Das Tötungsdelikt in Hausen erinnert an den Doppelmord in Pfäffikon vor rund sieben Jahren. Damals erschoss ein Kosovare seine Ehefrau und die Chefin des Sozialamts. Auch dieser Täter war der Polizei wegen häuslicher Gewalt bekannt. Er hatte seine Frau, zwei Monate bevor er sie tötete, mit einer Schere angegriffen und verletzt. Es gab also in Pfäffikon genauso wie in Hausen Anzeichen. Trotzdem konnte ein Tötungsdelikt in beiden Fällen nicht verhindert werden.

Riza Demaj aus Suhr, Präsident des albanischen Lehrer- und Elternvereins, äusserte sich damals in den Medien zur Tat seines Landsmannes. Mit dem Fall Hausen werden Erinnerungen wach.

Herr Demaj, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Tötungsdelikt in Hausen erfahren haben?

Riza Demaj: Es ist eine Tragödie, wenn die Mutter von drei Kindern getötet wird. Vor allem für die Kinder. Unterdessen ist ja auch bekannt, dass der Mann schon vorher gewalttätig war und seine Frau ihn angezeigt hat. Die Kinder haben das miterlebt. Das dürfte für sie zusätzlich traumatisch sein.

Finden Sie es typisch, dass der Tatverdächtige der Polizei bereits bekannt war?

Ich mache die Erfahrung, dass eine Anzeige die Situation leider oft nicht beruhigt. Im Gegenteil: Sie führt sogar zu einer weiteren Eskalation. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit war das in diesem Fall auch so. Der Mann fühlte sich durch die Anzeige hilf- und machtlos.

Sollen denn Frauen gewalttätige Männer nicht mehr anzeigen?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine Anzeige. Aber man muss einfach gut überlegen, ob nicht noch Spielraum da ist. Ob es nicht andere Möglichkeiten gäbe, eine Lösung zu finden, die zu Ruhe und Harmonie in der Familie führt.

Es gibt viele Frauen, die ihre Anzeige zurückziehen. Was sind die Gründe?

Ich habe das auch sehr oft erlebt. Es gibt viele Faktoren. Ich schliesse nicht aus, dass auch Drohungen von den Männern dazu führen können, dass eine Frau die Anzeige zurückzieht. Aber es kann auch sein, dass Kinder die Mutter anflehen, den Vater nicht anzuzeigen, weil sie nicht möchten, dass sich ihre Eltern scheiden lassen.

Ist häusliche Gewalt im Kosovo, er Heimat des Tatverdächtigen, genauso eine Straftat?

Offiziell und gesetzlich ist häusliche Gewalt eine Straftat. Aber es funktioniert nicht wie hier. Wenn innerhalb der Familie Gewalt ausgeübt wird, machen die Frauen im Kosovo oft nie eine Anzeige. Sie schweigen und dulden die Gewaltausbrüche.

Ist den Männern bewusst, dass in der Schweiz andere Regeln gelten und Konsequenzen drohen?

Nicht allen. Die mangelnde Integration ist ein grosses Problem. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch der mutmassliche Täter von Hausen sehr schlecht integriert war. Ich appelliere ständig an meine Landsleute, sich besser zu integrieren. Gesellschaftliche Normen nicht nur zu verstehen, sondern sie auch zu akzeptieren.

Welche besonders?

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Leider gibt es immer noch Landsleute von mir, die sich zu Hause patriarchalisch verhalten. Wenn man eine solche Haltung hat, führt das oft zu Streit oder wie in Hausen zur Tragödie.

Der Tatverdächtige ist 54 Jahre alt. Ist die Haltung gegenüber Frauen eine Frage des Alters?

Es ist sicher eine Generationenfrage. Ich stelle in meiner täglichen Arbeit fest, dass es bei der jungen Generation schon viel, viel besser ist und ich hoffe, dass es noch besser wird.

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