Im Zuge der Überbauung Fehlmannmatte in Windisch sind zwischen der oberen Klosterzelgstrasse und dem parallel verlaufenden Neubau 80 Zentimeter unter dem Boden die Fundamente römischer Mauern freigelegt worden, die zum in den letzten Jahren erforschten Grossbau gehörten. Es handelt sich um einen Teil der nördlichen Aussenmauer und eine im Abstand von 6 Metern liegende Mittelmauer mit Kammern.

Grösstes römische Steingebäude

Die ganze Anlage gilt als grösstes römisches Steingebäude der Schweiz. Dieses weist Aussenmasse von 160 auf 140 Meter auf. Wie Jürgen Trumm und Philipp Tröster von der Kantonsarchäologie erklärten, ist mit diesem Fund ein weiterer wichtiger Mosaikstein zum grossen Baukomplex aufgefunden worden.

Jedenfalls lassen die von den andern Aussenmauern abweichende Bauweise und das Fehlen von Auskragungen (Lisenen genannt) in diesem Bereich auf den ehemaligen Eingang schliessen. Dieser lag demnach unmittelbar gegenüber der Südwestecke des Legionslagers, was auf die enge funktionale Beziehung beider Grossbauten verweist.

Das nun freigelegte Teilstück der 140 Meter langen Nordmauer fand seine Fortsetzung bis hinüber aufs Fachhochschul-Areal und über den Harmonie-Kreisel hinaus. Die Archäologen konnten zudem feststellen, dass auf einem Teil des inneren römischen Mauerfundamentes vermutlich im 18. Jahrhundert das 2010 abgerissene Fehlmannhaus erstellt worden war.

Römischer Campus?

Wie erwähnt, hatten die Archäologen 2009–2011 das Areal gründlich untersucht. Dabei konnte die frühere Annahme, es handle sich um das römische Forum, nicht bestätigt werden – auch wenn in der Werbung für die neuen Wohnungen weiterhin auf den Forum-Standort verwiesen wird. So fehlen die für ein Forum wichtigen Bauten wie Tempel und Basilika, Gerichtsbau und Markthallen. Auch nach der Entdeckung der Nordmauer bleibt die Zweckbestimmung offen. Am Wahrscheinlichsten könnte es sich um einen römischen Campus, einen Truppen-Exerzierplatz für Fuss- und Reitersoldaten gehandelt haben.

Die neu freigelegten Mauern werden in den nächsten Tagen dokumentarisch aufgenommen und dann wieder zugeschüttet. So bleiben sie der Nachwelt erhalten, so wie die andern Reste dieser Grossüberbauung. Denn die neue Überbauung Fehlmannmatte steht exakt im früheren Innenhof und zerstörte damit keine Zeugen dieses imposanten Bauwerkes.

Vielleicht könnte dieses auf einer Informationstafel an der hier vorbeiführenden Route des Legionärspfades für die Besucher beschrieben und in Erinnerung behalten werden.