Nimmt man beim Altersheimverein Eigenamt die Dauer der ordentlichen Generalversammlung als Gradmesser für den Zustand des Pflegeheims in Lupfig, so stellt man fest: Dem Haus Eigenamt geht es bedeutend besser als vor drei Jahren. Hoch gingen die Wogen im April 2015 während der rund vier Stunden dauernden GV, an der die 195 anwesenden Mitglieder aufgrund der Turbulenzen im Zusammenhang mit überraschenden Freistellungen einen neuen Vorstand wählten.

Ganz anders präsentierte sich die Situation letzte Woche in der Mehrzweckhalle Lupfig. Von den 264 Mitgliedern (ein Jahr zuvor waren es noch 304) des Altersheimvereins Eigenamt waren nur noch 32 anwesend. Nach 40 Minuten schloss Präsidentin Ursi Berger die Versammlung, bei der vereinzelte Fragen auftauchten und souverän beantwortet wurden, und leitete zum Informationsteil über die geplante Rechtsformänderung über. Mehr dazu später.

Leitungsfunktionen sind besetzt

Im Jahresbericht 2017 schreibt Ursi Berger: «Bei verschiedenen Besuchen und Gesprächen konnte ich feststellen, dass die Belegschaft klar hinter der Geschäftsleitung steht. Die Stimmung in der Belegschaft ist gut. Die Zusammenarbeit ist professionell und funktioniert bestens. Man hat ein gemeinsames Ziel und schätzt die Kontinuität.» Geschäftsführer Hanspeter Müller erwähnt in seinem Jahresbericht, das Haus Eigenamt sei in der «Normalität» eines Pflegeheims angekommen. «Die Engpässe vor allem in den Leitungsfunkionen in der Pflege konnten bis Ende 2017 behoben werden. Die Betreuung konnte individueller gestaltet werden und in der Aktivierung ging es einen grossen Schritt vorwärts mit vielen schönen Ausflügen und Unterhaltungen.»

In der Erfolgsrechnung 2017 resultierte ein Plus von Fr. 81 214.05. Somit ist der Gewinn fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Damals betrug er Fr. 42 454.50. In diesem Stil soll es laut dem Geschäftsführer weitergehen. Der im Budget 2018 vorgesehene Gewinn von 121 000 Franken sei realistisch, betonte Hanspeter Müller. Bei den Abstimmungen waren sich alle einig.

Aus dem Vereinsvorstand verabschiedet wurden Gemeindeammann Richard Plüss aus Lupfig und der frühere Gemeindeammann von Birr, Markus Büttikofer. Da sich die beiden Trägergemeinden Scherz und Lupfig am 1. Januar zur neuen Gemeinde Lupfig zusammenschlossen, ging ein Vorstandssitz verloren. Lupfig ist künftig mit dem bisherigen Vorstandsmitglied und Vizeammann Roland Bodenmann aus dem Ortsteil Scherz vertreten. Als Nachfolger von Büttikofer und als neuer Vertreter der Trägergemeinde Birr wurde Vizeammann Daniel Zimmermann gewählt.

Aus Verein wird ein Gönnerverein

Auf Antrag der Gemeinde Scherz wurde der Vereinsvorstand vor drei Jahren von der GV beauftragt, die Rechtsform des Altersheims überprüfen zu lassen, um die Aufsicht zu professionalisieren. Für die Abklärungen zog der Vorstand Notar Philip Funk von Voser Rechtsanwälte in Baden bei. In einer Auslegeordnung wurden neben einer Aktiengesellschaft auch eine Stiftung oder eine Genossenschaft angeschaut. Funk war persönlich in Lupfig anwesend, um über das Resultat zu informieren.

Vorausgesetzt die Gemeinderäte der drei verbleibenden Trägergemeinden Birr, Birrhard und Lupfig geben im April grünes Licht, so soll Ende Jahr eine Aktiengesellschaft gegründet werden, die ab Januar 2019 operativ tätig sein wird. Aus dem Betriebsverein würde ein Gönnerverein mit einem Startkapital von 20 000 Franken. Zusätzlich wären verbindliche Entscheide der Vereinsmitglieder und im November an den Gemeindeversammlungen in allen drei Kommunen nötig. Deshalb wird voraussichtlich für Mai oder Juni zu einer ausserordentlichen GV eingeladen.

«Es wird einen Leistungsvertrag zwischen den Trägergemeinden und der neuen AG brauchen», sagte Funk. Nötig ist dieser Vertrag auch, damit der öffentliche Zweck verfolgt und die AG steuerbefreit werden kann. Der Gönnerverein soll ebenfalls keine Steuern zahlen. Die Grösse des Verwaltungsrats wäre in den Statuten mit drei bis sieben Mitgliedern offen definiert. In einer ersten Zusammensetzung sind fünf Mitglieder vorgesehen, je eines pro Trägergemeinde und zwei Externe mit entsprechender Fach- und Sozialkompetenz. Private könnten keine Aktien erwerben.