Pakistan - Aargau
Eine Reise in ein verwunschenes Land

Thomas von Niederhäusern (23) macht mit seiner Liebeserklärung an das Land Schlagzeilen in Pakistan - und auch im Aargau.

Katja Landolt
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Aus Liebe zu Pakistan
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 Thomas und Dagmar vor einem bemalten Lastwagen.
 Thomas von Niederhäusern (2. v.l.) und seine «Reisegruppe» in traditionellen Gewändern: Andri, Umer, Dagmar, Kjartan, Samy und Marcel (v.l.).Thomas von Niederhäusern.

Aus Liebe zu Pakistan

Taliban, Selbstmordattentäter, Bomben. Die Vorurteile gegenüber Pakistan sind gross, die meisten Schlagzeilen düster. Pakistan ist kein Land, in dem man Ferien macht. Selbst das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) rät wegen hoher Risiken von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen nach Pakistan ab.

Thomas von Niederhäusern aus Brugg hat all diese Warnungen in den Wind geschlagen und ist im Februar zusammen mit fünf Kollegen und einer Kollegin zwei Wochen lang durch Pakistan gereist. Eine Reise mit unglaublich schönen Erlebnissen. Aber auch eine Reise, die ihn
an den Rand der Verzweiflung gebracht hat - und in die Schlagzeilen der grössten englischsprachigen Zeitung Pakistans.

Zusage, ohne zu überlegen

Nach der Euphorie überfallen ihn Zweifel. Von Niederhäusern hat Umer Durrani, einem befreundeten Pakistani, zugesagt, ihn bei einer Reise
zur Hochzeit seiner Cousine zu begleiten. Ohne viel zu überlegen, ohne die Gefahren abzuschätzen, das Fernweh ist zu gross. Stapelweise sucht
er Infomaterial zusammen, setzt sich mit dem Islam auseinander, prägt sich die wichtigsten Verhaltensregeln ein: Die linke Hand nicht beim Essen benutzen, niemals eine fremde Frau berühren, in religiösen Gebäuden Schuhe ausziehen. Die Vorfreude fängt an zu gären.

Bei der Ankunft in Karachi, der grössten Stadt Pakistans, flippt Thomas von Niederhäusern aus. «Im positiven Sinn», sagt er. Der Anblick der Stadt, einer Stadt wie aus 1001 Nacht, habe ihn überwältigt. Und auch die Gastfreundschaft: «Wir wurden behandelt wie Könige, das ist unbeschreiblich.» Die Pakistani teilen alles mit ihren Gästen, selbst wenn kaum genug für sie selber da sei.

Von Karachi bis nach Islamabad

Von Karachi aus reist die Gruppe im Nachtzug nach Lahore. Dort feiert Umers Cousine Hochzeit, drei Tage lang. Umer hat ihnen bereits in der Schweiz einige Tanzschritte gezeigt, die sieben mischen sich unter die Gäste, fallen in den traditionellen Gewändern kaum auf.
Die Gruppe zieht weiter, Richtung Norden. Es ist bitterkalt, der Schnee zwingt sie zum Umkehren. Thomas von Niederhäusern kränkelt, kann sich nur noch von Bananen ernähren. «Da vermisst man plötzlich die Schweizer Standards. Ich wollte nur noch nach Hause», sagt er.

Die Gruppe beschliesst, Tagesausflüge zu machen. Sightseeing in der Hauptstadt Islamabad, Besuche in kleineren Städten, einer Salzmine und einer Festung. Umers Freunde führen die Gruppe an die schönsten Orte. Die Schweizer sind begeistert: «Wir haben eine völlig andere Sicht auf Land und Leute erhalten, als uns die Schlagzeilen im Westen vermitteln», sagt Thomas von Niederhäusern. Angst habe er nie gehabt. «Wir waren immer von Pakistanern begleitet, ich habe mich immer sicher gefühlt.» Taliban sehen sie keine; zu weit weg liegt die Grenze zu Afghanistan.

Liebeserklärung per Internet

Die Reise durch Pakistan hat Spuren hinterlassen, tiefe Spuren. «Wir wollen den Leuten die positive Seite Pakistans zeigen. Pakistan besteht nicht aus Taliban und Selbstmordattentätern», sagt von Niederhäusern.

Bereits während der Reise haben die sieben an einer musikalischen Liebeserklärung an Pakistan gedichtet. Aus dem Hit «I Will Survive» von Gloria Gaynor wurde «Pakistan - We Will Survive!» -, eine Lobeshymne auf Pakistan und seine gastfreundlichen Bewohner, über die Schwierigkeiten und Erlebnisse. Zurück in der Schweiz, haben sie das Lied aufgenommen und mit Schnappschüssen zu einem Video zusammengefügt.

Über 22000 Menschen haben sich das Video innert weniger Tage angeschaut. Vor einer Woche wurde sogar «The Express Tribune», die grösste englischsprachige pakistanische Zeitung, auf die Schweizer aufmerksam: Das Filmchen wurde als «Youtube-Video of the day» ausgewählt. Den Pakistani scheint das Video zu gefallen, die Kommentare sind voller Freude und Dankbarkeit: «I want thank you so much for making this wonderful video ...», schreibt einer. Und ein anderer: «As a Pakistani I must say thank you for making this video.»