Brugg
Ein Vergleich mit zwei Hüten, die jedes Museum aufhabe

Unter dem Titel «Brugg historisch – neu ausgestellt» wurde im Stadtmuseum über dessen Perspektiven diskutiert

Irene Hung-König
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Irene Hung-König

Schon der Aufgang zum Stadtmuseum und Stäblisaal im ehemaligen städtischen Zeughaus von 1673 in der unteren Hofstatt hat es in sich: Die geschwungene Wendeltreppe verlangt einem einen guten und konzentrierten Tritt ab. Vorbei an den Jugendfestkanonen im Erdgeschoss, überrascht einen der kürzlich renovierte Stäblisaal im ersten Stock, wo die Bilder des um 1900 bedeutenden Schweizer Landschaftsmalers Adolf Stäbli ausgestellt sind. Paare können sich hier auch das Ja-Wort geben.

Die rund 20 Gäste sind an diesem Montagabend nicht nur der Bilder wegen gekommen, sondern wollen das Gespräch mit der Brugger Stadtführerin Johanna Zumstein-Belart, der Badener Museumsleiterin Carol Nater Cartier und dem Aarauer Historiker Dominik Sauerländer mitverfolgen.

Der Gang ins Tourismusbüro

Kurator Dominik Sieber fühlt in breitem Baseldeutsch seinen Gästen punkto Museumsperspektiven den Puls. Er gibt auch gleich zu, von den Erfahrungen der Diskussionsteilnehmer profitieren zu wollen. Sieber will zuerst wissen, was sie in einer neuen Stadt machen: «Ich gehe oftmals ins Tourismusbüro, um nach den Museen zu fragen», sagt Johanna Zumstein. Als Stadtführerin hingegen zeige sie vielen Auswärtigen die Stadt. Speziell seien die Rundgänge mit den Rekruten, denn diese erhalten einen eigenen Kulturtag und besuchten unter anderem das Paul-Scherrer-Institut (PSI), die Wasserleitung Vindonissa und das Schloss Habsburg. «Die Brugger denken, dass die Rekruten später einmal mit ihren Kindern wiederkommen», meint Johanna Zumstein.

Ganz anders macht es Carol Nater Cartier: «Ich lasse mich in einer neuen Stadt einfach treiben und lese nachher darüber.» An ihrem Arbeitsort im Historischen Museum Baden können sich die Gäste während 30 Minuten mittels neun Filmen einen Überblick verschaffen.

Kurator Sieber erklärt, dass es nirgends so viele Museen gebe wie in der Schweiz. «Könnte dieser Museumsboom jemals aufhören?», will er von Dominik Sauerländer wissen. Dieser antwortet mit dem Vergleich der zwei Hüte, das jedes Museum aufhabe: Der erste Hut sei der Auftrag des Bewahrens und Sammelns von Objekten. Und diese müssen auch zugänglich gemacht werden. Den zweiten Hut vergleicht er mit dem Museum als Ort, wohin viele Leute kämen. Die vielen Eintritte seien so eine messbare Grösse. «Die Ortmuseen entstehen ja aus dem Bedürfnis heraus, alte Sachen nicht verschwinden zu lassen. Doch es gibt immer mehr davon, man hat dafür aber keinen Platz, es braucht ein Depot.»

Ein virtuelles Museum

Ein sogenanntes «E-Museum», um die Bestände virtuell anzuschauen, sei besonders für Schulen und Interessierte toll, meint Dominik Sauerländer. Regelrechte Fanatiker sammelten alles über Hellebarden, Rüstungen oder Schwerter. «Wir haben nachgefragt, ob sie zu einzelnen Objekten mehr wissen, und sie wussten mehr», sagt Carol Nater Cartier lachend.

Aus dem Publikum kommt der Hinweis, das Einfache, Einzigartige wirken zu lassen. Denn das Museum lebe vom Moment. Und wenn Geschichte vermittelt werden kann, indem man das Ganze mit dem Jetzt verknüpfe, sei dies sehr spannend.