Die Südwestumfahrung Brugg wurde im Juni 2013 – also vor dreieinhalb Jahren – mit über 68 Prozent Ja-Stimmen-Anteil vom Aargauer Stimmvolk angenommen. Mit dem 46,45 Mio. Franken teuren Strassenbauprojekt sollen die Zentren Brugg und Windisch vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Gegen das Vorhaben gingen im Rahmen der öffentlichen Auflage 27 Einwendungen beim Kanton ein.

Ende Oktober 2016 wies der Regierungsrat sämtliche noch offenen Einsprachen ab. Und obwohl – entgegen der Befürchtung von mehreren Seiten – die Umweltverbände ihre Einsprache nicht ans Verwaltungsgericht weitergezogen haben, liegt die Baubewilligung für die Südwestumfahrung Brugg noch immer nicht vor.

Privater hat Beschwerde gemacht

Rolf H. Meier, Leiter Abteilung Tiefbau beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sagt auf Nachfrage: «Eine Beschwerde von einem privaten Einwender ist beim Verwaltungsgericht eingegangen.» Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann Meier keine Angaben zu deren Inhalt machen. Ziel sei es nun, noch im Laufe des Januars eine aussergerichtliche Lösung mit dem Einwender zu finden. Der Verhandlungstermin stehe bereits fest. Meier ist zuversichtlich, dass es zwischen Kanton und Einwender zu einer gütlichen Einigung kommen wird. Sollte dies – wider Erwarten – nicht gelingen, wird ein Gerichtsverfahren eingeleitet.

Erst wenn alle Beschlüsse rechtskräftig sind, kann mit dem Ausführungsprojekt und den Landerwerbs-Verhandlungen begonnen werden. Mit dem eigentlichen Baubeginn sei frühestens im Sommer 2018 zu rechnen, sagte BVU-Sprecher Giovanni Leardini im November. Ursprünglich war von einem Baustart im Frühling 2016 die Rede. Als die Stimmbürger 2013 über die Südwestumfahrung zu entscheiden hatten, gingen sie von einem umfassenden Massnahmenpaket inklusive Nordumfahrung Windisch, Verkehrsmanagement sowie dem Bau des Baldeggtunnels aus. In der Zwischenzeit wurden die Planung des Baldeggtunnels verworfen und für das Projekt Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) neue Varianten mit einem Zeithorizont bis 2040 geprüft.

Für Umweltverbände zu riskant

Die Aargauer Sektionen der drei Umweltverbände WWF Schweiz, Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) sowie Birdlife sprechen sich nach wie vor dezidiert gegen die Südwestumfahrung Brugg aus. «Trotz gewichtiger ökologischer Mängel» des Projekts verzichteten sie aber auf einen Weiterzug an das Verwaltungsgericht. Denn die Chancen, dass ihre Beschwerde gutgeheissen wird, stuften die Umweltverbände als klein ein, «sodass der finanzielle Aufwand von mehreren Zehntausend Franken in diesem Fall ein zu grosses Risiko darstellen würde», schrieben sie im Dezember in einer Mitteilung.