Der 91-jährige Dr. Karl H. Buob, ehemaliger Wissenschafter, Grossrat, Windischer Einwohnerrat der ersten Stunde und Ehrenpräsident der Altersheimstiftung Windisch, wurde Anfang Woche am «Harmonie»-Kreisel auf der Hauserstrasse Opfer eines schrecklichen Verkehrsunfalls. Ein Lastwagen, der beim Fussgängerstreifen anhielt, überfuhr ihn beim Wiederanfahren – möglicherweise befand er sich für den unglücklichen Chauffeur in einem toten Winkel. Dass das Leben dieses besonnenen, redlichen und umgänglichen Menschen so tragisch endete, macht betroffen.

Verkehrsunfall Windisch: Opfer war Ex-Grossrat

Verkehrsunfall Windisch: Opfer war Ex-Grossrat

  

«Kari» Buob war mehrfach dabei, wenn auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene wissenschaftlich-technische, politische und sozial-fürsorgerische Weichen gestellt wurden. So wirkte er als promovierter ETH-Wissenschafter am Aufbau der Reaktortechnik und friedlichen Nutzung der Kernenergie in der Schweiz mit. Nach einem Forschungsaufenthalt in Kanada und einer Spezialausbildung in den USA wurde er Abteilungsleiter der Metallurgie in der Reaktor AG, dem späteren Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung (EIR) in Würenlingen. An seinem Arbeitsplatz ging 1960 der von BBC, Sulzer und Escher-Wyss entwickelte «Diorit»-Siedewasser-Forschungsreaktor in Betrieb.

Weil die Weiterentwicklung der Kernphysik zur Teilchenphysik zusätzliche Forschungseinrichtungen verlangte, entstand 1967 das Schweizerische Institut für Nuklearforschung (SIN). 1988 fusionierten das EIR und das SIN zum Paul-Scherer-Institut (PSI). Als Projektleitungsmitglied förderte Karl Buob die Zusammenführung der beiden unterschiedlichen Instituts-Kulturen im Spannungsfeld zweier Direktoren, die sich nicht grün waren. Er wurde Kommunikationsverantwortlicher des PSI. Zeitlebens blieb er vom Nutzungspotenzial der Kernenergie überzeugt. Halbwissen und ideologischen Vorbehalten begegnete er mit wissenschaftlicher Entschiedenheit.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte sich Karl Buob als Freisinnig-Liberaler auch in der Politik. Von 1973 bis 1989 vertrat er den Bezirk Brugg im Grossen Rat. Als Präsident der Kommission für Umwelt und Gewässer verhalf er dem Hallwilersee-Schutzdekret und dem Wasserschloss-Schutzdekret – wegweisenden Erlassen zur Erhaltung von zwei der schönsten Naturlandschaften im Aargau – zum Durchbruch. Er gehörte überdies dem Einwohnerrat Windisch seit dessen Gründung, 1973, bis 1993 an und präsidierte ihn 1978/79. Als sein bestes Werk bezeichnete er selber das während 25 Jahren ausgeübte Präsidium des Stiftungsrats für das Windischer Altersheim. Er verantwortete den Bau, sorgte für eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung und bot mit einer differenzierten Tarifordnung auch minderbemittelten Pensionären eine Aufnahmemöglichkeit.

Um den Verstorbenen trauern seine Gattin Alice, zwei Söhne und eine Tochter mit Familien sowie viele Weggefährten. Noch Ende dieses Monats wollte der bewundernswert rüstige Senior mit einer Reisegruppe in die französische Kulturstadt Lyon aufbrechen.