Windisch
Eine «Visitenkarte» darf etwas kosten

Das Gemeindehaus in Windisch kann umgstaltet werden, Der Einwohnerrat hat den Kredit dafür gutgeheissen. Die Mietzinse werden auf ein ortsübliches Niveau angehoben.

Louis Probst
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Gemeindehaus Windisch

Gemeindehaus Windisch

«Wie beim Kredit für die Sanierung des Bezirksschulhauses hat sich der Gemeinderat auch bei dieser Vorlage mit den finanziellen Aspekten auseinandergesetzt», betonte Gemeindeammann Hanspeter Scheiwiler zum Kredit von 680000 Franken für Umgestaltungen im Gemeindehaus. «Es sind beides Investitionen, die verantwortet werden können und die mit den Legislaturzielen im Einklang stehen. Es ist das Ziel der Umgestaltungen, bei der Einwohnerkontrolle und der Gemeindekanzlei kundenfreundliche Verhältnisse, aber auch gute Arbeitsbedingungen für das Personal zu schaffen. Und wir möchten auch, dass das Betreibungsamt weiterhin im Gemeindehaus bleibt.» Der Gemeindeammann wies auch auf den Rückfluss von Mitteln bei den Investitionen für das Betreibungsamt hin. Dadurch und durch den Mehrertrag bei den Mietzinsen reduziert sich unter dem Strich der Bruttokredit von 680000 Franken auf knappe 237000 Franken.

Ablehnen oder zurückweisen?

Im Namen der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission empfahl Hans Meier (SVP) Ablehnung. «Die Kommission ist mehrheitlich der Ansicht, dass das Projekt gut durchdacht ist, und sie anerkennt die Bedeutung des Vorhabens. Aus finanziellen Gründen spricht sich aber die Mehrheit für die Ablehnung aus.»

Paul Brogli (SVP) erklärte: «Wir haben den Kredit für die Sanierung des Bezirksschulhauses angenommen. Die Schulden steigen. Wir wissen nicht, wie es mit der APK weitergeht. Wir sollten die Umgestaltung des Gemeindehauses zwar nicht vergessen, aber später verwirklichen. Die Mehrheit der SP ist für Ablehnung.»

Die finanzielle Lage der Gemeinde lasse dieses Projekt nicht zu, betonte Susanne Keller (CVP). «Angesichts des Projektierungskredites von 25000 Franken sind wir überrascht, dass der Baukredit jetzt 680000 Franken beträgt. Das Projekt ist zu umfangreich. Es ist eine Maximalvariante. Wir können uns aber nicht alle Wünsche erfüllen.» Susanne Keller stellte den Antrag, die Vorlage zur Überarbeitung zurückzuweisen und dem Einwohnerrat eine Vorlage für ein redimensioniertes Projekt mit einem Bruttoaufwand von maximal 400000 Franken vorzulegen.

«Auch bei der SP ist man erstaunt über die Höhe des Kredites», erklärte Martin Weber. «Die Mehrheit der SP unterstützt aber das Projekt. Kundenfreundlichkeit und bessere Arbeitsbedingungen scheinen uns wichtiger als rein finanzielle Überlegungen. Wir hoffen zudem, dass bei der Ausführung Einsparungen möglich sind.»

Robert Kamer (FDP) warnte vor den Gefahren einer Limitierung des Kredites auf 400000 Franken. Und Marco Valetti (SVP) warnte vor einem «Herumschrauben» am Projekt. Er empfahl, den Rückweisungsantrag nicht zu unterstützen. «Die EVP begrüsst die Umgestaltung», sagte Madeleine Nater. «Man kann zwar schon ein Fragezeichen hinter die hohen Kosten setzen. Aber die EVP unterstützt die Vorlage.»

Gemeindeammann Scheiwiler sprach sich gegen die Rückweisung aus. «Mit einer Limitierung des Aufwandes auf 400000 Franken ist keine Optimierung möglich», gab er zu bedenken. «Das wäre wahrscheinlich hinausgeworfenes Geld. Wir wollen wirklich optimieren.»

In der Abstimmung wurde der Rückweisungsantrag der CVP mit 25 gegen 8 Stimmen abgelehnt.

Marktgerechte Mietzinsen

In der weiteren Beratung des Baukredites beantragte Paul Brogli (SVP) eine Anpassung der Mieten im Gemeindehaus auf die ortsüblichen Ansätze. Heini Glauser (SP) schlug vor, diesen Antrag gleich in die Botschaft aufzunehmen.

«Die FDP wird die Vorlage mehrheitlich unterstützen», versicherte Robert Kamer. «Zwei Drittel des Kreditbetrages kommen wieder retour. Für die Gemeinde ist die Verwaltung zudem eine wichtige Visitenkarte. Das Erscheinungsbild ist mir die Investition wert – mindestens so viel wie für ein paar farbige Kugeln in den Kreiseln.»

Vom Gemeinderatstisch gab Karsten Bugmann zu bedenken: «Wir haben selten eine Botschaft, bei der innert kürzester Zeit zwei Drittel der eingesetzten Mittel zurückfliessen. Zudem wollen wir uns als kundenfreundliche Gemeinde etablieren.»

Dieser Meinung war offensichtlich auch die Mehrheit des Einwohnerrats. Sie nahm nicht nur den Antrag der SVP auf marktübliche Mietzinsen mit 32 gegen 2 Stimmen an. Sie hiess auch den Baukredit von 680000 Franken mit 21 gegen 9 Stimmen gut.