Für einen Senior aus Brugg ist der Fall klar: Das Angebot im Medizinischen Zentrum Brugg sei zwar gut, stellt er fest. Trotzdem aber verfüge der Bezirk seit der seinerzeitigen Aufhebung des Bezirksspitals heute über eine mangelhafte medizinische Dienstleistung.

Wie kommt er darauf? Ein älterer Kollege aus Oberflachs habe ihm eine Begebenheit an einem Abend Anfang Jahr geschildert, erzählt der Mann. Bei der Ehefrau seines Kollegen brach der Blutdruck zusammen.

Auf der Toilette verlor die Frau das Bewusstsein, der Ehemann forderte beim Kantonsspital Baden eine Ambulanz an. Er wurde daraufhin gebeten, sich bei der Sanitätsnotrufzentrale unter der Nummer 144 zu melden.

Dort wurde dem Mann mitgeteilt, dass im Moment keine Ambulanz zur Verfügung stehe. Man werde sobald als möglich zurückrufen, die Wartezeit könne aber bis 30 Minuten betragen.

Er fuhr selber ins Spital

Sein Kollege, fährt der Brugger fort, habe seine Frau dann voller Verzweiflung mit dem eigenen Auto zur Notaufnahme des Kantonsspitals Baden gebracht. Die Notfallstation habe sich der Frau sofort angenommen und sie medizinisch versorgt. Ohne Hilfe wäre die Frau gemäss dem Notfallarzt unter Umständen gestorben.

«Es ist immer ein grosses Schicksal, wenn man seine Partnerin oder einen lieben Mitmenschen verliert», hält der Brugger Senior fest und betont: «Die politischen Behörden sind gefordert, dafür zu sorgen, dass auch der Bezirk Brugg auf eine bessere medizinische Versorgung zählen kann.»

Alle standen im Einsatz

Betrieben wird die Sanitätsnotrufzentrale «SNZ 144» im Auftrag des Kantons vom Kantonsspital Aarau. Gemäss Andrea Rüegg, Mediensprecherin im Kantonsspital Aarau, ging der Alarm beim Notfall in Oberflachs um 19.59 Uhr bei der Sanitätsnotrufzentrale ein. «Zu diesem Zeitpunkt waren alle Ambulanzteams im Einsatz», bestätigt Andrea Rüegg.

Um 20.03 Uhr konnte ein Team umgeleitet werden, erläutert die Mediensprecherin den weiteren Ablauf. «Um 20.06 Uhr hat die Disponentin dies den Betroffenen mitgeteilt und informiert, dass die Ambulanz voraussichtlich in 15 Minuten eintreffen würde, woraufhin der Auftrag abbestellt wurde, da man den Transport lieber privat organisieren wolle.»

Bei Notfällen im Bezirk Brugg wird das Ambulanzteam jeweils vom Rettungsdienst Baden/Brugg aufgeboten, führt Andrea Rüegg aus. Der Standort befindet sich beim Medizinischen Zentrum Brugg, also beim früheren Bezirksspital.

Im Kanton werde in erster Priorität der zuständige Rettungsdienst – wenn dieser einsatzbereit im Gebiet ist – aufgeboten und in zweiter Priorität eine vom kantonalen Departement Gesundheit und Soziales «definierte Rückfallebene», erklärt Andrea Rüegg weiter.

Werktags seien tagsüber bis zu 25 Ambulanzteams im Einsatz, nachts rund 11 Teams. «Der Kanton gibt vor, dass in 80 Prozent aller Notfälle mit vitaler Bedrohung ein Einsatzteam in 15 Minuten beim Patienten sein soll.»

Beim Zwischenfall in Oberflachs haben laut Andrea Rüegg der Anrufer sowie die Sanitätsnotrufzentrale richtig gehandelt. Bei einem medizinischen Notfall gelte es, lauten ihre Tipps, die Ruhe zu bewahren, die Situation zu überblicken, die Gefahren ausschliessen sowie die Nummer 144 mit Festnetzanschluss oder Notrufsäule zu wählen und die Fragen des Disponenten zu beantworten.

Dieser erkundige sich nach den Daten wie Namen des Melders, Einsatzort und Sachverhalt, lege die Dringlichkeit fest, alarmiere die Einsatzteams und gebe bei Bedarf Anleitung für Erste-Hilfe-Massnahmen vor Ort.