Auf der Wiese gleich vor dem Kloster Königsfelden liefern sich zwei Gestalten ein lautstarkes Streitgespräch. Es sind dies der griechische Arzt Galenos von Pergamon, dessen medizinische Lehre über ein Jahrtausend gültig angesehen wurde, und die kräuterkundige Benediktinerin Hildegard von Bingen, die sich in die Haare geraten sind. Rundherum sitzen Familien mit ihren Kindern und horchen gespannt den Argumenten der beiden historischen Figuren.

Auf dem Legionärspfad und beim Kloster Königsfelden hatten Interessierte die Möglichkeit, von der antiken Viersäftelehre bis zu mittelalterlicher Kräuterkunde so einiges über die Heilkunst zu erfahren.

Altgriechische Ernährungsberater

«Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an» – so beginnt der Eid des Hippokrates, der grossen Einfluss auf die Ethik der heutigen Medizin hatte. Nun sitzen Kinder an kleinen Tischen und schreiben den Text fein säuberlich – in Altgriechisch, versteht sich – auf Papyrus.

Aus der Nähe strömt einem der Duft nach frischem Brot entgegen, das gerade nach Dioskurides’ Diätetik im Lehmkuppelofen gebacken wird. Und wem das Brot in purer Form nicht schmecken sollte, der könnte es mit Dill verfeinern. Das Gewürz reinige den Bauch und könne ausserdem als Sitzbad für hysterische Frauen dienen, so Dioskurides. Auch an der Herstellung von Senf kann man sich versuchen. Das Rezept für den scharfen Aufstrich stammt ursprünglich aus dem antiken Griechenland und wurde dort in erster Linie als Heilmittel verwendet.

Honig auf die Wunde

Windisch ist der ideale Ort für einen solchen Anlass, so stand in Vindonissa vor bereits 2000 Jahren das erste Spital der Schweiz – erbaut von den Römern. Beim Gang durch die geschichtsträchtigen Gemäuer lernt der geneigte Zuhörer spannende Neuigkeiten aus der damaligen Medizin. So erklärt Casparius, der Militärsanitäter, dass eine frische Wunde mit Wein ausgewaschen werden soll.

Keineswegs jedoch wegen des im Getränk enthaltenen Alkohols, sondern aufgrund der antiseptisch wirkenden Phenole im vergärten Traubensaft. Bei den kurzen Führungen durch das Lazarett erfährt man, dass offene Armbrüche im alten Rom mit Butter, Rosenöl und Honig behandelt wurden und man für eine bessere Heilung auf scharfe Speisen hatte verzichten müssen.

Das Erleben von Geschichte

Immer wieder trifft man auf historische Persönlichkeiten, die auf dem Areal herumwandern und ihr Wissen an die Besucher weitergeben. Nebst Hildegard von Bingen und Galenos ist auch der berühmte persische Arzt Avicenna anwesend, der einst den Prinzen von Gorgan von seiner Liebeskrankheit befreit haben sollte. «Römerblut und Klosterkraut» von Museum Aargau ist ein interaktiver Anlass – das Erleben von Geschichte steht ganz im Zentrum.