Birr

Eine Ära geht zu Ende: Restaurant «Carina» schliesst nach 45 Jahren

Das Wirtepaar Karl und Michèle Schollenberger machte sich mit den selbst gemachten Glaces einen Namen.

Das Wirtepaar Karl und Michèle Schollenberger machte sich mit den selbst gemachten Glaces einen Namen.

Das beliebte Lokal wird im September – nach dem Umbau – als Restaurant Exklusiv wieder eröffnet. Die neuen Besitzer setzen auf Spezialitäten vom Holzofen und Kohlegrill. An den hausgemachten Glaces wollen sie festhalten und das Sortiment vergrössern.

Im Café und Restaurant Carina in Birr scheint die Zeit in den 1970er-Jahren stehen geblieben zu sein: grüner Teppich, grüne Vorhänge, dunkles Mobiliar und bunte Lampen. Das Lokal an der Nidermattstrasse mit der grossen, gedeckten Gartenterrasse hat viele Stammgäste. Besonders beliebt sind die Coupes mit den von Wirt Karl Schollenberger hausgemachten Glaces. Aber auch die Seniorenmenüs, die an Werktagen zwischen 14 und 18 Uhr zum Spezialpreis von Fr. 9.90 serviert werden, kommen gut an.

Am Sonntag geht die «Carina»-Ära zu Ende. Das Wirtepaar Karl und Michèle Schollenberger hat die Liegenschaft altershalber verkauft. Während dreier Jahren suchten sie einen neuen Besitzer und Nachfolger. «Wir wollten einen Schlussstrich ziehen, deshalb kam ein Pächter nicht infrage, obwohl sich dafür viele interessiert hätten», sagt der 74-Jährige. Ab Montag ist nun Sadik Maksuti mit seinen beiden Brüdern neuer Eigentümer. Sie werden künftig auch die Wohnungen über dem Restaurant mit ihren Familien bewohnen. Karl Schollenberger hat seine Wohnung im Obergeschoss diese Woche zusammen mit seiner 79-jährigen Ehefrau verlassen und ist nach Lupfig gezogen.

Aus dem Gespräch mit dem neuen Besitzer: Sadik Maksuti sagt, was in seinem Lokal exklusiv werden soll.

Aus dem Gespräch mit dem neuen Besitzer: Sadik Maksuti sagt, was in seinem Lokal exklusiv werden soll.

Küchenchef kann bleiben

Das «Carina» wird den Sommer durch umfassend saniert und voraussichtlich Anfang September unter dem Namen Restaurant Exklusiv wieder eröffnet. Neu werden ein Holzofen und Kohlegrill das gastronomische Angebot prägen. «Wir werden einerseits Flammkuchen und Pizzen im Angebot haben und andererseits auch grilliertes Fleisch», sagt Maksuti. An den hausgemachten Glaces wird festgehalten, das Sortiment noch etwas vergrössert. Der Name «Exklusiv» beziehe sich vor allem auf die Gerichte mit den Spezialitäten aus dem Holzofen und vom Grill.

Exklusiver dürfte sich nach dem Umbau auch die beliebte Gartenterrasse präsentieren. Neben den Esstischen sind mehrere Lounges für gemütliche Gesprächsrunden vorgesehen. Die Gebrüder Maksuti haben bereits Erfahrung in der Gastronomie. Weil sie wissen, wie wichtig die Zufriedenheit der Gäste ist, werden sie den Küchenchef vom «Carina»-Team übernehmen.

Karl Schollenberger freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. «Ich zähle die Tage», sagt er. Als er und seine Frau das Café Carina im Januar 1971 als Pächter eröffneten, hätten sie nie gedacht, dass sie so lange in der Gastronomie tätig sein werden. Fasziniert berichtet der Wirt von den Zeiten, als bis zu 600 Coupes an einem schönen Sonntag serviert wurden. Damit die Nachfrage nach Coupes im Winter nicht völlig einbrach, organisierten die Schollenbergers regelmässig Preisaktionen – früher sogar verbunden mit der Verlosung von
30 Goldvreneli. «Das ist heute unvorstellbar», sagt Karl Schollenberger und lächelt.

Erste Nachfolge klappte nicht

1980 konnte das Wirtepaar die Liegenschaft kaufen. Zur gleichen Zeit wurde ihm auch das Alkoholpatent erteilt. Zwanzig Jahre später übernahmen Tochter und Schwiegersohn das «Carina», Schollenberger arbeiteten die ersten fünf Jahre noch mit. Doch ein Betrieb mit grossem Parkplatz, 170 Sitzplätzen im Restaurant und Säli sowie weiteren 70 Plätzen auf der Terrasse muss gut organisiert sein und ist nicht einfach zu führen. Als die jüngere Generation in Schwierigkeiten steckte, übernahmen Michèle und Karl Schollenberger im Oktober 2013 – trotz Pensionsalter – das Ruder im «Carina» wieder.

Schollenbergers sind nun guten Mutes, dass die neue Nachfolgeregelung erfolgreich ist. «Wir sind müde und haben keine Energie mehr», sagt der Wirt, der in Zukunft als Gast im «Exklusiv» anzutreffen sein wird. Angst, in ein Loch zu fallen, haben die gebürtigen Deutschen nicht. Im neuen Lebensabschnitt bleibt wieder mehr Zeit zum Jassen und für Ferien im Schwarzwald, wo man auch gut essen kann.

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