Brugg
Eine Journalistin erklärt Beamtendeutsch – Ausländer sind ihr dankbar

Susanne Gebard ist eine Freiwillige des Schreibdienstes vom Schweizerischen Roten Kreuz. Sie übersetzt und erklärt an Montagabenden offizielle Dokumente für Menschen mit Sprachproblemen.

Barbara Schlunegger
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Die Journalistin weiss über die gängigen Amtsfloskeln Bescheid.

Die Journalistin weiss über die gängigen Amtsfloskeln Bescheid.

Barbara Schlunegger

Der Jargon der Behörden ist mit seinen hochformellen Wendungen für viele Schweizer eine Sprache für sich. Doch wenn schon Einheimische Mühe mit dem Bürokraten-Kauderwelsch haben, welche Probleme bereitet es dann erst Fremdsprachigen?

Sprachgewandte bieten Hilfe an

Der Schreibdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Aargau bietet dafür seit letztem September in Brugg praktische Hilfe an (siehe separater Text).

Was ist der Schreibdienst?

Der Schreibdienst in Brugg ist im kath. Kirchgemeindehaus untergebracht. Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr sind zwei Freiwillige bereit, gegen eine Gebühr von fünf Franken amtliche Dokumente zu erklären und Antworten darauf zu verfassen. Das Angebot richtet sich an die gesamte Bevölkerung. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. (az)Was ist der Schreibdienst?

Ohne Voranmeldung können Leute mit Dokumenten vorbeikommen, deren Inhalt sie nicht verstehen. Es erwarten sie jeweils zwei sprachgewandte Freiwillige, die für eine Gebühr von fünf Franken übersetzen, erklären und helfen, Antworten zu verfassen.

Eine von ihnen ist Susanne Gebard. Sie stiess durch ein Inserat des SRK im Pfarrblatt auf den Schreibdienst. Hauptberuflich Journalistin wollte sie ihr Wissen und Können an andere weitergeben. «Wenn jeder Mensch nur an einem Ort ein klein wenig hilft, kann Grosses entstehen», meint sie überzeugt.

Doch warum gibt eine berufstätige Frau regelmässig zwei Stunden eines Montagabends ab, ohne dafür entschädigt zu werden? Sie kenne die hohe Hürde, die in der Schweiz besteht, jemanden um Hilfe zu bitten, sagt Gebard. «Bei uns sind die Menschen keine Amtsnummern. Wir gehen auf sie ein und hören zu – nehmen die Leute ernst.»

Freiwillige aus allen Berufsfeldern

Es ist ein interessanter Mix an Menschen aus allen Schichten, die da jeden Montagabend aufeinandertreffen. Die Gruppe Ehrenamtlicher besteht unter anderem aus Juristen, Ärzten und Journalisten. Aber auch Pensionäre und Hausfrauen sind mit von der Partie.

Häufig wollten auch Senioren ihre Zeit sinnvoll investieren, so die ehrenamtliche Helferin. Die Klienten seien hauptsächlich Ausländer, die die manchmal komplizierten Formulierungen nicht verstehen würden. Aber auch Schweizer hätten den Dienst schon in Anspruch genommen, erzählt die Journalistin. Ob junger Familienvater oder Fünfzigjähriger, da gäbe es keine Tendenz bezüglich des Alters.

Antwort an persönliches Sprachniveau angepasst

«Meistens werden Formulare für die Arbeitslosenkasse oder Kündigungsbriefe mitgebracht.» Klient und Freiwilliger würden dann gemeinsam an einer Antwort feilen. «Es ist sehr wichtig, dass wir ein amtliches Schreiben nicht mit Fachausdrücken vollspicken. Es soll ja nicht durchscheinen, dass der Brief nicht vom Klient allein abgefasst wurde», betont Gebard.

Neben Brugg besteht der Schreibdienst auch in Baden. Nicht oder wenig genutzt wurde das Angebot in Rheinfelden. Dort musste der Dienst nach einem halben Jahr wieder eingestellt werden. «Die Nachfrage war nicht vorhanden», sagt Ursula Kühne, Teamleiterin der Regionalstelle Aarau des SRK.

In Baden hingegen wird der Schreibdienst rege genutzt: Im Jahr 2013 brachten 139 Personen ein schwer verständliches Dokument zum SRK.

Es kommt auf Stadt und Land an

Brugg verzeichnet bis jetzt weniger Frequenz. Das könne sich aber noch ändern, meint Kühne. Von September bis Dezember 2013 haben 13 Personen den Dienst in Anspruch genommen. Das sind pro Monat im Verhältnis dreimal weniger Leute als in Baden.

Dass der Schreibdienst an den verschiedenen Standorten so unterschiedlich besucht wird, erklärt sich die Teamleiterin des SRK folgendermassen: «Rheinfelden liegt in einer ländlicheren Gegend als Baden. Da sind die Leute noch besser vernetzt als in der Stadt.»