritt möglich

Andrea Metzler sah sich genötigt, dem Rat ins Gewissen zu reden: «Stellen Sie sich vor, was das für eine Signalwirkung Richtung Kanton hat, wenn der Rat die Teilprojekte ablehnt.» Stadtammann Daniel Moser unterstützte sie und sagte: «Die Verkehrssituation können wir nur Schritt für Schritt lösen, weil mehrere Gemeinden involviert sind. Wir haben die Wahl: Etwas verbessern oder zuschauen, wie sich die Situation verschlechtert.»

Letztlich wies der Einwohnerrat (45 von 50 Mitgliedern waren anwesend) den Rückweisungsantrag mit 25:19 zurück. Und in der Folge wurden die zwei Teilprojekte mit 31:12 und 29:14 Ja-Stimmen angenommen.