Karin Rey steht in ihrem schwarz-gelben Pullover mit der Aufschrift «Cevianerin» erwartungsvoll da. Treffpunkt ist das Café auf dem Campusareal der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch. Dort, wo sie selbst einst studiert hat. Die 28-Jährige hat schon viel erlebt und ausprobiert. In ihrem Leben gibt es drei grundlegende Pfeiler, denen sie viel Zeit widmet: dem Jugendverband Cevi, ihrem Lehrerberuf und dem Poetry-Slam. So unterschiedlich diese Dinge auch sein mögen; für Rey ergänzen sich diese und erfüllen ihr Leben.

Der Cevi – eine christlich, internationale Kinder-, Jugend- und Erwachsenenorganisation – ist seit über 20 Jahren Reys Leidenschaft. Der Verein ist vergleichbar mit der Pfadi oder der Jungwacht Blauring. «1998 wurde ich von einer Kollegin gefragt, ob ich auch einmal kommen möchte. Da war ich acht Jahre alt. Seither bin ich dabei. Es hat mich einfach sofort gepackt», sagt Rey. Die Begeisterung ist ihr anzumerken. Seit Anfang April kann sie ihren Enthusiasmus noch stärker einfliessen lassen: Karin Rey ist neu Projektstellenleiterin des Projekts «Crescendo» des Cevi-Verbands Aargau-Solothurn-Luzern-Zug.   

Von Haargümmeli, Levi's-Shirts und natürlich dem Cevi – Slampoetin Karin Rey gibt eine Kostprobe.

Von Haargümmeli, Levi's-Shirts und natürlich dem Cevi – Slampoetin Karin Rey gibt eine Kostprobe.

Der Cevi soll wieder wachsen

Vor einem Jahr hat die Delegiertenversammlung des Verbands einen Betrag von 50 000 Franken für das Projekt «Crescendo» bewilligt. Dieses soll das regionale Wachstum des Cevi stärken. Crescendo steht in der Musik für «lauter werden». Diesen Effekt möchte auch Rey als Projektstellenleiterin erreichen und den Cevi nach aussen tragen. Sie sieht dabei zwei verschiedene Vorgehensweisen. «Zum einen sollen die bestehenden Abteilungen gestärkt werden. Zum anderen werden wir konkret auf Kirchgemeinden zugehen, um neue Abteilungen zu schaffen.»

Um die drittgrösste Jugendorganisation weiter wachsen zu lassen, will Rey die Leitungsteams nachhaltig unterstützen und bei den regionalen Abteilungen vorbeigehen, um zu schauen, was auch materiell von Nöten ist. «Ausserdem ist es wichtig, den Menschen zu zeigen, für was der Cevi steht», sagt Rey und fügt an: «Wir bieten einen guten Mix und freie Gestaltung, bei der die Kinder auch mal Fehler machen dürfen. Hier können alle ihre Stärken finden und einbringen. Jeder ist bei uns willkommen und es entstehen Freundschaften, die ein Leben lang halten.»

In den Cevi kämen trotz digitalem Zeitalter immer noch viele, so Rey. Die Organisation macht daher auch auf sozialen Kanälen auf sich aufmerksam. Anders als ein Sportverein sei der Cevi kein leistungsorientiertes Angebot. Bei ihnen sei etwas anderes ganz zentral: das Geben und Nehmen. Sie sei selbst als kleines Mädchen dem Cevi beigetreten und habe viel gelernt und erlebt. «Als Jugendliche bin ich dann Leiterin geworden und habe den Kindern das Gleiche zurückgegeben, das mir ermöglicht wurde. Umso schöner ist es für mich jetzt, den Cevi als Projektstellenleiterin zu unterstützen.»

