Brugg-Lauffohr
Einblicke in den Flüchtlingsalltag im ehemaligen «Jägerstübli»

Wie funktioniert eine Unterkunft für Asylsuchende? Wer dies wissen wollte, hatte am Wochenende die Gelegenheit dazu. Die kantonalen Unterkunft für Asylsuchende im ehemaligen «Jägerstübli» lud zum Tag der offenen Tür. Zahlreiche Besucher folgten der Einladung.

Ursula Burgherr
Merken
Drucken
Teilen
Flüchtline im Jägerstübli
8 Bilder
Neugierig auf die kulinarischen Spezialitäten aus Sri Lanka, die von den Flüchtlingen am Tag der offenen Tür angeboten wurden.
Seit Juni 2015 ist das ehem. Restaurant Jägerstübli in Brugg-Lauffohr eine Katonale Unterkunft für Asylsuchende.
Seit Juni 2015 ist das ehem. Restaurant Jägerstübli in Brugg-Lauffohr eine Katonale Unterkunft für Asylsuchende (Bild ub)1
So sieht ein Schlaf- und Wohnraum in der Kantonalen Unterkunft für Asylsuchende in Brugg-Lauffohr aus.
Zwei Bewohner zeigen ihren Schlaf- und Wohnraum in der Kantonalen Unterkunft für Asylsuchende in Brugg-Lauffohr (Bild ub)1
Seit Juni 2015 ist das ehem. Restaurant Jägerstübli in Brugg-Lauffohr eine Katonale Unterkunft für Asylsuchende.
Viel Betrieb am Tag der offenen Türe in der Kantonalen Unterkunft für Asylsuchende in Lauffohr.

Flüchtline im Jägerstübli

Ursula Burgherr

Die Parkplätze rund um die kantonale Unterkunft für Asylsuchende im ehemaligen Restaurant Jägerstübli Brugg-Lauffohr sind voll. Nicht nur, weil unzählige Besucher die Chance nutzen, anlässlich des Tages der offenen Tür zu erfahren, wie ein solcher Betrieb funktioniert. Sondern auch, weil auf dem Grundstück gleichzeitig eine Autoverkaufsausstellung stattfindet.

Ein ziemlich befremdlicher Mix. Doch die Stimmung im Haus ist hervorragend. Das Publikum zeigt sich aufgeschlossen, neugierig und interessiert. Die 23 Männer aus Sri Lanka, die zurzeit hier leben, haben ein Buffet mit Spezialitäten aus ihrer Heimat hergerichtet. Kesari, ein süssliches Getreide mit Weinbeeren und Cashewnüssen, schmeckt köstlich.

Urban Hess ist der Betreuer der Asylunterkunft Brugg-Lauffohr, die seit Juni 2015 in Betrieb ist. «Ich bin dafür besorgt, dass der Tagesablauf funktioniert, alles immer ordentlich und sauber gehalten wird, versuche Schulplätze zu organisieren, damit die Asylbewerber unsere Sprache möglichst bald lernen, und mache die Auszahlungen», erklärt er seine Funktion.

Pro Person werden in der Regel täglich 10 Franken abgegeben. Die Männer kaufen ein, kochen und besorgen den Haushalt. Stolz zeigen einige ihre Zimmer, die sie zu viert oder zu sechst teilen. Etagenbetten, Waschbecken, Schränke für die Habseligkeiten. Alles ist einfach, aber zweckmässig eingerichtet. In einem der Korridore hängt ein Poster mit Figuren aus Disneyfilmen.

«Wartelisten sind lang»

Nithiyenthra ist sein ein paar Monaten in Brugg und wartet auf einen Schulplatz. «Mein Herz ist hier und doch nicht», radebrecht er halb Deutsch, halb Englisch. Sein Kollege besucht bereits den Deutschunterricht und fühlt sich etwas heimisch. Möchte er hierbleiben? Er lacht verlegen: «Ich hoffe. Aber ich habe noch keine Papiere.» Eines der Hauptprobleme seien die fehlenden Tagesstrukturen, sagt Urs Vogel vom kantonalen Sozialdienst, der die Männergesprächsgruppe Treffpunkt Integration in Windisch-Brugg leitet. «Die Wartelisten für Kurse, Schulen oder Ausbildungsplätze sind lang.»

Stephan Müller, Leiter Fachbereich Unterbringung und Betreuung Asylwesen vom kantonalen Sozialdienst, ist zufrieden mit der Unterkunft im ehemaligen «Jägerstübli»: «Es läuft alles sehr ruhig und geregelt ab. Beschwerden von Nachbarn gab es noch nie.»

Warum ist für ihn ein Tag der offenen Tür wichtig? «Einerseits gibt er den Bewohnern der Unterkunft die Möglichkeit, zu zeigen, wo sie ihren Alltag gestalten. Andererseits baut der Anlass Hemmschwellen und Vorurteile bei der Bevölkerung ab», ist er überzeugt. Der Aargau verfügt über zwei Erstaufnahmezentren mit 108 Plätzen sowie 70 Kantonale Unterkünfte mit 1950 Plätzen bei derzeit 2623 Unterzubringenden.