Brugg
Einer lebhaften Sitzung steht nichts im Wege – an Kunstrasenplatz scheiden sich die Geister

Förderung der Bewegungs- und Sportmöglichkeiten: Der Einwohnerrat Brugg befindet am Freitag über die Motion von Miro Barp.

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SVP-Einwohnerrat Miro Barp setzt sich ein für die Anschaffung eines Kunstrasenplatzes nahe dem Sportstadion Au.

SVP-Einwohnerrat Miro Barp setzt sich ein für die Anschaffung eines Kunstrasenplatzes nahe dem Sportstadion Au.

jam (27. April 2020

Einer lebhaften Sitzung steht nichts im Wege: Eine ganze Reihe von Vorstössen steht zur Diskussion am Freitag im Brugger Einwohnerrat. Auseinander gehen die Meinungen beim Thema «Kunstrasenplatz». Für die Anschaffung eines solchen macht sich Miro Barp (SVP) stark. Das Bewegungs- und Sportangebot von Kindern und Jugendlichen liegt ihm am Herzen. Barp ist überzeugt von den Vorteilen eines Sportplatzes, der das ganze Jahr praktisch unbegrenzt betrieben werden kann.

Die Fraktionen sind hin- und hergerissen. Ein Teil der SP spricht sich aus für einen Bericht des Stadtrats mit Kostentransparenz – damit über ein kon- kretes Projekt befunden wer-den kann. Die SP würdigt und schätzt zwar die Sportförderungstätigkeit des FC Brugg für die Kinder und Jugendlichen der Region und auch die damit verbundene Integrationsarbeit. Aber der Fraktion missfällt, dass die Anschaffung eines Kunstrasenplatzes eine gewaltige Investition darstellt und der Plastikbelag nach Jahren wieder entsorgt werden muss.

Aus ökologischer Sicht steht die EVP dem Bau eines Kunst-rasenplatzes ebenfalls kritisch gegenüber. «Jedoch wäre die Prüfung einer solchen Investition auf deren Nachhaltigkeit von grossem Nutzen. Erst dann können wir uns abschliessend für oder gegen einen Kunst­rasenplatz aussprechen.»

Für die GLP und CVP sind Fragen offen

Für die GLP braucht es betreffend Kunstrasenplatz eine kla- re Kosten-/Nutzen-Rechnung, und es müssten Umweltkriterien bezüglich Mikroplastik, Produktionsbedingungen, Un-terhalt sowie Entsorgung erfüllt sein. Aus Sicht der Fraktion – die den Vorstoss unterstützt – darf keine überproportionale Förderung des Fussballs stattfinden, «weder Einwohner- noch Stadtrat sollen sich durch die gut vernetzte Fussball-Lobby unter Druck setzen lassen».

Die CVP möchte die Resultate der hängigen Motion betreffend der Analyse der Infrastruktur für Bewegungsmöglichkeiten abwarten, um entscheiden zu können, «ob die erhebliche Investition in einen Kunstrasen einen sinnvollen Beitrag zur Optimierung der Bewegungsmöglichkeiten der Brugger Bevölkerung leisten kann».

FDP äussert sich überrascht

Der FC Brugg, stellt die FDP fest, leistet viel für die Jugendarbeit und bietet Jugendlichen aus dem ganzen Bezirk eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Trotzdem ist die Fraktion mehrheitlich der Ansicht, dass es nicht die Aufgabe der Stadt ist, einen Kunstrasen zu finanzieren. Die bisherige Haltung der Stadt, wonach Sport- und Freizeitanlagen für die Schulen gebaut werden und dabei möglichst auf die Anliegen der Vereine Rücksicht genommen und eine kostenlose Benutzung ermöglicht wird, sei richtig.

Die FDP äussert sich grundsätzlich überrascht, dass der Stadtrat nicht bereit sei, massvolle und umsetzbare Vorstösse entgegenzunehmen – dagegen jene, «die sich nicht umsetzen lassen oder für die er nicht zuständig ist». Unterstützt wird das Postulat von Titus Meier (FDP). Dieser ersucht den Stadtrat, anstelle eines Ausbaus der Bahnhofunterführung eine Überführung sowie eine Überbauung von Teilen der Bahngleise zu prüfen.

Die EVP sieht immense Vorteile in Überführung

Dass dieser Vorstoss vom Stadtrat nicht entgegengenommen wird, erstaunt auch die SP. Den Langsamverkehr im «dunklen und unwirtlichen» Untergrund zu belassen, könne nicht das Ziel einer ganzheitlichen Projektierung sein. «Die Stadt hat hier die Chance, nach neuen, attraktiven Lösungen zu suchen.»

Ähnlich tönt es bei der GLP. Es sollten alle Möglichkeiten einer effizienten, aber auch städtebaulich interessanten Verbindung zwischen Brugg und Windisch geprüft werden. Hier schon nicht mal auf den Ansatz einzugehen, wie es der Stadt- rat zu tun gedenke, sei nicht nachvollziehbar. Aus Sicht der EVP ist die Prüfung einer Überbauung/Überquerung über die Bahngeleise ebenfalls unabdingbar. Die Vorteile im Vergleich zur Verbreiterung der Unterführung seien immens. Für die CVP wiederum ist zwar unbestritten, dass die Verbindung zwischen Brugg und Windisch für Fussgänger und Langsamverkehr dringend optimiert werden muss. Die Idee, die Verbindung mittels einer Brücke herzustellen, findet in den Reihen der Fraktion jedoch keine Zustimmung. Die planerischen Kräfte der Stadt sollten sich, in Zusammenarbeit mit den SBB und den Behörden von Windisch, auf den Ausbau der unterirdischen Verbindung konzentrieren, des sogenannten «Mauslochs», so die CVP.

SVP will sich mit Vehemenz wehren

Behandelt werden am Freitag zudem: Postulat Titus Meier (FDP) betreffend Vernehm- lassungsverfahren (wird vom Stadtrat abgelehnt); Postulat Barbara Geissmann (CVP) betreffend Einführung einer öffentlichen Tagesschule (wird vom Stadtrat entgegengenommen); Postulat Urs Bürkler (Grüne) und Pascal Ammann (SP) betreffend Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager ­Moria (wird vom Stadtrat entgegengenommen); Postulat der Fraktion der Grünen Brugg betreffend Klimaschutz als Querschnittsthema (wird vom Stadtrat entgegengenommen).

Mit Vehemenz gegen eine Überweisung von letzteren beiden wehren will sich die SVP. Dies seien Bundesaufgaben, die nicht in der Kompetenz des Stadtrats lägen, finanziell nicht verkraftbar seien und keinen Mehrwert brächten für die Einwohnerinnen und Einwohner von Brugg. Es falle auf, dass ausschliesslich Postulate mit linken und grünen Anliegen entgegengenommen werden, hält die Fraktion fest. (mhu)

Einwohnerrat Freitag, 29. Jan., 19.30 Uhr, Campussaal.