Am 14. April setzt sich Vinko (Name geändert) im Fahrenden-Camp in Mulhouse im Elsass ans Steuer eines Kleinwagens und fährt mit einem Beifahrer Richtung Schweiz. Über einen Fahrausweis verfügt er nicht. Ebenso wenig besteht für das Auto ein Haftpflicht-Versicherungsschutz. Auf der Autobahn bei Basel reist er in die Schweiz ein. Dass gegen ihn ein Einreiseverbot besteht, stört ihn nicht. Und natürlich klebt am Auto auch keine Vignette.

Über die Autobahn gelangt das Duo schliesslich nach Birr. Bei einem Zweifamilienhaus an der Unterdorfstrasse würgt Vinko im Erdgeschoss mit einem Schraubenzieher das Fenster zum Wohnzimmer auf. Zusammen mit seinem Begleiter durchstöbert er die Wohnung. Abgesehen haben es die Beiden auf Bargeld und Wertsachen. Sie finden aber nichts. Ohne Beute machen sie sich davon. Auf der Autobahn A3 Richtung Basel werden sie in Mumpf von der Polizei angehalten. Seither befindet sich Vinko in Haft.

Abgekürztes Verfahren

Wenige Wochen nach seiner Festnahme gibt er seine Zustimmung zur Durchführung des sogenannten abgekürzten Verfahrens gemäss Artikel 358 ff. der Strafprozessordnung. Das heisst, dass er die ihm von der Staatsanwaltschaft im Erledigungsvorschlag vorgehaltenen Sachverhalte sowie die Anklage und das Strafmass unwiderruflich akzeptiert und mit der Zustimmung auch den Verzicht auf Rechtsmittel erklärt.

Durch dieses abgekürzte Verfahren, das seit der Revision der Strafprozessordnung möglich ist und das stark vereinfacht einer Art Vergleich entspricht, ergeben sich für das Justizwesen vereinfachte Abläufe und damit für den Staat letztlich finanzielle Einsparungen.

Neun Monate unbedingt

Für die Einbruchstour des Vinko in den Aargau beantragt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, rechtswidriger Einreise und rechtswidrigem Aufenthalt, Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, Fahrens ohne Haftpflichtversicherung und selbstverständlich Übertretung des Nationalstrassenabgabegesetzes eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten sowie eine Busse von 200 Franken.

«Nichts mehr zu sagen»

Vor kurzem hat Vinko, Bürger eines südosteuropäischen EU-Staates und Angehöriger einer mobilen Ethnie, vor Bezirksgericht Brugg gestanden. Zum Sachverhalt, der ihm von Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth vorgelesen wurde, liess der Mittdreissiger mit dem gepflegten Kinnbart, durch den Dolmetscher ausrichten: «Das war so.» Auch mit dem Strafmass zeigte er sich einverstanden. Auf ein letztes Wort verzichtete er. «Ich habe nichts mehr zu sagen», erklärte er via Dolmetscher.

Als Einzelrichterin genehmigte Gerichtspräsidentin Roth den Erledigungsvorschlag, der dadurch zum Urteil erhoben wurde. In der kurzen Begründung erklärte sie: «Nach Ansicht des Gerichts ist in diesem Fall das abgekürzte Verfahren angebracht und die Sanktion angemessen.» Vinko wird jetzt einen Teil seiner Freiheitsstrafe in der Schweiz verbüssen und dann ausgeschafft.