Seit 2005 unterstützt der ehemalige Geschäftsführer der Jost AG in Brugg, Andreas Bürgi, den Verein. «Im Jahr 2005 war ich noch Präsident des BWZ Brugg, das heute die Modelle für die praktische Ausbildung von Elektroinstallateuren zur Verfügung stellt», sagt Bürgi.

In Myanmar dauert die Ausbildung zum Elektriker drei Jahre. Der Beruf im Elektro-Installationsgewerbe sei aufgrund der vielen Unwetter und Überschwemmungen in dem Land sehr gefährlich. Stolz stellt er zwei myanmarische Berufsschullehrer aus Yangon vor, die gerade eine universelle Gebäudeverkabelung an einem Modell üben.

Hilfe bekommen sie dabei von Andreas Rohner, dem «IT-Gott», wie sie ihn alle nennen. Htat Aung Lin und Kandae Oo unterrichten Fächer für die Ausbildung als Elektriker und sind nun für insgesamt 14 Tage in der Schweiz.

Kulturaustausch erweitert Horizont

«Wir möchten ihnen im Rahmen des jährlichen Austauschprogramms Einblick in unser duales Bildungssystem – die Kombination aus Berufsschule und praktischer Ausbildung in einem Betrieb – geben und ihnen einige Arbeiten veranschaulichen», erklärt er.

Htat Aung und Kandae, die zum ersten Mal in der Schweiz sind, wohnen während ihres Aufenthalts im Hotel Rotes Haus in Brugg. «Sie sind sehr zufrieden mit der Unterkunft», übersetzt Adrian Bürgi, Sohn von Andreas Bürgi und Geschäftsleiter der Jost AG.

Zwei Berufsschullehrer aus Myanmar sind zu Besuch in der Schweiz und tauschen sich mit dem BWZ und der Jost Elektro AG aus.

Zwei Berufsschullehrer aus Myanmar sind zu Besuch in der Schweiz und tauschen sich mit dem BWZ und der Jost Elektro AG aus.

Gemeinsam mit der IBB unterstützt die Firma den Besuch der beiden Berufsschullehrer finanziell. «Flug, Unterkunft und Freizeitaktivitäten spendieren wir», sagt Adrian Bürgi, der Htat Aung und Kandae bereits in den nächsten Raum, die Lehrlingswerkstatt, führt. In dem Container befindet sich der Versuchsaufbau einer Lichtinstallation.

Mit je einem Werkzeuggürtel bewaffnet, beginnen die Berufsschullehrer gleich mit der Arbeit. Unterstützt werden sie von Kurt Wernli, der bei der Firma Jost AG für die aktuell rund 42 Auszubildenden verantwortlich ist.

Htat Aung und Kandae studieren den aufgehängten Plan. «Normalerweise können unsere Lehrlinge das bereits am ersten Tag. In Myanmar arbeitet man jedoch mit anderen Werkzeugen und Techniken, deshalb fragen sie mich auch manchmal, wie das geht oder was sie jetzt tun sollen», sagt Wernli, der selbst eine Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Elektroinstallateur gemacht hat. «Htat Aung und Kandae sind jedoch sehr geschickt. Vor allem Kandae sieht man sofort an, dass er bereits grosse praktische Erfahrung hat», ergänzt er.

Als Htat Aung und Kandae mit der Lichtinstallation fertig sind, wird sofort getestet, ob sie auch funktioniert. Beide erhalten grossen Applaus und Lob, als die Lampen zu brennen beginnen. «Wir sind sehr zufrieden mit den beiden Berufsschullehrern. Sie sind sehr motiviert und wissbegierig», sagt Adrian Bürgi.

Auch sein Vater, Andreas Bürgi, ist begeistert: «Der Kulturaustausch erweitert immer den eigenen Horizont. Die Schweizer sind bekanntlich eher isoliert, deshalb tut es gut, auch einmal andere Denkweisen und Methoden auszuprobieren.» Er werde im Juni zum ersten Mal selbst nach Myanmar reisen, um zu sehen, was man von Brugg aus noch tun könne.

Es funktioniert auch ohne Schlaufe

«Es gibt einige Unterschiede zwischen den Techniken, die wir hier in der Schweiz anwenden, und jenen, die in Myanmar üblich sind», erklärt Adrian Bürgi. Gemeint ist, dass man eine Schlaufe in die Kabel macht, damit es schöner aussieht. «Ein typisches Schweizer Ding. Aber wie man sehen kann, funktioniert es auch ohne», sagt er und lacht.

Es gebe aber auch einige Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen. So schütteln sich in Myanmar alle zur Begrüssung und Verabschiedung die Hände. Für Htat Aung und Kandae geht es nun weiter nach Böttstein, wo die Frau von Adrian Bürgi allen ein thailändisches Mittagessen kochen wird.

Später im Programm steht ausserdem die Besichtigung der neuen Operationssäle in Rheinfelden, für die die Firma Jost AG die Elektronik installiert hat. «So sehen sie nicht nur die Theorie, sondern auch einmal die Praxis.»