Brugg
Ein «verspäteter Theologe» als neuer Gemeindeleiter der Brugger Katholiken

Mit Simon Meier hat die katholische Pfarrei Brugg einen neuen Gemeindeleiter erhalten: Meier lebt seit einigen Wochen mit seiner Familie in Brugg. «Ich durfte bereits viele Begegnungen erleben», zeigt er sich erfreut.

Louis Probst
Drucken
Teilen
Simon Meier bezeichnet sich als spät berufenen Theologen. Louis Probst

Simon Meier bezeichnet sich als spät berufenen Theologen. Louis Probst

«Wir haben uns schon gut eingelebt», sagt Simon Meier, der neue Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Brugg. «Ich durfte bereits sehr viele Begegnungen erleben und Kontakte knüpfen. Ich spüre eine grosse Offenheit mir gegenüber. Und ich freue mich auf weitere Begegnungen.»

Seit ein paar Wochen lebt Simon Meier mit seiner Frau Ruth und den Kindern Silas, Tabea und Noemi im Pfarrhaus an der Bahnhofstrasse in Brugg. Vorher war er als Pastoralassistent und Co-Gemeindeleiter in der Pfarrei Baar tätig.

«Ich habe vier Jahre in der Pfarrei Baar gearbeitet», sagt er. «Es ist eine der grössten Pfarreien im Bistum Basel. Von ihren Dimensionen her ist sie aber mit der Pfarrei Brugg durchaus vergleichbar. Ich habe durch die Tätigkeit in Baar Verständnis für die Arbeit in einem Grossraum bekommen. Jetzt bin ich froh, dass ich diese Erfahrung machen durfte.»

Im Fricktal aufgewachsen

Er sei ein «spät berufener Theologe», stellt Simon Meier fest, der im fricktalischen Magden aufgewachsen ist und später die Ausbildung zum Primarlehrer absolviert hat. «Ich habe als Lehrer unterrichtet und dann das Studium der Erziehungswissenschaften aufgenommen», erklärt er.

«Später habe ich in die Privatwirtschaft gewechselt. Bei einer Versicherungsgesellschaft bin ich im Bereich Personalentwicklung tätig gewesen. Dort habe ich beim Aufbau eines firmeninternen Care-Teams für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgewirkt, die sich aufgrund der Kündigung der Anstellung auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren mussten.

Dabei habe ich die Bestätigung erfahren, wie wichtig das Umfeld für den Menschen ist. Die Konfrontation mit den Schicksalen dieser Menschen hat mich bewogen, eine persönliche Standortbestimmung vorzunehmen.

Dabei habe ich den Bezug zu meinen christlichen Wurzeln wieder neu entdeckt und nach einem Weg für ein berufsbegleitendes Theologiestudium gesucht.» Noch vor diesem Studium an der theologischen Fakultät in Luzern nahm Simon Meier die Tätigkeit als pastoraler Mitarbeiter in der Pfarrei Bad Zurzach auf. Inzwischen ist er seit acht Jahren im kirchlichen Dienst tätig.

«Mir war von Anfang an bewusst, dass ich verheiratet bin und deshalb nicht, wie bei meinen reformierten Kollegen, Priester respektive Pfarrer werden kann», erklärt Simon Meier.

«Aber auch als Laientheologe kann ich meine seelsorgerischen Anliegen einbringen. Man hat zwar oft das Gefühl, die römisch-katholische Kirche sei wahnsinnig hierarchisch strukturiert. Heute hat man aber auch als Laientheologe viel gestalterische Freiheit. Dass ich nur einen Teil der Sakramente spenden kann, mag ein Wermutstropfen sein – aber es grenzt meine Arbeit nicht massgeblich ein.»

Offenheit ist wichtig

Ihm sei es sehr wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, betont Meier zu seinen Vorstellungen über die Arbeit in der Pfarrei Brugg. «Ich will offen sein für die Menschen und ihre Bedürfnisse und für die Gegebenheiten der Pfarrei. Das im Bewusstsein, dass eine Pfarrei nie homogen ist und dass verschiedene Vorstellungen bestehen.»

Auf gewisse Spannungen angesprochen, die in der Katholischen Kirchgemeinde Brugg spürbar geworden sind, betont Simon Meier: «Mir ist es wichtig, so wie ich bin, meine Arbeit beginnen zu können und mich nicht allzu sehr mit Altlasten befassen zu müssen. Ich sehe, wie die Pfarrei aufgestellt ist. Ich stelle die grosse ehrenamtliche Aktivität, die Kraft, das Engagement, die Potenziale und die Chancen fest. Ich weiss, dass ich mich auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen kann. Die Pfarrei ist auf gutem Weg. Und ich spüre die Bereitschaft, gemeinsam diesen Weg weiterzugehen.»

Er gibt aber auch zu bedenken, dass man sich bewusst sein müsse, dass die Pfarrei Brugg personell am Limit sei. Das erfordere einen haushälterischen Umgang mit den Ressourcen.

Damit ist indirekt das Thema Pastoralraum Brugg-Windisch angesprochen, das möglicherweise mit zur Unruhe beigetragen hat. «Man braucht vor dieser Entwicklung keine Angst zu haben», stellt Simon Meier fest.

«Die Zusammenarbeit in der Kirchgemeinde läuft ja bereits auf dieser Ebene. Es ist wichtig, dass auch die ehrenamtliche Arbeit weitergeht. Und es besteht meines Wissens überhaupt nicht die Absicht, bei der Bildung von Pastoralräumen kirchliche Zentren zu schliessen.

Es braucht von uns allen eine gewisse Offenheit, uns auf den ohnehin nicht abwendbaren Prozess einzulassen. Wichtig ist, dass man das Gespräch sucht, um seine persönlichen Bedenken zu äussern. Schliesslich ist die Kirche eine Gemeinschaft mit verschiedenen Facetten. Genau das macht den Reichtum der Glaubensgemeinschaft vor Ort aus. Das soll auch so sein und bleiben.»

Aktuelle Nachrichten