Wallbach-Villnachern
Einst war diese Anlage in Villnachern streng geheim

Mit riesigem Aufwand hat der Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal den ehemaligen Kommandoposten der Grenzbrigade 5 in Wallbach-Villnachern restauriert. Am Samstag konnte die einst streng geheime Anlage besichtigt werden.

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Kommandoposten Wallbach-Villnachern
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Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Funkstelle.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Im Stollenlabyrinth.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Maschinenraum.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Ueli Gehring erklärt den Maschinenraum.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Fernschreiberraum.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Gedenkstein.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Gemütlichkeit in der Anlagenküche.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Kommandantenzimmer.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Telefonzentrale.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Kunst im Bunker - Wandbild von René Villiger.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; Speisesaal.
Kommandoposten der Grenzbrigade 5 Eröffnung des ehemaligen Kommandopostens der Grenzbrigade 5 in Wallbach; der Feind hört mit.

Kommandoposten Wallbach-Villnachern

Louis Probst

Wäre da nicht der Gedenkstein, würde kaum etwas – ausser vielleicht den «Schachtdeckeln», die auf Atomschutz-Unterstände (Asus) schliessen lassen – darauf hindeuten, dass sich hinter dem Bunker oberhalb der Badi Villnachern der ehemalige Kommandoposten der Grenzbrigade 5 verbirgt. Vor gut drei Jahren ist die Anlage, die 2013 entklassifiziert und ausgeräumt worden war, durch den Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal erworben und inzwischen wieder weitgehend in den Originalzustand zurückversetzt worden.

Am Samstag bot sich der Öffentlichkeit erstmals Gelegenheit, einen Blick in die einst streng geheime Anlage zu werfen. Und diese Gelegenheit wurde genutzt – nicht nur von ergrauten Häuptern, sondern auch von der jungen und jüngsten Generation. Schliesslich ist der Kommandoposten ein bedeutender Zeuge des Zeitabschnittes vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges.

Am Anfang war es ein ziviler Eiskeller

«Ausgangspunkt des Kommandopostens im Wallbach war ein ziviler Eiskeller», erklärte Willi Bichsel – im Range eines Majors war er zwischen 1985 und 1990 Kommandant des Hauptquartiers der Grenzbrigade 5 – in einem der Führungsräume den Besucherinnen und Besuchern. «Die Anlage ist ein Puzzle verschiedener Ausbau-Aktionen.»

In einem ersten Schritt war 1940 eine unterirdische Telefonzentrale entstanden, die 1943 mit einem Stand für ein leichtes Maschinengewehr erweitert wurde. In den Jahren 1943/1944 erfolgte – unter dem Codenamen «Magazin Villnachern» – der Ausbau der Telefonzentrale zum Kommandoposten mit Arbeits-, Aufenthalts- und Schlafräumen, einer Küche sowie einem Maschinenraum und einem Funkraum.

1960 wurde der Kommandoposten modernisiert und mit Atomschutzunterständen, die durch einen Stollen zugänglich sind, erweitert. Nach der Aufhebung der Grenzbrigade 5 im Jahre 1994 wurde die Anlage komplett «ausgeräumt».

Als wäre die Truppe erst gestern abgerückt

Den Besucherinnen und Besuchern präsentierte sich der einstige Kommandoposten aber beinahe so, als wäre die Truppe erst gestern abgerückt. Mit riesigem Aufwand hat der Verein die Anlage, die viele Jahre leer gestanden hatte, wieder hergerichtet. «Dahinter stecken rund 1600 Arbeitstage oder acht Mannjahre Arbeit», so Titus Bürgi vom Verein Militär- und Festungsmuseum.

Die blitzblank restaurierten Räume – wie etwa das spartanisch eingerichtete «Zimmer» des Kommandanten oder die Schlafgelegenheiten der Telefon-Zentralisten – geben einen Eindruck vom Leben im Kommandoposten. Überlebt sozusagen hat im Aufenthaltsraum das Wandgemälde «Anbauschlacht», das der Sinser Künstler René Villiger (1931 bis 2010) auf Veranlassung von Brigadier Hans Hemmeler, des Kommandanten der Grenzbrigade 5 in den Jahren 1966 bis 1971, geschaffen hatte.

Geräte aus der Aktivzeit des Kommandopostens – Funkanlagen, Fernschreiber und die Telefonzentrale oder auch die Hermes-Schreibmaschine im Blechköfferchen – vermitteln einen Eindruck von der Arbeitsweise im Stab einer grossen Armeeinheit in der Zeit vor dem Cyberkrieg.

Alles soll so originalgetreu wie möglich sein

Wieder hergestellt worden ist auch die technische Infrastruktur des Kommandopostens mit dem Maschinenraum als Herzstück. Dabei ist der Verein, so Ueli Gehring, auch von Firmen unterstützt worden. So haben beispielsweise Lehrlinge der Firma Riggenbach AG (Brugg) jenen Teil der Lüftungsanlage neu erstellt, der nach der Deklassifizierung ausgebaut worden war.

Nicht immer gestaltet sich die Wiederbeschaffung von Ausrüstungsteilen problemlos. Noch fehlen beispielsweise die grossen Filter für die Reinigung der Luft in der Anlage. «Wir hoffen, dass wir irgendwo solche Filter finden werden», sagte Ueli Gehring.

Mehr Glück hatte der Verein mit der Wiederbeschaffung eines originalen Stromaggregates. «Das Aggregat mit dem Saurer-Dieselmotor, das jetzt da steht, stammt aus der Westschweiz», so Ueli Gehring. «Ein Vereinsmitglied hatte mitbekommen, dass es von einer Privatperson zum Verkauf angeboten wurde. Wir hoffen, den Dieselmotor demnächst wieder laufen lassen zu können und eigenen Strom zu produzieren. Unser Bestreben ist es, den Kommandoposten originalgetreu einzurichten.»