Brugg
Eine Teedose verrät: Vor über 100 Jahren litt Herr Setz an Verstopfung

Der Brugger Apotheker Rolf Krähenbühl hat einem Antiquitätenhändler eine alte Teedose abgekauft und sich auf Spurensuche gemacht – mit Erfolg. Krähenbühl nahm mit seinem Apotheken-Vorgänger Jörg Merz Kontakt auf. Gemeinsam stiegen sie ins Archiv.

Claudia Meier
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Der Inhalt dieser Teedose am 4. Juli 1912 ist in einem grossen Buch fein säuberlich festgehalten – der Abführtee kostete damals Fr. 1.30.CM

Der Inhalt dieser Teedose am 4. Juli 1912 ist in einem grossen Buch fein säuberlich festgehalten – der Abführtee kostete damals Fr. 1.30.CM

«Ich bin kein Geschichtsfanatiker«, sagt Rolf Krähenbühl, Inhaber der Toppharm Apotheke am Lindenplatz in Brugg, und lacht. Als ihm der Antiquitätenhändler Rolf Roth aber vor knapp drei Wochen eine runde Karton-Teedose zeigte, wurde Krähenbühl doch neugierig.

Er erwarb die Dose der damaligen Apotheke Emil Wespi in Brugg und machte sich umgehend auf Spurensuche. Krähenbühl nahm mit seinem Apotheken-Vorgänger Jörg Merz Kontakt auf. Gemeinsam stiegen sie ins Archiv.

Die beiden Apotheker wussten, was sie suchten: Ein handgeschriebenes Buch – genau genommen den Band O – mit Einträgen vom Juli 1912. Auf der ominösen Dose stand nämlich wunderschön von Hand geschrieben: «Herr Setz. Ein bis zwei Esslöffel voll Kräuter für eine Tasse Tee. Morgens nüchtern zu trinken – O.37.1. – 4. Juli 12».

Die Freude war gross, als sie das gut erhaltene Buch aus dem Jahr 1912 fanden. Der erste Eintrag auf Seite 37 verriet dann auch den Inhalt dieser dekorativen Teedose: Je 25 Gramm Sennesblätter und Veilchenkraut wurden zu einem Tee gemischt und für 1.30 Franken abgegeben.

Dazu war kein Rezept erforderlich. «Diese Mischung ist abführend. Und mit zwei Esslöffel voll Kräuter auf eine Tasse hat der Tee sicher gewirkt. Das ist eine tolle Dosis», sagt Krähenbühl und schmunzelt.

Das Buch ist ein Fundus, um in die die Brugger Apothekengeschichte einzutauchen. Die Qualität ist hervorragend. «Es hat jeden Tag Einträge. Das heisst der Apotheker, der gleich über der Apotheke wohnte, arbeitete täglich. Das ist zum Glück heute anders», so Krähenbühl.

Er blättert vorsichtig im Buch. Die sorgfältige Buchführung und die Geschichten, die sich hinter den Einträgen verbergen, faszinieren den Apotheker.

«Können Sie sich vorstellen, dass man in 100 Jahren anhand einer Nummer noch herausfinden kann, was, wem verabreicht wurde?», fragt der Apotheker und blickt auf den Computer im Beratungsraum seiner Apotheke.

Diese über 100-jährige Teedose sowie einige weitere Unikate aus dem Brugger Apotheken-Fundus werden im Rahmen der nächsten Schaufensteraktion «50 Jahre Gewerbeverein Zentrum Brugg» ab 6. Mai am Neumarktplatz zu bewundern sein.