Königsfelden
Eine Badenerin kreiert Riesenturm für Klosterkirche Königsfelden

«Tanz & Kunst Königsfelden» wird ab 2013 zu einer Plattform für den Tanz. «babel.torre viva» heisst die erste Produktion. Die künstlerische Leiterin Brigitta Luisa Merki spannt erstmals mit der Künstlerin Ruth Maria Obrist zusammen.

Elisabeth Feller
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Brigitta Luisa Merki und Pitt Hartmeier, Technischer Leiter, diskutieren über die Möglichkeiten der Klosterkirche Königsfelden.

Brigitta Luisa Merki und Pitt Hartmeier, Technischer Leiter, diskutieren über die Möglichkeiten der Klosterkirche Königsfelden.

Der Tänzer und Choreograf Jean Deroc hatte in den Siebzigern den Grundstein für Tanz in der Klosterkirche Königsfelden gelegt. 2007 wurde «Tanz & Kunst Königsfelden» gegründet – mit Brigitta Luisa Merki, die mit ihrer Badener Truppe Flamencos en route 2007, 2009 und 2011 die Klosterkirche mit Aufführungen belebte, die mehrere Kunstsparten vereinte. Aus dem Pilotprojekt wird ab 2013 eine feste, vom Kanton Aargau unterstützte Institution, die das Gütesiegel «Leuchtturm» trägt.

Mit der von ihr verantworteten Pilot-Trilogie hatte Merki Erfahrungen gesammelt, die nun in ihre künftige Arbeit als künstlerische Leiterin von «Tanz & Kunst Königsfelden» einfliessen werden. Ab 2013 wird im Zweijahres-Rhythmus eine grosse Produktion zu sehen sein, die allen Tanzsparten offenstehen soll. Im Zwischenjahr – erstmals 2014 – steht dann ein pädagogisches Projekt auf dem Programm.

Das erste, vom Swisslos-Fonds mit 280000 Franken unterstützte Werk «babel.torre viva» wird Brigitta Luisa Merki zusammen mit einem französischen Tänzer und Choreografen sowie mit der bildenden Künstlerin Ruth Maria Obrist erarbeiten. Damit setzt Merki fort, was sie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gepflegt hat: Das Einbeziehen zeitgenössischer Künstler wie etwa Gillian White und Beat Zoderer. Die Badenerin Ruth Maria Obrist wird mit ihrem, beim Portal platzierten Torre (Turm) im Kirchenschiff wohl automatisch Erinnerungen wecken: Die Künstlerin hat für das Gemeinschaftsgrab in Windisch das 12 Meter hohe Grabzeichen «Efeu» geschaffen. Obrists Windischer Stele verbindet Erde und Himmel – «und der Königsfelder Turm wird genau dasselbe tun», betont Merki. Der riesige, die Stele möglicherweise noch übertreffende Torre ist laut Merki «eine Kathedrale in der Kathedrale». Er steht als Symbol für eine vielschichtige Produktion, die gleichsam die Frage stellt: Wie können Künstler unterschiedlichster Kunstsparten miteinander kommunizieren? Was teilen sie miteinander?

Rhythmus ist in diesem Zusammenhang ein Stichwort, das im Gespräch mit Brigitta Luisa Merki fällt. Auch der Turm berge Rhythmen, sagt sie. Merki ist glücklich, dass die imposante, geschichtsträchtige Klosterkirche Königsfelden zu einer Plattform für den Tanz mit regionaler, nationaler und internationaler Ausstrahlung wird. Dem tragen die Ausführenden Rechnung. Die zehn Tänzerinnen und Tänzer sowie die Musiker stammen aus verschiedenen Nationen. Den regionalen, vielmehr schweizerischen Aspekt betonen die 50-köpfige Schola Cantorum Wettingensis unter Roland Fitzlaff sowie Vocappella. Brigitta Luisa Merki lächelt: «Ja, das Ganze ist ein logistisches Grossunternehmen.» Einzelheiten zum inhaltlichen wie situativen Platz des Chores, will die künstlerische Leiterin noch nicht verraten. Nur soviel: «Es geht um den Klang und um Stimmliches.» Dass als Fussnote dann Samuel Barbers «Agnus Dei» fällt, lässt aufhorchen: Wird noch andere Musik dieses amerikanischen Komponisten gespielt? Man wird es an der Premiere im Mai 2013 hören können.

Die Zeit bis dahin erscheint lange, doch das, so Merki, täusche. Die Vorproben zu «babel.torre viva» haben bereits begonnen. Die grosse Mehrsparten-Produktion 2013 ist das Eine; das pädagogische Projekt 2014 das Andere. Schon jetzt, Ende dieses Jahres, sind Kontakte zu einer Schule in Neuenhof geknüpft, um das Projekt auf die Schiene zu bringen.

Tanz & Kunst Königsfelde

Tanz & Kunst Königsfelden hat in jüngerer Zeit mit der Tanzcompagnie Flamencos en route unter Brigitta Luisa Merki für Furore gesorgt in der Klosterkirche. Künftig wird der Verein «Tanz & Kunst Königsfelden» mit Merki als künstlerischer Leiterin in Zusammenarbeit mit dem Museum Aargau für den Tanz in der Klosterkirche zuständig sein. Im Zweijahresrhythmus ist eine grosse Tanzproduktion geplant. 2013 steht «babel.torre viva» auf dem Programm: Vom 17. Mai bis 16. Juni. (AZ)

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