Neben der Schweizer Fahne flattert neuerdings die rote Flagge mit schwarzem Adler, umrahmt von einer goldenen Bordüre. Der albanisch-kosovarische Verein Enis, der sein Lokal in der Brugger Altstadt hat, ist bereit für die Fussball-Europameisterschaft.

«Wir haben lange auf diesen Moment gewartet. Endlich können wir auch mal unsere Farben an einer Fussball-EM zeigen», freut sich Azir Selmani, einer der Gründer des Vereins. Das sei auch der Grund, warum die albanischen Fanartikel in der Schweiz ein Renner sind. «Für uns ist es schon eine Freude, dass Albanien überhaupt dabei ist.»

Das Resultat ist unwichtig

Dass die Albaner nun ausgerechnet bei ihrer EM-Premiere heute um 15 Uhr gegen die Schweiz spielen müssen, haben sich Azir Selmani, Menduh Gashi und seine Frau Mihrje – die Gründer des Vereins – nun wirklich nicht gewünscht. «Wir hoffen auf ein Unentschieden», sagt Azir Selmani. «Ich glaube aber, dass die Schweiz gewinnen wird», ergänzt Menduh Gashi, lacht und verwirft dann die Hände. «Ach, das Resultat ist doch nicht so bedeutend für uns. Eine Party gibt es so oder so, egal, wer gewinnt.» Eines ist Azir Selmani wichtig: «Ich hoffe, dass es ein faires, gutes Spiel gibt.»

Auseinandersetzungen zwischen Schweizer und albanischen Fans befürchten sie nicht. «Viele von uns haben Schweizer Freunde. Wir sind gut integriert, arbeiten schon lange hier», begründet Menduh Gashi. Und dass die Kinder manchmal ihre Albaner T-Shirts tragen, wenn sie zur Schule gehen, sei bisher auch kein Problem gewesen. Ein Knabe sagt: «Manchmal kann ich in der Schule die Geschichte Albaniens und des Kosovo erklären.»

Speziell dekoriert wird das Lokal an der Hauptstrasse 25 in Brugg nicht. Die zwei Fahnen müssen reichen. Die Albanien-Fahne kommt dann nach der EM übrigens wieder weg, die Schweizer Fahne bleibt. Im Lokal, das es seit
17 Jahren gibt, werden die Spiele geschaut, «vielleicht gibt es auch mal etwas Musik», sagt Menduh Gashi. Rund 30 Vereinsmitglieder werden die EM in der Brugger Altstadt verfolgen. Willkommen ist aber jeder. «Unser Lokal steht allen offen», sagen Gashi und Selmani.

Hoffen auf kosovarisches Team

Der Verein besteht hauptsächlich aus Kosovo-Albanern. Sie hoffen, dass die kosovarische Nationalmannschaft bald einmal an einem grossen Fussballturnier auflaufen wird. Dass der Kosovo dereinst ein Fussballteam stellen wird, davon haben die Vereinsmitglieder vor Jahren nicht einmal zu träumen gewagt. «Dass es diese Mannschaft nun geben soll, ist für uns, als würde ein Kind geboren», sagt Azir Selmani. Er macht eine Pause und ergänzt dann: «Das haben wir auch der Schweiz zu verdanken, die viel getan hat für den Kosovo. Dafür sind wir sehr dankbar.»

Trotz viel Herz für die albanische Mannschaft: Die Vereinsmitglieder räumen den Schweizern die grösseren Chancen ein. «Der Viertelfinal sollte drinliegen», meint Menduh Gashi. «Und für Albanien der Achtelfinal.» Und wer macht am Ende das Rennen? «Weder die Schweiz noch Albanien, am ehesten wohl Deutschland», tippt Menduh Gashi. Und Azir Selmani sagt: «Ich setze auf Frankreich.» Menduh Gashi lacht und wirft ein: «Hauptsache, einer unserer Nachbarn, dann können wir uns mitfreuen.»