Was ist ein echter Brugger? Neuerdings kann diese Frage Facebook klären. Es gibt etliche Meinungen: Du bist aus Brugg, wenn... «du bei Fräulein Finsterwald im Weihermattring in den Kindergarten gingst», findet jemand. Oder: «du noch weisst, wo dieses jenes Schulhaus stand», sagt ein anderer. Solche und ähnliche Aussagen widerspiegeln, wie sich momentan Dutzende Brugger mit ihrer Identität auseinandersetzen.

Das Prinzip der vor zwei Wochen gegründeten Facebook-Gruppe ist ungemein simpel: Jeder User kann den Satz «Du bisch vo Brugg, wenn...» nach seinem Gutdünken vervollständigen. So stellt sich in einigen Augenblicken heraus, wer ein echter Brugger ist und wer nicht.

Einige Facebook-Nutzer laden zusätzlich Bildmaterial hoch, um die Ortskenntnis der anderen zu testen. Wissen die anderen noch, wo dieses oder jenes Gebäude stand? Jemand hat ein Klassenfoto hochgeladen mit der Vervollständigung: «du bei Lehrer x die Primarschule besuchtest.»

«Hört auf, ich kriege richtiges Heimweh»

Man will herausfinden: Ist da noch jemand, der dieselben Erinnerungen teilt wie ich? Eine solche Seite zieht – jedenfalls virtuell – selbst Heimwehbrugger zurück in ihre Heimatstadt. So versucht sich eine junge weggezogene Userin gegen die aufkommende Nostalgie zu wehren: «Hört auf, ich kriege richtiges Heimweh.»

Nicht nur die ergänzten Satzteile erhalten eine Plattform. Jährlich wiederkehrende Veranstaltungen, Kindheitserinnerungen ruft man sich in dieser offenen Gruppe genauso kollektiv in Erinnerung wie stadtbekannte Plätze. Die Bruggerseite ist jedoch weder die erste, noch die einzige ihrer Art. Nach Daniel Itten, dem Administrator der Brugger Gruppe, kam die Idee aus einer Schweizer Grossstadt: «Nach meinen Recherchen war Bern die erste Stadt mit einer solchen Seite», sagt er.

Auch die Windischer haben die Möglichkeit, auf einer Facebook-Seite gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Nur leider hält sich der Andrang aktuell noch in Grenzen:

In Windisch will niemand so recht Erinnerungen teilen

Während einander bisher gut tausend Brugger auf Facebook gegenseitig auf ihren Stadtbezug testen, tun das auf der Windischer Seite nur etwa 250 Personen. Es will nicht so recht anlaufen, obwohl beide Plattformen so ziemlich zur selben Zeit aufgeschaltet worden waren. Die Windischer geben sich aber alle Mühe, noch mehr Menschen virtuell zu mobilisieren.

So tönt es aus einem Post: «Ladet doch eure Windischer Freunde ein, auf dieser Seite mitzumachen.» Die beiden Seiten sind von der Form der Inhalte beinahe identisch.

Auch die Windischer wollen herausfinden, was ein echter Windischer zu wissen oder zu kennen hat. Nur die Fotos sind auf der Windisch-Seite weniger. Was auf beiden Portalen aber auffällt:

Es wollen nur die älteren Semester der gemeinsamen Vergangenheit nachhängen – von der Jugend fehlt jede Spur.