Habsburg
Einheitsmenü im Schloss-Restaurant: Senioren weichen ihrer Dorfbeiz aus

Die hohen Erwartungen der Habsburger Bevölkerung an das 2014 wiedereröffnete Schlossrestaurant scheinen sich nicht erfüllt zu haben. Für den monatlichen Treff wollen die Rentner kein Einheitsmenü – und sie vermissen Lift zum Schlossrestaurant.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Das Schlossrestaurant ist die einzige Dorfbeiz der Habsburger. Archiv AZ

Das Schlossrestaurant ist die einzige Dorfbeiz der Habsburger. Archiv AZ

Walter Schwager

«Es tut uns Senioren von Habsburg sehr leid, dass wir uns nicht mehr im Schloss treffen können», sagt Elisabeth Salchli. Sie koordiniert einmal im Monat ein Essen für die Senioren der 400-Seelen-Gemeinde.

Doch seit einigen Monaten treffen sie sich nicht mehr im Schlossrestaurant – der einzigen Einkehrmöglichkeit im Dorf –, sondern in einem anderen Restaurant in der näheren Region. Die Teilnehmenden sind sich gewohnt, das Menü selber zu wählen und auch individuell zu bezahlen. Doch genau damit gab es in der Vergangenheit im Schlossrestaurant Probleme. Salchli hätte eine Bankett-Checkliste unterschreiben müssen.

Restaurant gehört dem Kanton

Rückblick: Die Erwartungen der Habsburger Bevölkerung waren gross, als am 1. April 2014 das sanft renovierte Schlossrestaurant wieder eröffnet wurde. Für Regierungsrat Roland Brogli war bei der offiziellen Einweihung wichtig, dass auf der Habsburg alle willkommen sind – egal, ob arm oder reich. Es ist das einzige Restaurant, das dem Kanton Aargau gehört. Die Gruppe Aargauhotels.ch, zu der das Hotel Aarehof in Wildegg gehört, hat es vom Kanton gepachtet.

Nach knapp einem Jahr wurde der Wirt ausgewechselt. «Das neue Führungsteam um den Geschäftsführer Roland Deriaz hat sich gut eingespielt», sagt Aarehof-Direktor Harald Raab. Es sei eine gewisse Ruhe ins Team und in den Tagesablauf eingekehrt.

Zu den Kritikpunkten von Elisabeth Salchli sagt Raab: «Bei uns sind alle Gäste willkommen. Gemäss Information von Roland Deriaz haben die Senioren der Pro Senectute jeweils vor Ort aus dem Mittagsangebot mit Speisen ab Fr. 17.50 ausgewählt. Auch konnten die Gäste jeweils einzeln bezahlen.»

Raab räumt aber ein, dass an stark frequentierten Tagen aus ablauftechnischen Gründen nicht alle Gästewünsche erfüllt werden können. «Bei einem grossen Gästeaufkommen, wie wir es vor allem an Sonntagen erleben, macht es aus organisatorischer Sicht Sinn, dass wir bei Gruppen ab 10 Personen ein einheitliches Menü vereinbaren.»

Die im Verhältnis eher kleine Schlossküche zwinge sie zu solchen Massnahmen. «Die Reservationsbestätigung dient gleichzeitig als Checkliste und ist in Restaurants üblich. Sie sichert einen reibungslosen Ablauf, auch im Interesse der Gäste», fährt der Aarehof-Direktor fort. Raab ist froh, dass die Gästezufriedenheit im Bereich Küche und Service im laufenden Jahr markant gestiegen ist.

Schloss steht unter Denkmalschutz

Bisher seien dem Kanton keine Klagen von Besuchern zugetragen worden, so François Chapuis, Leiter Immobilien Aargau. «Dem Kanton ist es ein grosses Anliegen, dass das Schlossrestaurant der ganzen Bevölkerung zugänglich ist.» Das von der heutigen Pächterin dannzumal präsentierte offene Konzept sei mitunter ausschlaggebend gewesen für den Zuschlag an Aargauhotels.ch. Chapuis betont: «Wir werden im Rahmen der nächsten ordentlichen Sitzung mit der Pächterin die Fragestellungen erörtern und wenn nötig und möglich Massnahmen ergreifen.»

Elisabeth Salchli von Habsburg hat noch einen Grund, warum sie mit den Senioren nicht mehr im Schlossrestaurant essen gehen kann: «Gehbehinderte Menschen werden in diesem Restaurant diskriminiert.» Sie kann nicht verstehen, warum bei der Renovation kein – möglicherweise rückbaubarer – Lift eingebaut wurde, mit dem man bequem in den 1. Stock oder zum Rittersaal kommt.

Das Schloss Habsburg steht als Stammsitz der Habsburgerdynastie unter Denkmalschutz. Als frei zugängliches Museum trägt es aus Sicht des Kantons wesentlich zur Vermittlung der Schweizer Geschichte bei. Immobilien-Aargau-Leiter François Chapuis erklärt: «Der Handlungsspielraum in einem so historisch wertvollen und sensiblen Umfeld ist eingeschränkt.»

Eine Reduktion auf ein «Schlossrestaurant» würde diesem geschichtsträchtigen Ort nicht angemessen Rechnung tragen. Im Vorfeld der Renovationsarbeiten sei der Einbau eines Glaslifts geprüft und sowohl aus denkmalpflegerischen als auch finanziellen Gründen verworfen worden, so Chapuis weiter.