Corona-Virus

Eine Solidaritätswelle schwappt über die Region Brugg

Lehrerkonferenz der Schule Lupfig mal anders - und unter Einhaltung des zurzeit gebotenen Abstands.

Lehrerkonferenz der Schule Lupfig.

Lehrerkonferenz der Schule Lupfig mal anders - und unter Einhaltung des zurzeit gebotenen Abstands.

Ob Schule, Kirche, Gemeinde oder Privatpersonen: Sie alle wollen den Menschen der Corona-Risikogruppe helfen.

Personen aus der Risikogruppe brauchen derzeit besonderen Schutz. Das bedeutet, dass sie zu Hause bleiben und den Kontakt zu anderen möglichst vermeiden sollten. Entsprechend ist es für diese Menschen schwierig, alltägliche Dinge wie Einkaufen oder mit dem Hund zu spazieren, zu erledigen.

In der Region Brugg gibt es nun bereits Angebote, die solche Menschen unterstützen sollen. Eine Solidaritätswelle schwappt über die Region. So wurden die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Primar sowie der Oberstufenklassen der Schule Lupfig von ihren Lehrpersonen dazu motiviert, Mitmenschen in der Umgebung ihre Hilfe anzubieten. Heisst: Botengänge für den täglichen Einkauf oder der Gang zur Apotheke. Weitere Arbeiten können die Mithilfe im Haushalt, Gartenarbeiten wie Rasenmähen oder Unkraut beseitigen sowie Autowaschen oder Velo­flicken sein.

Eine tolle und wichtige Erfahrung für die Kinder

«Es war eine Idee der Lehrpersonen anlässlich unserer Vorbereitung betreffend den besonderen schulischen Massnahmen», sagt Gesamtschulleiter Jürg Baur auf Anfrage der AZ. «Wir möchten mit dieser Aktion einen nützlichen Beitrag zur momentanen Situation beitragen.» Die Lehrpersonen seien überzeugt, dass die Schülerinnen und Schüler so tolle und wichtige Erfahrungen machen können.
Neben diesem Hilfsangebot haben die Schülerinnen und Schüler ab Donnerstag aber auch noch andere Aufgaben: «Sie erhalten verschiedene Arbeitsmaterialien zum Üben und Festigen sowie adäquate Aufträge des bisherigen Lernstoffs», sagt Baur. Gestern Morgen haben die Lehrpersonen die entsprechenden Aufträge zusammengestellt an einer etwas aussergewöhnlichen Konferenz auf dem Pausenhof.

Wichtig: Die Nachbarschaftshilfe ist für die Kinder und Jugendlichen freiwillig. Die Aufgaben sollen zudem unter beibehalten der Vorsichtsmassnahmen ausgeführt werden. «Die Schule Lupfig appelliert an die Eltern, dass die Empfehlungen zu den Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden sollen. Es sollen keine Massierungen auf dem Spielplatz oder andern Plätzen stattfinden», sagt Jürg Baur.

Der Brugger SP-Einwohnerrat David Hunziker hat gemeinsam mit Freunden auf Facebook die Gruppe «Gsunds Brugg und Umgäbig» gegründet. «Es gab darauf rasch positive Rückmeldungen», sagt Hunziker. «Uns geht es darum, Leute, die nicht mehr nach draussen sollen, wollen oder dürfen, zu unterstützen. Wir können zum Beispiel für sie einkaufen und den Wocheneinkauf dann vor die Türe stellen.» Hunziker ist es wichtig zu betonen, dass das Angebot nicht eine Einzelaktion von ihm ist: «Es gibt viele Menschen, die sich dafür engagieren.»

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Um die Risikogruppe zu erreichen, wird das Angebot in den Medien, aber auch via Flyer bekanntgemacht. «Trotz Abstand halten können wir einander gegenseitig unterstützen», heisst es auf dem Flyer, der bald in der Öffentlichkeit, in Lebensmittelläden und Apotheken, aber auch in Mehrfamilienhäusern aufliegen soll. «Wenn es Sachen zu erledigen gibt (Einkaufen gehen, Medikamente besorgen, andere Tätigkeiten in der Öffentlichkeit), zögern Sie nicht, mit uns in Kontakt zu treten. Wir sind eine unkomplizierte Gruppe und unterstützen Sie bei Bedarf.»

Die Hilfsangebote sind kostenlos

Die helfenden Personen sind alle in der Region wohnhaft und daher schnell verfügbar. ­Erreichen kann man sie via folgende zwei Handynummern: 076 576 82 54 und 076 514 66 77. «Wir sind auch im Kontakt mit anderen Angeboten, damit wir die Kräfte bündeln und uns geschickt organisieren können«, sagt David Hunziker.

Zurzeit soll das Angebot bekanntgemacht werden, damit man dann genügend Helfende hat, wenn die Anfragen eintreffen. «Es braucht jetzt aktive Leute, die sich engagieren», ruft er auf. Übrigens: Die Hilfsangebote sind kostenlos, vergütet werden lediglich die Kosten beispielsweise für den Einkauf. Organisiert ist die Gruppe nicht nur auf Facebook, sondern auch in einer Whatsapp-Gruppe.

Jugendverbände bieten Einkaufsdienst an

Hilfe bietet auch die Kirche an. Der Pastoralraum Brugg will in diesen Tagen einen Hütedienst für Kinder organisieren. Katechetinnen kümmern sich mit einem vielseitigen Programm um die Kinder in den kirchlichen Räumen. «Damit sollen Familien in dieser herausfordernden Zeit entlastet werden», heisst es in einer Medienmitteilung. Die Jugendverbände Jungwacht und Blauring stellen unter der Hotline 056 462 56 54 einen Einkaufsdienst auf die Beine für Personen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger stehen zudem für ein persönliches Gespräch am Telefon zur Verfügung.

Auch die Gemeinde Effingen kümmert sich um die Personen aus der Risikogruppe. Wer nicht mehr selber einkaufen gehen kann und niemanden hat, der dies für einen erledigen kann, darf sich auf der Gemeindeverwaltung melden. Ebenso jene, die keine Betreuung für ihre Kinder haben. Melden können sich auf der Verwaltung unter der Nummer 062 876 11 09 auch jene, die Hilfe anbieten können.
Hinweis

Eine Übersicht über die Hilfsangebote gibt es auf der Website www.hilf-jetzt.ch.

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