Leidenschaft führte zum Beruf

Die Stelle als Projektstellenleiterin beschäftigt sie zu 30 Prozent. «Dafür Arbeitszeiten einsetzen zu können und entlöhnt zu werden, ist natürlich ein Traum für mich.» Im Cevi Windisch hat sie die Fröschli-Gruppe eingeführt. Diese ermöglicht Kindergartenkindern, ebenfalls bereits dem Verein beizutreten. Manchmal hilft Rey in Windisch noch aus: «Mein Herz brennt immer noch für den Cevi.»

Die 28-Jährige arbeitet hauptberuflich als Oberstufenlehrerin in Schöftland. Dort unterrichtet sie Biologie und Chemie. An der Fachhochschule hat sie Naturwissenschaften, Geografie und Französisch studiert. Die Arbeit als Lehrerin wählte sie alles andere als zufällig: «Durch den Cevi lernte ich, Verantwortung zu übernehmen und vor Leute zu stehen. Als ich sah, wie sich die Kinder in meiner Cevi-Gruppe entwickelten, vor allem in der spannenden Zeit der Pubertät, wusste ich, dass ich Oberstufenlehrerin werden möchte.» Mit ihrem Beruf als Lehrerin und der Tätigkeit als Projektstellenleiterin des regionalen Cevi-Verbands kann sie zwei Herzensangelegenheiten beruflich ausüben. Daneben gibt es noch einen dritten wichtigen Bestandteil ihres Lebens: den Poetry-Slam.

Die Inspiration für ihre Poetry-Texte nimmt Rey aus dem Alltag. «Ich habe immer Ideen im Kopf.» Auch ihr Hobby entdeckte sie im Cevi für sich. An den Unterhaltungsabenden hat sie jeweils verschiedene Sketches geschrieben. Als sie merkte, dass sie mit geschriebenen Texten Leute zum Lachen bringen kann, begann sie mit Poetry-Slam. 2017 nahm sie im Nordportal Baden zum ersten Mal an einem Contest teil. Auf der Bühne stehen und humorvolle Texte vortragen: Das ist heute ein grosser Teil ihres Lebens. Deshalb hat sie in Goms VS, wo sie zwei Jahre lang Schule gab, einen Poetry-Slam-Abend veranstaltet, bei dem rund 200 Zuschauer kamen. «Ich lud Poetry-Slam-Grössen aus der ganzen Schweiz ein. Der Abend verlief so gut, dass ich ihn im Februar 2020 wieder veranstalten werde. Die Halle ist bereits gemietet», sagt Rey stolz.

Slam-Poetry ist Abwechslung

Mittlerweile hat sie bereits an neun Poetry-Slams teilgenommen. Einer blieb Rey besonders in Erinnerung. «Es war in Luzern. Nervosität breitete sich in mir aus, denn ich kannte niemanden.» Sie bereitete einen Slam zur Altpapiersammlung vor, wie das in den Jugendvereinen üblich ist. «Bevor mein eigentlicher Slam startete, fragte ich: ‹Wer hat schon einmal Altpapier gesammelt?› Keiner reagierte. Ich hatte nur diesen einen Text dabei und keiner reagierte. ‹Sammeln die Luzerner denn kein Altpapier?›, fragte ich mich. Am Schluss zog ich es aber durch und es kam alles gut.» Heute kann sie darüber lachen.

Slam-Poetry erfülle sie und sei eine gute Abwechslung. Wenn sie Ideen hat, schreibe sie diese jeweils auf. Aus den Ideen entwickle sich langsam ein Slam, der meist um die fünf Minuten dauert. «Es braucht Mut, auf die Bühne zu gehen und die Reaktion des Publikums abzuwarten. Es ist aber eine super Schreibübung und bietet eine grossartige Plattform, meine Ideen und Meinungen auf eine lustige Art und Weise zu präsentieren.»

Ob Cevi, Schule oder Bühne: Bei allem fühlt sich Rey wohl. Sie werde auch in Zukunft mit Herzblut den Cevi unterstützen, Kindern etwas lernen und Menschen zum Lachen bringen. «Es ist ein Geben und ein Nehmen – im Cevi, aber auch im Leben überhaupt.»